Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelbericht zur Bildungspolitik
Abitur eines Doppeljahrgangs

Im Frühjahr 2011 legt an Niedersachsens Gymnasien der Doppeljahrgang die Reifeprüfung ab.

Über das Abitur im  Schuljahr 2010/11 schreibt Daniel Klause in den Grafschafter Nachrichten einen umfangreichen Bericht, der hier wörtlich wiedergegeben wird .

"Sie sind Angehörige eines ganz besonderen Jahrgangs, und sie sind sich dessen voll bewusst. Die eine Hälfte von ihnen wird zum letzten Mal nach 13 Jahren das Abitur ablegen. Die andere Hälfte muss dieselben Prüfungen des niedersächsischen Zentralabiturs bereits nach zwölf Jahren bewältigen. Die Älteren sind die letzten Schüler, die zumindest ein Jahr lang gemeinsam mit Haupt- und Realschülern die abgeschaffte Orientierungsstufe besuchten. Die Jüngeren wechselten von der Grundschule direkt ans Gymnasium.
Die GN haben sich mit Schülern des so genannten Doppeljahrgangs über ihre Erfahrungen während der Schulzeit, ihre Erwartungen und Befürchtungen an die Abiturprüfungen und ihre Hoffnungen für die Zeit danach unterhalten. Eine besondere Gruppe bilden dabei die aus Westfalen stammenden Gymnasiasten in Bardel, die zwei Jahre früher als ihre Freunde in Gronau, Ochtrup oder Epe das Abitur nach zwölf Jahren machen.
Auch für die Lehrer an den vier allgemeinbildenden Gymnasien in der Grafschaft bedeutet der Doppeljahrgang eine Herausforderung. Am größten Gymnasium in Nordhorn sieht man den Abiturprüfungen mit gemischten Gefühlen entgegen. Wegen der hohen Schülerzahl könnten Räume und Aufsichtspersonal knapp werden. An allen Gymnasien laufen daher bereits jetzt die Vorbereitungen.
Eine große Befürchtung lautet, dass die Plätze für Studienanfänger und die Ausbildungsplätze nicht für alle Abiturienten ausreichen. Wie und wo man trotz der großen Anzahl an Bewerbern seinen weiteren Berufsweg beschreiten kann, darüber informiert die Agentur für Arbeit in einer mehrmonatigen Kampagne.
Auch Universitäten und Ausbildungsbetriebe bereiten sich auf den Zeitpunkt vor, an dem die Gymnasien den Doppeljahrgang entlassen. Sie stellen zusätzliche Plätze für Studienanfänger und Auszubildende zur Verfügung."
In der ersten Folge der GN-Serie „Auf dem Weg zum Doppelabi“ berichten Elft- und Zwölftklässler des Lise-Meitner-Gymnasiums in Neuenhaus und Elftklässler des Missionsgymnasiums Bardel von ihren Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht.

Versuchskaninchen der Schulpolitik

"Mehr als 800 junge Männer und Frauen bereiten sich derzeit an den vier allgemeinbildenden Gymnasien in der Grafschaft auf ihre Abiturprüfungen im kommenden Jahr vor. Die GN haben mit einigen Schülern des so genannten Doppeljahrgangs über ihre Erfahrungen mit der gemeinsamen Oberstufe gesprochen. Außerdem berichten Verantwortliche an den Gymnasien, wie sie die Schüler auf das „Abitur der zwei Geschwindigkeiten“ vorbereiten.

Thomas Kern spricht von einer „besonderen pädagogischen Verantwortung für diesen Jahrgang“. Der Oberstufenkoordinator am Burg-Gymnasium ist überzeugt, dass auch die jüngeren Schüler dank der Unterstützung ihrer Lehrer in der Mittelstufe ihre Schullaufbahn erfolgreich beenden werden. Weil Lehrpläne fehlten, hätten die Fachschaften selbst „die Rahmenbedingungen für den Doppeljahrgang geschaffen“, so Schulleiter Manfred Heuer.
„Wenn ich am Fenster saß und sah, wie die älteren Schüler nach Hause gingen, während ich noch zwei Stunden Unterricht hatte, dann habe ich sie schon beneidet“, erinnert sich die Gitta Küper, Elftklässlerin am Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus, an das achte und neunte Schuljahr. Um auf denselben Wissensstand wie die letzten „G-9er“ zu kommen, erhielten die ersten „G-8er“ in der Mittelstufe zusätzlichen Unterricht und kamen so auf bis zu 36 Stunden pro Woche.
Wegen der Abhängigkeit vom Busfahrplan hat das Missionsgymnasium Bardel teilweise auf eine ebenso originelle wie moderne Art der Unterrichtserteilung umstellen müssen: Beim so genannten e-learning absolvierten die Mittelstufenschüler das zusätzliche Lernpensum nachmittags zu Hause am eigenen PC statt an der Schule. An den anderen Gymnasien mussten viele Unterrichtsstunden in den Nachmittag verlagert werden.
„Am Anfang habe ich gedacht: Oh Gott, mit denen muss ich jetzt zusammen sein? Aber ohne Doppeljahrgang hätten wir viele ältere Schüler gar nicht kennen gelernt“, sagt Anke Hölter, Elftklässlerin in Neuenhaus. Wie sie empfinden die meisten den gemeinsamen Unterricht nicht als Nachteil.
Maren Mardink hat sich zu Beginn der elften Klasse „gefühlt wie ein Versuchskaninchen“. Die Elftklässlerin in Neuenhaus berichtet von einem erheblichen Nachholbedarf in den naturwissenschaftlichen Fächern gegenüber ihren Mitschülern aus dem zwölften Jahrgang. Befürchtungen, die Elftklässler könnten schlechtere Ergebnisse erzielen als ihre älteren Mitschüler, haben sich aber an keinem Gymnasium bestätigt.
Theresa Geisler, Elftklässlerin in Bardel, bedauert, dass sie kein Auslandsjahr in Südafrika machen konnte, ohne ein Schuljahr zu wiederholen. Sie fühlt sich durch das Doppelabi unter Druck gesetzt.
Nach Thomas Kerns Beobachtungen haben die meisten jüngeren Schüler den zusätzichen Lernaufwand durch die von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit in Kauf genommen, weil sie in der Oberstufe mehr Wahlmöglichkeiten hatten. Das ist der einmalige Vorteil, den allein der zahlenmäßig starke Doppeljahrgang hat: Dank der großen Schülerzahl kamen Kurse zustande, die normalerweise nur selten unterrichtet würden. So kann in Bad Bentheim erstmals seit Jahren Erdkunde als Prüfungsfach angeboten werden. Das gleiche gilt für bestimmte Fächerkombinationen aus dem künstlerisch-musischen Profil.
Am Gymnasium Nordhorn war es nach den Worten von Schulleiterin Monika Woltmann sogar möglich, alle Schülerwünsche bezüglich der gewünschten Fächer, insbesondere der Prüfungsfächer, zu erfüllen; wenn auch nur mit großen Kraftanstrengungen der Lehrer wegen der Personalknappheit.
Dass sie nicht irgendein Schülerjahrgang sind, ist den Elft- und Zwölftklässlern bewusst. „Wir sind der Doppeljahrgang, das ist schon etwas Besonderes“, fasst der Zwölftklässler Maik Dulle aus Neuenhaus die Stimmung zusammen."
(Quellen: Grafschafter Nachrichten, 5.5.2010; Kommentar Daniel Klause: Haupt- und Realschüler sind die Leidtragenden, 29.5.2010).