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| Über das Projekt "Grafschaft
Bentheim im Unterricht"
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Dieses unabhängige, private Projekt gibt es seit 2001. Am Anfang stand
der Versuch, Materialien für den Unterricht zu regionalen Themen bereit
zu stellen und dafür das Internet zu nutzen. In Zusammenarbeit mit Schulrat a. D.
Heinz Ragnitz wurden die Sammlung "Außerschulischer Lernorte"
und die "Grafschafter Schulgeschichte" Bestandteile des
Projekts. Aus "Grafschaft Bentheim im Unterricht" entstand die
"Hamsterkiste", die
inzwischen in deutschsprachigen Grundschulen zu einer Standardadresse geworden ist.
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Es ging aber auch um mehr: Schule darf sich nicht nur als ausführendes
Organ an der Leine von Politik und Bürokratie verstehen. Meckern allein
hilft nicht, man muss auch Beiträge leisten, die zu einer
vernünftigen Entwicklung von Schule beitragen.
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Die vielfältigen Versuche der letzten Jahre, Schule von oben zu entwickeln, haben sich nach den
völlig überschätzten und mutwillig falsch interpretierten PISA -
Ergebnissen noch deutlich verschärft. Schulpolitik und -verwaltung überschütten die Schulen seitdem mit einer Fülle von Anforderungen und Maßnahmen, die angeblich vor allem eines
zum Ziele haben: die "Qualitätsentwicklung" des
Schulwesens.
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Das niedersächsische
Kultusministerium hat auf der Basis - angeblich bundesweit gültiger - Bildungsstandards Kerncurricula
verordnet. Die Curricula definieren eine
Fülle von nach Lebensaltern gestufter "Kompetenzen", als wäre
Pädagogik eine manipulative Technik zum Klonen junger Menschen. Den Schulen
werden Vergleichsarbeiten aufgegeben, deren Bewertung man nachträglich schon mal
politisch zurecht biegt. Sie sind gehalten, Leitbilder und
Schulprogramme zu entwickeln, die Schule angeblich
positiv steuern, deren konkreter Inhalt allerdings völlig nebensächlich ist. Das
Ministerium definiert gute Schule in einem "Orientierungsrahmen
Schulqualität", der am grünen Tisch statt an vielfältiger
Wirklichkeit gewonnen wurde. Anhand eines "standardisierten
Qualitätsprofils" bewerten Schulinspektoren u. a. den Unterricht der Lehrerinnen und
Lehrer in 20minütigen Sequenzen. Die dabei erwartete und als gut definierte
didaktisch/methodische Ausrichtung orientiert sich ebenfalls an
bürokratischen Vorgaben, nicht an Erfahrung und reflektierter Pädagogik.
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Man erlaubt den Schulvorständen derzeit gnädig, über "die Inanspruchnahme der den Schulen im Hinblick auf ihre
Eigenverantwortlichkeit von der obersten Schulbehörde eingeräumten
Entscheidungsspielräume" (§ 38 a NSchG) zu verfügen. Lehrerinnen und Lehrer,
Schulleiterinnen und Schulleiter sollen heute dieses und morgen jenes
"eigenverantwortlich" umsetzen, sie reihen Sitzung an Sitzung,
füllen Ordner um Ordner.
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So entsteht eine Schulkultur des schönen Scheins. Der hat leider gar nichts mit "Qualitätsentwicklung" zu
tun, sondern schadet unseren Schulen und mit ihnen den Menschen, die in ihnen lernen
und lehren.
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Was tun? Vor allem: Sich nicht verbiegen lassen! Pädagogisches Handeln kann nur dann gut gelingen, wenn Lehrerinnen
und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter vom Sinn ihres Tuns überzeugt
sind. Lange Erfahrung lehrt, dass Schule nur dann nachhaltig besser wird,
wenn Entwicklung wirklich selbst bestimmt in kleinen und kleinsten Schritten
verläuft, mit Augenmaß und Beharrlichkeit. "Besenstrich für Besenstrich - aber immer die ganze Straße im Blick
haben", sagt Michael Endes Beppo Straßenkehrer. Dazu braucht es kein
"standardisiertes Qualitätsprofil", sondern Ideen und Mut, Anregung und
Austausch, menschliches Maß und Anerkennung, sinnvolle Rahmenbedingungen
und Verzicht auf bürokratische Bevormundung. Es braucht auch Selbstbewusstsein, auch Verweigerung gegenüber Unsinnigem und einen langen
Atem.
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"Grafschaft Bentheim im Unterricht" versteht seinen bescheidenen Beitrag so: Ein Projekt von unten, das ein wenig von dem zeigt, wozu Schule
fähig wäre, wenn man sie ließe. Das der konkreten Umsetzung von Ideen,
einer reflektierten, verantwortlichen Pädagogik vor Ort bessere Ergebnisse
zutraut als politisch-administrativen Vorgaben. Und das mit Optimismus.
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Neuenhaus, im Juni 2008
Alois Brei
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