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Die Grafschaft Bentheim in der Geschichte |
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Der 1. Weltkrieg in Lage - 1918 |
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Teil 2 - Diese Fortsetzung der Darstellung über die Jahre des 1. Weltkriegs in Lage beruht auf den Aufzeichnungen der Lehrer Sager und Auf dem Kamp in der Schulchronik der Volksschule Lage. |
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Das
Verhältnis zwischen Deutschen und Holländern war gegen Ende des Krieges wenig
freundlich gespannt. Dazu vermerkt die Lager Schulchronik: Nebenbei
ist zu bemerken, dass man das Freundschafts- oder Feindschaftsgefühl der Holländer
zu uns am besten draus erkennen kann, dass unsere Nachbarn in dem Falle, dass
ihre Zeitungen deutsche Schlappen – draußen oder drinnen – zu berichten
wussten, den Deutsche gegenüber, denen Pässe das Überschreiten der Grenze
gestattet hatten, sich über alles genau unterrichtet zeigten, die Angelegenheit
nicht genügend mit einem leise unterdrückten Freudenton besprechen konnten; in
dem Falle aber, dass wir große Erfolge an den Fronten, auf oder unter dem
Wasser, in der Luft, in der Heimat auf das Ruhmesblatt unserer Geschichte
schreiben konnten, nichts wussten, jeder Unterhaltung darüber auswichen und mit
einem Achselzucken oder einer verbissenen Miene den lästigen „Schwätzer“
loszuwerden versuchten. Die
Grenzschützer bauten die an der Straße nach Holland angelegten Schützengräben
und Drahtverhaue weiter aus, so dass dort eine ziemlich starke Feldbefestigung
mit Unterständen und spanischen Reitern zum Versperren der Straßen entstand. In
den letzten Kriegsmonaten gab es im Gebiet zwischen der niederländischen Grenze
und der Ems ständige Personenkontrollen. In dieser Zone durften sich nur
Personen aufhalten, die im Besitz eines Ausweises waren. Vor allem auf Bahnhöfen
und an der Grenze wurden die Pässe
überprüft. Für die Schulkinder stellte der Lehrer Ausweise aus. Die Pässe
der Erwachsenen mussten mit einer Photographie versehen sein, besonders die älteren
Menschen hatten ihr Bild jedoch noch nie auf einem Stück Papier gesehen.
Deshalb wanderten Soldaten mit Fotoapparaten von Dorf zu Dorf, um die
Einwohnerschaft gruppenweise aufzunehmen. Im
Jahr 1918 lieferte Lage 900 Zentner Roggen, 1.000 Zentner Kartoffeln und 318
Pfund Speck ab, außerdem die kleinere der beiden Kirchenglocken, die man zu
Munition verarbeitete. Vierteljährlich durchgeführte Viehzählungen ergaben,
dass sich der Viehbestand von einem zum anderen Male verringerte. Durch den
Krieg waren auch die Aufgaben der Gemeindeverwaltungen gewachsen. Der
Gemeindevorsteher van der Kamp konnte die laufenden Geschäfte allein nicht
erledigen. Der Beigeordnete Griep sorgte für die Unterbringung der Landstürmer
und kümmerte sich um die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen der Behörden (Zählungen,
Bestandserhebungen, Ablieferungen usw.). Kaufmann Johann Bosmann übernahm die
Verteilung der Lebensmittelkarten, die Führung des Listenwesens und des
Schriftverkehrs der Gemeinde (Berichte, Meldungen, Erhebungen usw.). Durch
den Krieg wurden lebensnotwendige Nahrungsmittel, Kleidungsstücke, Haus- und
Ackergeräte, Licht, Brennmaterial knapp und die Preise stiegen. Zwar merkten
die Menschen auf dem Lande nicht so viel davon, sie „aßen fast so wie in
Friedenszeiten“. Schwierig war
jedoch die Beschaffung von Kleidungsstücken für Kinder und besonders von
Kohle. In der Schule fiel im Januar 1918 der Unterricht deshalb für 2 Wochen
aus. Petroleum war rationiert, so dass in fast allen Häusern wieder die alten
Karbidlampen zum Einsatz kamen. Die
Preise für Gegenstände des täglichen Bedarfs hatten sich durch den Krieg
enorm erhöht. Die Schulchronik enthält diese Aufstellung:
Der hohe Preis für Roggen verführte manchen Bauern dazu, einheimischen Roggen als holländischen auszugeben und teuer an die Aufkäufer abzusetzen. Für die Schmuggelwaren stiegen die Preise noch weiter. Beispielsweise zahlte man für 1 Pfd. dünnen, stark durchfeuchteten Speck 9 M – 10,50 M (vor dem Krieg 0,80 M). Weil die Lebensmittelvorräte Hollands auch stark zusammenschrumpften, kamen Tee, Kakao, Kaffee, Käse, Seife usw. fast gar nicht mehr über die Grenze. Im Sommer 1918 bekam man für 1 Mark nur noch 30 Cent, statt 60 Cent wie zu Kriegsbeginn.
Bild: GBiU Das Denkmal gegenüber der Lager Kirche nennt die Namen von 13 jungen Männern aus Lage, die in diesem Weltkrieg ihr Leben ließen. Allein 3 Söhne der Familie v. d. Bosch waren unter den Opfern. Doch als Opfer sah man sie nicht. Das im Jahr 1926 aufgestellt Denkmal spricht davon, dass die jungen Männer den „Heldentod für’s Vaterland“ gestorben seien. Erst nach einem weiteren schrecklichen Krieg änderte sich diese Sicht der Dinge. Lehrer
Sager übernahm im November 1918 wieder den Unterricht. Sein bisheriger
Vertreter Auf der Kamp kehrte nach Bramsche zurück. Die anfängliche
Kriegsbegeisterung war längst in maßlose Enttäuschung umgeschlagen.
In der nun wieder von ihm geführten Schulchronik beschrieb Sager das
Ende des 1. Weltkrieges so: Der
Ausbruch der Revolution und der Abschluss des Waffenstillstandes brachten die
deutschen Streiter in die Heimat zurück, von recht gemischten Gefühlen war der
einzelne wie die Allgemeinheit erfüllt: Freude des Wiedersehens, des
Wiederhabens und tiefe nationale Trauer über Deutschlands Unglück. Unbesiegt,
sind wir nun der Rache des Feindes preisgegeben. ... Bange Sorge brachte über
die Angehörigen der Oktober, Aufruhr, Empörung, Bürgerkrieg (Bolschewismus)
verlegten unseren zurückkehrenden Truppen vielfach den Weg. Erst im Januar bzw.
Februar kamen von dort die letzten Lager Krieger zurück. |
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Quelle: Lage - Geschichte und Geschichten, herausgegeben vom Dorf-, Burg- und Mühlenfreunden Lage e. V., Lage 2008 |
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