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Alexisdorf
im Kriegswinter 1941/42
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Nachteilig auf die Arbeit in der Schule wirkte der grimmige
Winter 1941/42. Die Leute hier können sich kaum einer so strengen
Kälte und derartiger Schneemassen erinnern. Große
Verwehungen machten es den Schulkindern zeitweise unmöglich, nach
der Schule zu kommen. Bemerkenswert war auch das lange Anhalten der
Kälte. Überhaupt entwickelte sich das Wetter in diesem Jahr
bis jetzt ungünstig für die Landwirtschaft. Nach der
Schneeschmelze schlug der Wind nach Osten um. Wochenlang blies
ein kalter und trockener Wind über das Land, nahm dem Boden die
Feuchtigkeit und verhinderte das Wachstum der Pflanzen. Nach einigen
schönen Tagen hatten wir mit Beginn Juni einen
Kälterückfall. Die Auswirkungen dieses ungünstigen
Wetters sind schon da. Die Heuernte wird in diesem Jahr gering sein.
Bohnen, Kartoffeln und Gurken haben durch den Kälterückfall
gelitten. Überhaupt verschiebt sich die Ernte schätzungsweise
um vier Wochen. Insekten und Würmer sind in großer Zahl
vorhanden. Ganze Wiesen und Haferstücke verschwinden durch
Wurmfraß. Eichbäume werden kahlgefressen. Obstbäume und
-büsche leiden unter den Schädlingen.
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Und als Hintergrund des ernsten Bildes: der Krieg, der durch den Krieg
im Osten sich für das Volk so stark bemerkbar macht. Allein aus
den Häusern, die ihre Kinder nach der Schule Alexisdorf schicken,
sind fünf Soldaten in Russland gefallen und bis jetzt drei
verwundet.
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Als der Krieg mit Russland begann, legte sich erst ein Schrecken
über das Land. Als dann die großen Siegesnachrichten kamen,
fassten die Menschen neuen Mut. Mit diesen Nachrichten kamen aber
auch Gerüchte und Erzählungen über Grausamkeiten an der
Ostfront nach hier. Als daher die ersten Gefangenentransporte
erschienen, war die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den
russischen Soldaten feindlich und verbittert.
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Diese Antipathie wurde noch gesteigert, als ein russischer Gefangener
bei seiner Flucht eine Frau am Bathorner Diek tötete. Die ganze
männliche Bevölkerung wurde aufgeboten, den Flüchtling
zu suchen. So sah man Trupps mit dicken Knüppeln bewaffnet, die
die Gegend durchstreifen. Bei Wietmarschen wurde der Russe
schließlich gestellt und nach seiner Aburteilung im Lager
Alexisdorf aufgehängt. Die Bevölkerung war wie im Fieber. Sie
schlossen nachts ihre Häuser ab. Viele wagten sich nachts nicht
allein nach draußen. Die Russen, die nur in größeren
Abteilungen unter schwerer Bewachung zum Kultivieren und
Straßenbau eingesetzt wurden, hatten schwer unter der Wut des
Volkes zu leiden. Sie wurden zum Teil angetrieben wie das Vieh.
Täglich brachen welche von ihnen zusammen vor totaler
Erschöpfung. Man zweifelte manchmal an der Moral der Menschen.
Aber schließlich ging auch das vorüber. Heute haben sich die
Menschen wieder beruhigt. Jetzt möchte schon mancher gern einen
Russen als Arbeitskraft haben. Besonders die russischen Zivilarbeiter
sind gesuchte Leute. So greift der Krieg immer tiefer in das Leben
dieser Gegend ein. Auch in der Ernährung spürt man jetzt den
Krieg. Butter, Fleisch, Brot, Nährmittel sind rationiert,
Wollsachen und Spinnstoffe mussten abgegeben werden. Eierabgabe
wird genau geregelt. Schlachtgewicht der Schweine wird durch
Stichproben nachgeprüft. Im Volk erwacht allmählich eine
tiefe Sehnsucht nach schnellem Frieden. Auf der anderen Seite greift
ein dumpfes Resignieren um sich. Angst haben alle vor einer Niederlage,
weil sie darin das Ende Deutschlands und ein Schrecken ohne Ende sehen.
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Es ist heute schwerer, die Entschlossenheit der Bevölkerung bis
zum Ende hochzuhalten. Wir wollen weiter hoffen, dass alles ein
gutes Ende nimmt und nach dieser harten und schweren Zeit wieder
bessere und glücklichere Zeiten kommen".
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Quelle:
Auszug aus der Schrift "Chronik der Ringer Schulen" von Heinrich
Eberhardt, herausgegeben von der Gemeinde Ringe im Dezember 1989, Abschnitt II:
Die Schule Alexisdorf, S. 73-101, auf den Seiten 94-96
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