| Berufs-, Berufsfach- und
Fachschulen in
Nordhorn |
|
Die Entwicklung beginnt mit der gewerblichen
Fortbildungsschule, aus
der dann 1928 die Berufs- und Berufsfachschulen hervorgehen, die dann
um Fachschulen ergänzt werden.
|
|
Gewerbliche Fortbildungsschule
in Nordhorn
|
|
1894 - Im
Dezember 1894 fordert die
Regierung in Osnabrück in einem Schreiben an die Stadt Nordhorn
die Einrichtung einer Fortbildungsschule, in der Jugendlichen, die
einer handwerklichen oder kaufmännischen Ausbildung nachgehen,
unterrichtet werden. Der Magistrat der Stadt Nordhorn verneint jedoch
die Notwendigkeit einer derartigen Schule. Die Zahl der Lehrlinge sei
zu gering und der Magistrat bezweifele die Neigung der Lehrlinge, die
Schule zu besuchen. (Chronik der Berufsbildenden Schulen, Seite 16).
|
|
1900 - Die
Regierung in Osnabrück
bleibt hartnäckig und verlangt im Februar 1900, "sämtlichen
gewerblichen Arbeitern unter 18 Jahren durch ein Ortsstatut die
Verpflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule aufzuerlegen
(Chronik, S. 16; auch zu den weiteren Aussagen: Chronik). Durch
Beschluss des
Magistrats vom 29.8.1900 wird die
Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule auf freiwilliger Basis
beschlossen. Leiter der Schule sind die Hauptlehrer Barlage (Burgschule) und Klompmeyer (Altendorfer
Schule).
|
|
1904 - Da
nur wenige Schüler von
dem freiwilligen Angebot Gebrauch machen, wird der Schulbesuch ab 1904
verpflichtend für alle gewerblichen Arbeiter mit Ausnahme der
Textilarbeiter. Der Unterricht beginnt am 24. Oktober 1904 und findet
am Montag, Donnerstag und Freitag jeweils von 18 bis 20 Uhr statt.
Für jugendliche Fabrikarbeiter und weibliche Jugendliche besteht
kein Schulzwang. Neben Hauptlehrer Barlage
übernimmt Lehrer Hermann
Wieking (Altendorfer Schule) die Leitung. Alle Lehrer kommen von
Volksschulen und unterrichten nebenamtlich. Der Unterricht findet im
kleinen Saal des alten Rathauses an der Hauptstraße statt. Die
Schülerzahl steigt von 40 im Jahre 1904 auf 66 im Jahre 1910.
|
|
1910 - Die
Stadt kauft die Lindenschule
in der Lingener Straße vom Gesamtschulverband und stellt sie der
Fortbildungsschule zur Verfügung. Damit erhält sie erstmalig
ein eigenes, zweiklassiges Schulgebäude.
|
|
1915-1921 - Im
Kriege wird die Lindenschule
Lazarett; die Fortbildungsschule zieht in die Gildkampschule um. Nach
dem Abschied von Hauptlehrer Barlage
übernimmt Lehrer Wieking
im Kriege die alleinige Leitung, nach seinem Tode am 19. Juli 1921 Heinrich Specht von der
Altendorfer Schule bis 1928.
1921 -
Handelsschuldirektor R. Wefelmeyer schreibt im "Grafschafter" vom 16.
März 1921 einen Artikel "Die
Berufsschule" über die Zielsetzungen der Berufsschule.
|
|
1922 - In
der Anfangszeit werden die
Handwerks- und Kaufmannlehrlinge gemeinsam in zwei aufsteigenden
Klassen unterrichtet, danach wird die obere Klasse getrennt. Erst 1922
erfolgt die durchgehende Trennung der beiden Gruppen. Die
Handwerkslehrlinge erhalten sechs Wochenstunden, je zwei Stunden
Berufs- und Bürgerkunde, Rechnen und Buchführung, sowie
Zeichnen, die Kaufmannlehrlinge dagegen nur vier Wochenstunden, zwei
Stunden Handelskunde (mit Deutsch und Schriftverkehr) und
Bürgerkunde, sowie zwei Stunden Rechnen und Buchführung.
Auf Drängen der Arbeiterschaft wird die Schulpflicht
für die
Fortbildungsschule ab 1922 auch auf noch nicht 18-jährige
männliche Arbeiter erweitert. Weibliche Jugendliche sind jedoch
ausgeschlossen und werden erst ab 1929 mit einbezogen (nach: Specht,
S.364).
|
|
1927 - Von
den 860
Berufschulpflichtigen sind 310 (94 Handwerkslehrlinge, 57
Kaufmannslehrlinge und 159 Textilarbeiter) eingeschult. 550
Berufsschulpflichtige (16 Handwerkslehrlinge, 13 Kaufmannlehrlinge und
451 Textilarbeiter) besuchen noch keine Berufsschule. Hierbei ist zu
berücksichtigen, dass die Bevölkerung von 1900 mit etwa 2.400
Einwohnern bis 1927 durch Zuzüge aus dem Ruhrgebiet und aus
Ostpreußen auf etwa 11.000 angestiegen ist. Der Unterricht findet
jetzt an den drei Nordhorner Volksschulen
Altendorfer Schule, Frensdorfer Schule und Burgschule statt.
|
|
Berufs- und Berufsfachschulen Nordhorn
|
|
1928-1930 - Aus
der bisherigen Gewerblichen
Fortbildungsschule werden die Berufs- und Berufsfachschulen Nordhorn.
Erstmals wird ein hauptamtlicher Leiter gewählt. Am 13. Februar
1928 wird der Gewerbelehrer Emmel
in sein Amt als Berufsschulleiter eingeführt. Es wird ein
Berufsschulvorstand gegründet. Tagesunterricht wird
eingeführt. Als Schulgebäude steht das ehemalige Frensdorfer
Gemeindehaus zur Verfügung. Es werden ein zweiter
Gewerbelehrer und der Diplomlehrer Wilhelm Drolshagen
eingestellt.
Die Berufsschulpflicht wird 1929 auch auf Mädchen ausgedehnt; eine
Gewerbe-Oberlehrerin wird eingestellt.
Die Berufs- und Berufsfachschulen werden gegliedert in die
Knabenberufsschule mit kaufmännischen, handwerklichen, Industrie-
(Textil-) und landwirtschaftlichen Klassen und in die
Mädchen-Berufsschule mit hauswirtschaftlichen, gewerblichen,
kaufmännischen und Industrie- (Textil-) Klassen. Bei den
Landwirten tauchen jedoch erhebliche Schwierigkeiten auf, so dass die
landwirtschaftliche Abteilung bereits Ostern 1930 wieder geschlossen
wird.
Die Schüler können zu ihrer Weiterbildung Einzelkurse
besuchen, die ihrem beruflichen bzw. allgemeinen Interesse entsprechen.
Folgende Kurse werden angeboten:
1.
Kaufmännische
Abteilung: Englisch, Wirtschaftsgeographie, Einführung in
in die Volkswirtschaftslehre, Einheitskurzschrift, Deutsche Sprache und
Stillehre,
2. Handwerkliche
Abteilung: Geschäftsrechnen (für Anfänger/
Fortgeschrittene), Bürgerliches Rechnen, Algebra (für
Fortgeschrittene),
3.
Hauswirtschaftliche
Kurse: Einfache und feine Handarbeiten, Weißnähen
(für Anfängerinnen/ Fortgeschrittene), Schneiderkurse
(für Anfängerinnen/ Fortgeschrittene), Kunstweberei.
Im Jahre 1929 sind 18 Lehrkräfte an der Berufsschule tätig:
ein Schulleiter, vier Gewerbelehrer, ein Handelslehrer, drei
Gewerbelehrerinnen und neun nebenamtliche Kräfte. Die
kaufmännischen Klassen werden
in
einer Baracke auf der Alten Maate untergebracht. Ab 1930 werden auch
Textilmeisterkurse angeboten.
|
|
1931-1932 - 1931
erzwingen
Sparmaßnahmen die Kürzung des Unterrichts für Kaufleute
und Handwerker von 8
auf 6 Wochenstunden. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt erfolgt eine
Betreuung arbeitsloser Jugendlicher. 1932 werden die
kaufmännischen Klassen im Schulgebäude der
Frensdorfer Schule am Ootmarsumer Weg, der heutigen Waldschule,
untergebracht.
|
|
1933-1934 - Mit
dem Umbruch 1933 wird
Berufsschuldirektor Emmel
nach Bramsche versetzt. Nach kommissarischen
Vertretungen wird am 1. Dezember 1934 Regierung- und Gewerbeschulrat Böhlefeld Leiter der
Berufs- und Berufsfachschulen. Unter dem Einfluss der NSDAP
erleidet die jugendpflegerische
Arbeit der Berufsschule einen starken Rückgang. So müssen
mehrtägige Wanderungen, Gesang- und Musikgruppen, eine
Fotogemeinschaft und eine Fliegergruppe eingestellt werden oder werden
von der Hitlerjugend übernommen. Die bisherigen Abendkurse
übernimmt die "Deutsche Arbeitsfront" und macht dafür
erheblich Propaganda.
|
|
1937 - Die
zweijährige
Handelsschule wird eingerichtet. Von 70
angemeldeten Schülern können nur 36 aufgenommen werden. Die
Unterbringung erfolgt in einer Baracke am Promenadenweg.
|
|
1938-1939 - Am
30.6.1938
wird dann der Berufsschulneubau am Promenadenweg (früher: Ecke
Adolf-Hitler-Straße und Weg an der Vechte, heute: Vechtebau des
Gymnasiums) eingeweiht. Für Mädchen wird eine einjährige
Haushaltungsschule eingeführt. In einem Artikel der Nordhorner
Nachrichten vom 10. März 1939 heißt es, dass die
Schülerinnen lernen, dass "jegliche Arbeit, auch die
häusliche, sinnvoll durchdacht werden will; denn die geistige
Vorbereitung, der Arbeitsplan, gewährleistet stets die bessere
technische Durchführung der Arbeit ..." (nach: Chronik, Seite 107)
Die Berufsschule hat 1.700
Schüler und 17 Lehrkräfte. Es gibt folgende Klassen: Weber
10, Spinner 9, Handwerker 6, Kaufleute 4, Textilarbeiter 16,
Verkäuferinnen 3, Handelsschule 2, Haushaltungsschule 1,
Textilmeisterschule 2, zusammen
53 Klassen.
|
|
1940 - Es
wird eine Klasse zur
Ausbildung von Kinderpflegerinnen eingerichtet, 1941 auch eine Klasse
zur
Ausbildung von Hausgehilfinnen.
|
|
1948 - Durch
den Anstieg der
Schülerzahlen herrscht in den Berufsschulen Raumnot. In den
folgenden Jahren müssen die Berufs- und Berufsfachschulen
an den unterschiedlichsten Unterrichtsorten, zeitweise bis zu neun,
verteilt werden.. Erst mit dem Neubau der Mittelschule am Ootmarsumer
Weg 1958 werden den Berufsschulen die Gebäude an der Alten Maate,
speziell den kaufmännischen Abteilungen, zur Verfügung
gestellt, so dass eine gewisse Entlastung eintritt (GT, 19.4.1958)
Besondere Schwierigkeiten entstehen bei der Unterbringung von
kaufmännischen Angestellten in den Betrieben. So stehen
1947/48 468 Bewerbern lediglich 135 offene Stellen zur
Verfügung.
|
|
1950 - Nach
ersten Überlegungen
1947 wird zum 1. April 1950 - zunächst versuchsweise - die 1.
Klasse der Frauen-Fachschule beschlossen. Ostern1952 kommt die 2.
Klasse hinzu. Ostern 1961 erhält Nordhorn schließlich die
Klasse 3 und ist damit in Niedersachsen eine der wenigen voll
ausgebauten Frauen-Fachschulen neben Hannover, Braunschweig, Oldenburg
und Wilhelmshaven. Der erfolgreiche Besuch der Klasse 2 berechtigt nach
einem
einjährigen Berufspraktikum in einem Großhaushalt zur
Meldung für die Anerkennungsprüfung als
Hauswirtschaftsleiterin und zum Eintritt in die Ausbildungsgänge
als Hauswirtschafts- und Turnlehrerin (GN, 25.1.1950).
|
|
1951 - Am
31. März 1951 tritt der
Leiter der Berufs- und Berufsfachschulen Regierungsrat Fritz Böhlefeld in den
Ruhestand. Er leitete die Schule seit 1934. Ihm wird von allen Seiten
bescheinigt, dass die Schule unter seiner Leitung "ihren Ruf als
vorbildliche Lehranstalt ständig erweitert" habe (GN, 1.4.1951).
Sein Nachfolger wird Herr Berufsschuldirektor Karl Gude. Er stammte aus
Osnabrück und wurde 1932 Leiter der Städtischen Berufsschule,
später Kreisberufsschule, in Langensalza. 1947 verließ er
die Ostzone und war seitdem wieder in Osnabrück an der
Städtischen Berufsschule tätig (GN, 1.4.1951). Die
Berufsschule Nordhorn wird 1951 von insgesamt 2.314 Schülern
besucht, die in 72 Fachklassen von 21 hauptamtlichen Lehrkräften
und 11 nebenberuflichen Fachlehrern unterrichtet werden. Angeschlossen
sind eine zweijährige Handelsschule, eine
Haushaltungsschule, eine Kinderpflegerinnenschule, eine
Frauenfachschule
und eine Textilmeisterschule mit den Abteilungen Spinnerei und Weberei.
|
|
1953 - Zum
1.4.1953 wird in Nordhorn
die
Höhere Handelsschule eingerichtet. Ihr Besuch ist auf ein Jahr
bemessen und wird bei erfolgreichem Abschneiden auf die
kaufmännische Lehrzeit angerechnet, die dann nur noch zwei Jahre
dauert (GN, 21.4.1953)
|
|
1954 - Nach
einer Vereinbarung zwischen
dem Landkreis und der Stadt Nordhorn wird an den Städtischen
Berufs- und Berufsfachschulen eine zweite Handelsschulklasse
eingerichtet. Die Überlegung, in Nordhorn auch eine
Wirtschaftsoberschule
einzurichten, scheitert am Mangel geeigneter Lehrkräfte.
|
|
1955 - Am
7. Februar 1955 stirbt Karl
Gude während
eines Kuraufenthaltes in Bad Nauheim nach monatelanger Krankheit. Die
Nachfolge kann erst nach heftigen Auseinandersetzungen im Stadtrat
geregelt werden, wobei es um die Konfession der Bewerber geht. Erst im
Oktober 1955 wird der Fachvorsteher Hans Scholle aus
Lübeck als Bewerbervorschlag für die Regierung gewählt
(GN, 10/1955).
|
|
1960 - Der
Wille, den
Volksschulabgängern über den "Zweiten Bildungsweg" die
Möglichkeit zu eröffnen, ein Studium aufnehmen zu
können, führt am 1. April 1960 zur Einrichtung der
"Berufsaufbauschule" in Abendform. Die Berufsaufbauschule soll in
erster Linie befähigten
Volksschulabsolventen , die berufstätig sind, eine erweiterte
Allgemein- und Fachausbildung geben. Die Teilnehmer sollen innerhalb
von drei Jahren auf die Übernahme gehobener Aufgaben vorbereitet
werden. Ihnen soll außerdem der Eintritt in die
Höheren Fachschulen (Ingenieurschulen u.a.) ermöglicht
werden.
Der Unterricht wird neben dem Berufsschulunterricht in 11 Wochenstunden
am Sonnabendvormittag und in ein oder zwei Abendstunden erteilt.
Unterrichtsfächer sind Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie,
Geschichte, Wirtschaftsgeographie und Englisch (GN, Februar 1960).
|
|
1962 - In
die Diskussion um die
Erweiterung oder Konzentration der Berufsschulen ab Mitte der 50er
Jahre wird auch die Kreisberufsschule mit ihren Standorten Bentheim und
Neuenhaus einbezogen. Während Nordhorn die städtischen
Berufs-, Berufsfach- und Fachschulen mit der Kreisberufsschule
zusammenlegen und als Träger einen Berufsschulzweckverband
gründen will, strebt der Landkreis an, die Kreisberufsschule
unbedingt zu erhalten.
1961 schaltet sich auch der Regierungspräsident in die
Auseinandersetzungen ein und schlägt vor, eine
"Berufsschulgemeinschaft" zu bilden und in einem Neubau in Nordhorn
beide Schulen unterzubringen und den Stützpunkt Bentheim zu
erhalten. Der Kreistag gründet am 22. Oktober 1962 einen
"Berufsschulzweckverband", beschließt eine Konzeption über
die
Gliederung
der Zweckverbandsschule und den Neubau von Berufsschulgebäuden in
Nordhorn und Bentheim. Die Zweckverbandsschule soll in drei Sparten -
gewerbliche Berufsschule, kaufmännische Berufsschule und
hauswirtschaftliche Berufsschule - mit je einem Leiter gegliedert
werden. Die Baumaßnahmen sollen in den nächsten zwei Jahren
beginnen
(GN, 23.10.1962).
|
|
1964 - Mit
Wirkung vom 1. April 1964
ordnet der Regierungspräsident die
Zusammenlegung der Kreisberufsschule und der Städtischen Berufs-,
Berufsfach- und Fachschulen Nordhorn an. Es erfolgt folgende
Gliederung:
-
Eine Anstalt mit
gewerblicher Berufsschule,
hauswirtschaftlicher Berufsschule und den Berufsfach- und Fachschulen.
-
Eine Handelslehranstalt.
Der Leiter der gewerblichen
und
hauswirtschaftlichen Berufsschule ist
Berufsschuldirektor Scholle.
Mit der vorläufigen Leitung der
Handelslehranstalt wird Oberstudienrat Drolshagen beauftragt.
Ab 1. April wird Neuenhaus als Schulort aufgehoben. An den beiden
anderen Schulorten, in Nordhorn und Bentheim, bleiben alle drei Sparten
der Berufsschule bestehen (GN, Ende März 1964). Mit dieser
Anordnung endet die Geschichte der Berufs-, Berufsfach- und
Fachschulen Nordhorn
Zur Fortsetzung siehe: Gewerbliche Berufsbildende Schulen (BBS6) Kaufmännische Berufsbildende Schulen (BBS7)
Hauswirtschaftliche Berufsbildende Schulen (BBS8)
|
|
Quellen:
-
Chronik der Berufsbildenden
Schulen des Landkreises
Grafschaft Bentheim in Nordhorn, 1904 - 2004
-
andere Quellen, Fundstellen
im
Text angegeben.
|
|