Das Eylarduswerk in Gildehaus

Zur Geschichte
Das Eylarduswerk ist 1920 als "Reformiertes Kinderheim Hestrup" gegründet worden. Es wurde am 15. September 1920 unter der Nummer 13 als neuer Verein in das Vereinsregister der Amtsgerichts Bentheim eingetragen. Den Gründungsaufruf des " finden Sie in der Anlage. Gründer des zunächst kleinen Vereins waren Mitglieder der evangelisch-reformierten  und der evangelisch-altreformierten  Gemeindenim südlichen Teil des Kreises Grafschaft Bentheim.. Zweck des Vereins war die Betreuung und Erziehung von vernachlässigten Ausschusses für das Reformierte Kinderheim in Hestrup"Kindern. Der Verein verstand sich als eine Einrichtung der Inneren Mission und wollte den Vereinszweck erfüllen als "Dienst christlicher Nächstenliebe auf der Grundlage des Wortes Gottes nach der Auffassung des Heidelberger Katechismus".Um den Vereinszweck nachzukommen, sollte ein Kinderheim eingerichtet werden, aber  hierfür fehlten zunächst die Mittel. Die ersten Kinder wurden den Schwestern des Paulinenkrankenhauses in Pflege gegeben. Der Verein begann durch Sammlungen die benötigten Gelder zusammen zu bringen.,was bei der Armut der Nachkriegszeit sehr schwierig war. Insbesondere half dann eine durch Vermittlung des Reformierten Bundes für Deutschland überwiesene Spende aus Nordamerika.
Schließlich ergab sich die Möglichkeit, statt in Hestrup ein Haus zu bauen, das in Gildehaus zum Verkauf stehende Haus des Fabrikanten Wilhelm Hoon zu erwerben. Nach den erforderlichen Ausbesserungsarbeiten konnte dann in Gildehaus dieses Heim am 1. Februar 1922 seiner Bestimmung übergeben werden.

1921 kaufte der Verein "Reformiertes Kinderheim Hestrup"dieses Haus in Gildehaus.

Nach der Einrichtung des Heimes hat dann die Mitgliederversammlung den Namen beschlossen: "Reformiertes Kinderheim Hestrup/Gildehaus". Es blieb bis 1965  bei dem angekauften Haus, das immer wieder verbessert und den steigenden Anforderungen entsprechend umgebaut wurde. Schließlich wurde ein großer Anbau errichtet und 1971 ein neues Wohnhaus für den Heimleiter und seine Familie. Aber dann setzte 1973 eine rege Bautätigkeit ein und aus dem kleinen Kinderheim ist ein stattliches Kinder- und Jugenddorf geworden, in dem vorschulpflichtige Kinder, Schüler und Auszubildende - Mädchen und Jungen - wohnen.
Der Verein hat seinen Namen behalten, aber seiner Einrichtung 1975 den Namen gegeben: "Eylardushof - Evangelisch-reformiertes Kinder- und Jugenddorf Gildehaus". Eylardus war im 13. Jahhundert ein im Dienste des Bischofs von Utrecht stehender Ritter. Auf dem Gelände seines in Gildehaus gelegenen Hofes ist wahrscheinlich die Kirche errichtet worden, in deren Nachbarschaft der Eylardushof liegt.
1989 wurde der Name in Eylarduswerk geändert.

Zur Entwicklung des Kinderheims
Die Praktikantin der Fachklasse für Kindergärtnerinnen (Oberstufe), Brigitte Lange, schreibt in ihrem Bericht "Mein Großpraktikum vom 12. Juli bis 8. August 1948 im Reformierten Kinderheim Gildehaus/Hestrup" über die bisherige Entwicklung: "Das  Reformierte Kinderheim in Gildehaus war ursprünglich Privatbesitz und wurde dann von der Kirche übernommen. Es wurde als Kinderheim für 20 - 25 Kinder eingerichtet. 1943 ging die Leitung des Heimes in die Hände der NSV über. 1945 wurde das Heim vollständig ausgeplündert, um dann im Herbst des gleichen Jahres aus kleinsten Anfängen wieder ausgebaut zu werden. Einrichtung, Wäsche, Kleidung, Vorräte, alles das mußte mühsam wieder beschafft werden. Mit Hilfe der kirchlichen Gemeinde, des Jugendamtes, aber vor allem des tatkräftigen Einsatzes von Schwester Lina gelang es, das Heim so weit zu fördern, daß es heute in der Lage ist, 35 - 40 Kinder aufzunehmen. Allerdings ist vieles noch sehr behelfsmäßig und primitiv, doch mit der Zeit wird auch hier Abhilfe geschaffen werden".
Über die Situation im Jahre1943 schreibt Pastor Müller in der 75-jährigen Jubiläumsschrift: " In dieser Zeit bekam das Heim keine Kinder mehr zugewiesen, es stand fast leer. Man wollte einer kirchlichen Einrichtung keine Kinder mehr anvertrauen. Am 8. September 1943 erschien eine Kommission der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt), Gau Weser/Ems (Oldenburg), zusammen mit zwei Vertretern aus der näheren Umgebung. Sie kündigten die Beschlagnahme des Heimes an, man benötige es , da wegen des Bombenkrieges viele Kinder obdachlos geworden seien. Der Verein erklärte sich bereit, diese Kinder aufzunehmen, wollte aber das Heim und die Leitung behalten. Am 14. September 1943 jedoch erfolgte die Beschlagnahme des Heimes mit einer Verfügung des Landrates. Damit war die Geschichte des Reformierten Kinderheimes Hestrup/Gildehaus an ein vorläufiges Ende gekommen. (Quelle: Pastor Helmut Müller, Der Anfang ist immer auch gegenwärtig, Jubiläumsschrift, Seite  28 - 47, Bad Bentheim1995)

Leitung des Kinderheims bzw. Eylarduswerkes
- 1922 - 1943: Johanne Busmann, Hanna Manger, Martha Udet
- 9.6. -13.8.1945: Johanne Wichmann, geb. Siemering
- 13.8.1945 - 1955: Schwester Lina Riesenberg, Diakonissenhaus Detmold
- 1955 - 1970: Rosemarie Plöger, Diakonissenhaus Detmold, nach weiterer Ausbildung Übernahme einer Aufgabe in der Erwachsenenbildung
- 1970 - 1982: Karl-Heinz Klitsch, Diakon, neues Konzept: Aufteilung des Heimes in familienähnliche Wohngruppen
- 1982 - 1991: Manfred Becker, Diakon, Ausbau zu einer dezentralisirten, vielfach geglieerten Einrichtung der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
- 1991 - 1994: Vakanzzeit, kommissarische Leitung durch Bereichsleiter
- 1994 -  2007: Karl-Heinz Filthut, Diakon, Erziehungshilfen verschiedener Artin Gildehaus, Bad Bentheim, Nordhorn, Lingen, Meppen, Schüttorf, Gronau, Epe,
                         240 Kinder, 217 Mitarbeiter (in Voll- und Teilzeitbeschäftigung)
- ab 2007:         Detlev Krause, Pädagogischer Vorstand, und Friedhelm Wensing, Kaufmännischer Vorstand


Zum Eylarduswerk
(Quelle: GN am Wochenende vom 16.1.1999, Text: Marianne Begemann)
Das Eylarduswerk ist eine diakonische Einrichtung für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Über 200 Kinder und Jugendliche werden zur Zeit von den Fachleuten des Eylarduswerkes betreut. Es sind Kinder mit großen Entwicklungsstörungen, Verhaltensproblemen und Schulschwierigkeiten. Sie kommen aus Familien, in denen es meist mehrere  Konflikte gibt - seien es Alkohol- oder andere Suchtprobleme, Gewalttätigkeiten, Krankheiten und andere schwerwiegende Krisen. Das Eylarduswerk hat seinen Schwerpunkt in Gildehaus, arbeitet aber dezentral auch in Bad Bentheim, Nordhorn, Lingen, Meppen, Schüttorf, Gronau, Ahaus und Rheine.
Wichtige Arbeitsbereiche sind:
Das Konzept
Nicht das Kind allein, sondern das Kind in der Familie steht im Mittelpunkt der  Arbeit des Eylarduswerkes. Ziel ist es, die Eltern mit einzubeziehen in die Hilfsmaßnahmen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre eigenenMöglichkeiten in der Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder zu erkennen und zu nutzen.

Dieser Ansatz gilt auch bei der Heimerziehung: Kinder, die in Heimen leben, möglichst zurückzuführen in die Familie und bei diesem Prozess die Eltern aktiv einzubeziehen. "Die Aufnahme in die Heimerziehung sollte zugleich der erste Tag der Rückführung in die Familie sein", erklärt Klaus ter Horst, therapeutischer Leiter des Eylarduswerkes.

Neben den pädagogischen Vorteilen, die eine Verkürzung der Heimerziehung bietet, sind auch die finanziellen Einsparungen nicht zu verachten. Ideal wäre es natürlich, eine Heimerziehung ganz zu vermeiden. "Das bedeutet aber, das noch mehr präventiv gearbeitet werden muss", betont der Psychologe.Seine Forderung:Viel früher hinschauen und viel frühzeitiger helfend eingreifen durch ambulante Hilfen wie das Video-Home-Traning.
GN, 09.07.2010

Spielplatz für Kinder des Eylarduswerks

Spenden und Eigenleistung ermöglichten Einrichtung in Gildehaus


hd gildehaus. Auf dem Gelände des Eylarduswerks in Gildehaus ist ein neuer Spielplatz eröffnet worden. Nach den Worten von Detlev Krause vom Pädagogischen Vorstand waren eine Betonplattenfläche mit Tischtennisplatte und Volleyballnetz der Ausgangspunkt. Weil immer mehr kleinere Kinder im Eylarduswerk leben und Mütter mit ihren Kleinkindern betreut werden, sollte hier ein Spielplatz entstehen, für den jedoch das Geld fehlte.
Durch Unterstützung von zahlreichen Sponsoren wie der Stiftung Volksbanken, der KD-Bank, der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Gildehaus, dem ehemaligen Vorstand Karl-Heinz Filthuth und dem Bastelkreis des Eylarduswerkes konnte das Vorhaben schließlich doch realisiert werden – auch durch tatkräftige Unterstützung der Werkstatt des Eylarduswerkes. Alle Geräte, auch die imposante Sandsteinklettermauer, sind selbstverständlich vom TÜV abgenommen.
Geplant wurde der Spielplatz gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen sowie engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Viele verschiedene Ideen und Überlegungen wurden auf Machbarkeit und Finanzierbarkeit geprüft und schließlich in Teilschritten realisiert.

Am Anfang waren es nur drei Waisen

Eylarduswerk hilft seit 90 Jahren Kindern

Das Eylarduswerk unterstützt seit genau 90 Jahren Kinder, Jugendliche und Familien. Die offizielle Gründung war am 15. September 1920. Alles begann mit drei Waisen.


 
„Helft den armen, verlassenen deutschen Kindern durch Errichtung von ländlichen Kinderheimen!“ Dieser Aufruf, der in altdeutscher Schrift 1920 in der Bentheimer Zeitung erschien, blieb nicht ungehört. Heute besteht das Eylarduswerk 90 Jahre und hat sich aus kleinen Anfängen zu einem der größten Arbeitgeber in Bad Bentheim entwickelt. Mittlerweile beschäftigt der Verein der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe rund 300 Mitarbeiter.
Die Vielzahl von verlassenen und hungernden Kindern nach dem Ersten Weltkrieg führte am 15. September 1920 zur Gründung des „Reformierten Kinderheimes Hestrup/Gildehaus“. Vor allem die Kirchengemeinden der Region machten sich damals dafür stark. Ging es vor 90 Jahren vorrangig um Waisen, stehen heute Probleme im Vordergrund, die Kinder und Jugendliche damit haben, sich im Leben zurechtzufinden. „Gleichgeblieben ist aber die diakonische Aufgabe, jungen Menschen zu helfen und die Familien bei ihren Erziehungsaufgaben zu unterstützen“, sagte Pastor Thomas Fender, Verwaltungsratsvorsitzender des Eylarduswerkes. In der reformierten Kirche in Gildehaus feierten am Sonntag viele Kinder und Mitarbeiter anlässlich des 90-jährigen Bestehens einen gemeinsam gestalteten Gottesdienst. Das Eylarduswerk ist heute die größte Einrichtung des Diakonisches Werkes der Evangelisch-reformierten Landeskirche. In 50 verschiedenen Betreuungsprojekten bietet es an 18 Standorten in Niedersachsen und Westfalen jährlich Hilfen für 700 Kinder, Jugendliche und Familien.
Im Gründungsjahr 1920 wurden drei Kinder aufgenommen und zunächst im Paulinenkrankenhaus in Bentheim betreut. Ein Jahr später kaufte der Verein die Fabrikantenvilla Hoon in Gildehaus, genau gegenüber der Reformierten Kirche. 1975 begann der Bau des Kinderdorfes am Teichkamp mit mehreren Kinderwohnhäusern. 1978 startete die Eylardus-Schule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt für emotionale und soziale Entwicklung. Ab 1981 entstanden in den umliegenden Städten und Landkreisen nach und nach weitere Arbeitsbereiche. 1992 wurde die Beratungsstelle für Betroffene von sexueller Gewalt „Hobbit“ in Nordhorn gegründet. „Die Stärke des Eylarduswerkes ist das Zusammenwirken der Bereiche Pädagogik, Schule und Therapie“, fasst der pädagogische Vorstand Detlev Krause das differenzierte Konzept zusammen. Hauptaufgabe ist es, benachteiligte junge Menschen zu betreuen, zu beschulen und zu behandeln. „Weil unsere Klientel häufig am Rande der Gesellschaft steht, ist unsere Arbeit notwendiger denn je“, sagt der kaufmännische Vorstand Friedhelm Wensing. Auftrag des Eylarduswerkes sei es, die Defizite der Jugendlichen auszugleichen und sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Als diakonische Einrichtung versteht das Eylarduswerk seine Arbeit als praktizierte Nächstenliebe, die von den Mitarbeitern zugleich den Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit verlangt. Der heutige Name Eylarduswerk ist im Vergleich zur 90-jährigen Geschichte relativ jung: Als die Bezeichnung „Heim“ dem vielfältigen und dezentralen Arbeiten nicht mehr entsprach, erhielt die Einrichtung 1975 den Namen Eylardushof, der 1989 in Eylarduswerk geändert wurde. Dieser Name erinnert an den Ritter Eylardus, der seinen Hof von 1227 bis 1233 an der Stelle hatte, auf der heute das alte Kinderheimgebäude und die Gildehauser Kirche stehen".
Quelle: GN, 16.9.2010)


Weitere Informationen finden Sie in der Homepage des Eylarduswerkes: http://www.eylarduswerk.de
Unter anderem finen Sie dort auch die Geschäftsberichte seit 2003: http://www.eylarduswerk.de/downloads/geschaeftsberichte