| Volkschule
Holt und
Haar |
|
1794 -
Die
Bauerschaftsschule Holt und Haar wird erstmals im Jahre
1794 erwähnt: Die Witwe von Jan Egbers übergibt
dem
Kirchenrat in Gildehaus 100 Gulden zur Unterstützung dieser
Schule. Die Zinsen dieses Kapitals werden dem Lehrer dieser Schule
jährlich ausgezahlt. (siehe: Voort, Seite 187)
|
|
um 1800
- Nach einem nicht
genau einzuordnenden Schreiben
eines G. Kalter hat
er "in der Bauerschaftsschule zu Holt und
Haar 9 Jahre lang als Schullehrer gelehret" (siehe: Voort, Seite 187).
|
|
1826 -
Der Oberkirchenrat
spricht sich dafür aus,
"die bisherige Einteilung der hiesigen Schulbezirke (als) den
örtlichen Bedürfnissen am meisten entsprechend"
beizubehalten.
Neben der Hauptschule in Gildehaus sollen die vier vorhandenen
Nebenschulen in den Bauerschaften Sieringhoek, Bardel, Waldseite und
Holt und Haar bestehen bleiben. Am 8. März 1826 findet eine vom
Gesetzgeber verlangte Prüfung
der Nebenschullehrer statt. Aus Holt und Haar ist es ein Lehrer Vos,
der seit 13 Jahren im Dienst und 34 Jahre alt ist (siehe: Voort, Seite
189). Zu Beginn des 19. Jahrhundert wird der Unterricht - in der Regel
nur im Winter - von begabten Bauern und Handwerkern erteilt.
|
|
1847 -
In Holt und Haar
stand schon seit Beginn des 19.
Jahrhunderts eine Schule. Diese alte Schule wird 1847 durch ein neues
Schulgebäude ersetzt. Die Schule besuchen im Durchschnitt 25
Kinder. Der Lehrer erhält jährlich 25 Reichsthaler.
|
|
1859 - Berend Aarnink
wird nach Holt und Haar berufen.
Ihm wird vom Oberkirchenrat schriftlich zugesichert, dass er bei freier
Kost eine Bareinnahme von 30 Reichsthalern jährlich bekomme.
|
|
1898 -
Im Jahre 1898
(nach anderen Angaben 1895)
wird ein neues Schulgebäude zusammen mit einer Lehrerwohnung
gebaut.
Nach 60 Jahren, 1958, werden das Schulgebäude umgebaut und ein
neues
Lehrerhaus errichtet.
|
|
1911 -
Es wird eine neue
Schulchronik angefangen. Die
Vorgängerin liegt nicht vor. Die Schule besuchen 26 Schulkinder.
In Holt und Haar unterrichtet ein Lehrer Block.
|
|
1913 -
Lehrer Block wird
zum Jahresbeginn nach
Lüstringen versetzt. Die Stelle übernimmt ein Lehrer Snoek
aus Schöningsdorf.
|
|
1915-1918
- Vom 1.10.1915 bis
zum 8.12.1916 ist Lehrer Snoek
zum Kriegsdienst eingezogen. Die Vertretung erfolgt von Gildehaus und
Waldseite aus. 1917 ist der Unterrichtsbesuch der Kinder mangelhaft, da
die Väter zum Kriegsdienst eingezogen sind und die Kinder in der
Landwirtschaft helfen müssen. 1918 muss Lehrer Snoek an zwei Tagen
in der Woche in Achterberg vertreten.
|
|
1920 -
Am 7.3.1920 wird
erstmalig ein Elternrat
gewählt. Das Interesse ist nicht groß, wie auch die weiteren
Wahlen zeigen.
Die geistliche Schulaufsicht ist entfallen. Zuerst nimmt Rektor Südhoff
aus Frensdorf stellvertretend die Schulaufsicht wahr, bis Schulrat Valentin
aus Osnabrück für die Grafschaft zuständig wird.
|
|
1921 -
Lehrer Snoek wird
nach 8 Jahren in Holt und Haar
am 31.10.1921 nach Suddendorf versetzt. Er war der erste Lehrer, der
längere
Zeit in Holt und Haar tätig war. Für alle anderen bisherigen
Lehrer war die Stelle nur eine Durchgangsstation. Gründe waren die
Abgelegenheit des Ortes, der fehlende Anschluss an das
Straßennetz
und das Fehlen des elektrischen Stromes. Seit 1826 mit Lehrer Vos war
Lehrer Snoek der 21.
Lehrer der Schule.
|
|
1924 -
Am 29.1.1924 tritt
der Lehrer Albert Hennig
aus
Osnabrück nach dem kürzeren Einsatz von zwei Lehrern seinen
Dienst an der Schule Holt und Haar an. Er bleibt 34 Jahre und ist ein
Glücksfall für die Gemeinde.
|
|
1925 -
Die
Schülerzahl erreicht mit 17
Schülern einen Tiefststand, eine Folge des 1. Weltkrieges. Am 10.
August 1925 tobt ein Wirbelsturm über die Gemeinde;
über 100 Eichen und Pappeln fallen ihm zum Opfer, ein Haus wird
zerstört.
|
|
1932 -
Endlich wird eine
Straße von Brandlecht
über Holt und Haar nach Westenberg gebaut.
|
|
1933-1945
- Über diese
Zeit gibt es keine Aussagen in
der Schulchronik, da die Blätter auf Anordnung der
Militärregierung entfernt wurden.
|
|
1945 -
Lehrer Hennig wird
am 18.7.1945 aus englischer
Kriegsgefangenschaft entlassen. Der Unterricht beginnt in der
Grundschule am 29. August, in der Oberstufe am 25. Oktober. Nach der
vollen Wiederaufnahme des Unterrichts besuchen 25 Jungen und 30
Mädchen die einklassige Volksschle in Holt un Haar. Durch Zuzug
von Flüchtlingen steigen die Schülerzahlen von
55 (1945) bis auf 73 bzw. 75 in den Jahren 1949/50, um sich dann wieder
ab 1953 auf das Normalmaß von 25 bis 35 Schüler
einzupendeln.
|
|
1947 -
Trotz der strengen
und lang anhaltenden Kälte des Winters 1946/47 kann der Unterricht
in vollem Umfange in einem warmen Klassenzimmer erteilt werden.
Die Bauern sorgen durch
Holzanfuhr dafür, dass der Klassenraum geheizt werden kann.
|
|
1951 -
Die Schulchronik
enthält ausführliche
Berichte über Schulaufnahmen, Bundesjugendspiele mit Angabe der
Sieger, Freilichtbühnenbesuche, Wanderfahrten und Schulwanderungen
sowie Weihnachtsfeiern, Entlassungsfeiern u.a. Beispielhaft ist das
Jahr 1951. Nachdem die oberen Jahrgänge
Anfang Juli die Aufführung der Tragödie "Die Jungfrau von
Orleans" auf der Freilichtbühne besucht hatten, ist die Fahrt mit
einem Motorschlepper auf dem Ems-Vechte-Kanal von Nordhorn nach
Hanekenfähr und zurück ein Höhepunkt im Schulleben.
Für viele Schüler ist dies die erste Wasserfahrt, die fast 6
Stunden dauert und bei allen Teilnehmern Freude am letzten Schultag vor
den Sommererien auslöst. Am 22. Dezember findet dann die
Weihnachtsfeier auf der Diele des Bauern Hagelskamp statt, in dessen
Mittelpunkt das Märchenspiel "Frau Holle" steht.
|
|
1958 -
Nach
Planungen ab 1955 wird zunächst
ein neues Lehrerhaus gebaut und anschließend die Schule von 1898
umgebaut und um Gruppenraum und Lehrmittelzimmer erweitert. Der
Spielplatz wird ebenfalls
erweitert. Der Umzug der Familie Hennig erfolgt am 8.3.1958, die
Fertigstellung
des Schulhauses am 26.8.1958, worüber die Presse berichtet. Beim
Ausbau der Schule und dem Neubau des Lehrerhauses helfen viele
Gemeindemitglieder, an der Spitze Bürgermeister Hagelskamp,
fleißig mit. Ausdruck einer vorbildlichen Dorfgemeinschaft! Das
Bild zeigt die Schule nach dem Umbau.
|

|
Am 9. Oktober 1958 stirbt
Lehrer Albert Hennig
plötzlich an den
Folgen eines Herzinfarktes. Er ist fast 60 Jahre alt und war 34 Jahre
in
Holt und Haar tätig. Die enge Verbundenheit und das herzliche
Vertrauensverhältnis zwischen der Gemeinde und ihrem Lehrer
offenbart sich in einer ergreifenden Trauerfeier in der Schule, die von
Bürgermeister Hagelskamp,
Schulrat Kollmann und
Lehrer Bohlmann aus
Achterberg gestaltet wird.
|
|
1959 -
Nach
Vertretungsregelungen von Nordhorn aus
(Schmitz, Mirwald)
wird der Lehrer Hermann
Olthuis, der vorher in
Emlichheim tätig war, am 2. Februar 1959 von Schulrat Kollmann in
sein Amt als alleiniger Lehrer in Holt und Haar eingeführt.
Insbesondere Schulrat Kollmann
vertritt die Ansicht, dass die "Schule an der Grenze", die von 24
Schülern besucht wird, erhalten bleiben müsse. Die Liebe und
Verbundenheit zur Heimat zu wecken, ist Anliegen des
Niedegrafschafters Hermann
Olthuis. Im
Oktober 1959 wird ihm zusätzlich
die Leitung der Junglehrer-Arbeitsgemeinschaft für den Raum
Neuenhaus/Veldhausen übertragen.
|
|
1960 -
Die Schule
erhält eine Umgrünung
nach den Vorschlägen von Schulrat i.R. Portheine. Außerdem
erfolgt die Anschaffung zahlreicher Lehr- und Lernmittel. Eine Sammlung
für
die Anschaffung eines Episkops ergibt 613,- Mark. Die Schulchronik
enthält weiterhin ausführliche Berichte von
Elternabenden mit Liedern, Gedichten und Theaterstücken, zu denen
die ganze Gemeinde kommt, über Schulfahrten und -wanderungen,
Freilichtbühnenbesuche und Feiern zu verschiedenen Anlässen,
z.B. Weihnachten, Tag der deutschen Einheit, Reformationsgottesdiensten
in Gildehaus.
|
|
|
1962 - Die
Schüler besuchen nach 8
Schuljahren in Holt und Haar das 9. Schuljahr in Gildehaus. Die
Abschulung der ganzen Oberstufe nach Gildehaus wird von der Gemeinde
abgelehnt, weil der Schulweg wegen der unzureichenden
Verkehrsanbindungen als unzumutbar lang angesehen wird und der
Fortbestand der Schule wegen des Absinkens der Schülerzahl unter
12 gefährdet erscheint.1962 werden nur 2 Kinder eingeschult. Auf
dem Bild Lehrer Olthuis
mit den beiden Schulneulingen vor der
Schultür.
|
|
|
1964 - Hermann Olthuis
geht Ostern 1964 als Rektor zur
Ev. Volksschule Bentheim. Sein Nachfolger wird Zwier Höllmann, der
als Junglehrer in die Stelle eingewiesen wird und hier auch seine 2.
Lehrerprüfung ablegt. Auch Herrn Höllmann
ist es pädagogisches Anliegen, die Liebe zur Heimat und zur Natur
zu wecken. Besonders das Syen-Venn mit den Bruch- und Moorvögeln
ist bei Streifzügen immer wieder das Ziel bei kurzfristig
angesetzten Unterrichtsgängen.
|
|
1968-1969
- Zu Beginn des
Schuljahres 1968/69 werden die
Schuljahrgänge 5 bis 8 nach Gildehaus abgeschult. Es bleiben 17
Schüler der Grundschule in Holt und Haar: 5 im 4. Schuljahr, 7 im
2. Schuljahr und 5 im 1. Schuljahr; wegen der Kurzschuljahre gibt es
kein 3. Schuljahr. Lehrer Höllmann
wird zum Schuljahresende 1968/69 zur
Freiherr-vom-Stein-Realschule in Nordhorn versetzt. Sein Nachfolger
wird Armin Franske.
In der Schulchronik erfolgen keine Eintragungen
mehr.
|
|
1975 -
Mit Ablauf des
Schuljahres 1974/75 wird die
Grundschule Holt und Haar aufgelöst. Die Grundschüler
besuchen seitdem ebenfalls die Schule in Gildehaus. Lehrer Franske wird
nach Gildehaus versetzt und wohnt weiterhin in Holt und Haar.
|
|
Quellen:
-
Schulchronik Holt und Haar,
1911 - 1956 ; (Die Seiten 21 - 64
über die
Jahre 1933 - 1944 sind auf Weisung der Militärregierung
herausgetrennt worden.)
-
Schulchronik Holt und Haar,
1956 - 1969, (Anmerkung: Die
Schulchronik von den
Anfängen bis 1910 liegt nicht vor.)
-
Hermann Olthuis, Auszüge
aus der Schulchronik der
Volksschule Holt und Haar, 1962
-
Heinrich Voort, 700 Jahre
Gildehaus 1292 - 1992,
VVV Gildehaus e.V., 1992, Seite 186
-
Hartmut Abel, Die
Volksschulen Achterberg-Westenberg und Holt und
Haar. Ein Rückblick
auf die Zeit ab 1945 bis zu ihrer
Auflösung, erscheint im Herbst 2005
-
Carl Jürgensen,
Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit, Persönliche
Erlebnisse aus der Kindheit in Holt und Haar, Der Grafschafter, Nummer
3/2006; auch: Glückliche Kinderjahre in Holt und Haar
(GN,31.12.2005)
|