Grafschafter Schulgeschichte
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Evangelische Volksschule Scheerhorn

1628 - Die Schulchronik berichtet, dass der Gildschaft Scheerhorn am 2. Juni 1628 die Errichtung einer Nebenschule (Bauerschaftsschule) erlaubt wird. Die Schule wird an der Straße von Neuenhaus nach Emlichheim errichtet. Sie hat ein Strohdach und einen Lehmfußboden. Die Kinder sitzen sich gegenüber, je zwei an einem Sitzplatz. Die Nebenschule der Gildschaft Scheerhorn besuchen die Schüler aus den Orten Hoogstede, Arkel, Kalle, Tinholt, Bathorn, Berge und Scheerhorn (nach Angaben des Schulleiters im Jahre 1962).

1820 - Nach der Gründung des Kirchspiels Arkel entsteht in Hoogstede eine Kirchschule. Die Bauerschaftsschule in Scheerhorn besuchen nur noch die Kinder aus Scheerhorn und Berge.

1826 - Nach der "Rechnung über den Schulfonds zu Arkel vom 1sten Januar 1826 bis dahin 1827, geführt durch den Rendanten des Schulfonds" beträgt die Zahl der schulpflichtigen Kinder in Scheerhorn & Berge  40, davon 32 solvent und 8 arm. Das Schulgeld beträgt 11 Reichstaler und 4 Groschen im Quartal, das der Schullehrer Henrich Wiegmink erhält.

1857 - Am Standort der alten Schule wird ein neues Schulgebäude errichtet. Die Baukosten von 1800 Mark werden mit dem Erlös aus dem Verkauf von Moorland bestritten. Der erste Lehrer in der neuen Schule ist Herr Wieferink aus Hardingen, der ein halbes Jahr bei Oberschulinspektor Fokke in Neuenhaus ausgebildet wurde. Bei seiner Einstellung ist die Stelle mit 90 Talern im Jahr dotiert. Vorher unterrichteten in Scheerhorn Colon Lübbers aus Tinholt (nur in den Wintermonaten von Allerheiligen bis Ostern) und Lehrer Wiegmink aus Bathorn. Lehrer Wiegmink erhält statt eines festen Einkommens von jedem Kind wöchentlich 1 Stüber (= 8 2/3 Pfennig).

1858 - Das Königliche Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten bewilligt hilfsbedürftigen Lehrern eine Unterstützung. Der Lehrer Wieferink zu Scheerhorn erhält davon 5 Reichstaler.

1860 - Die neu gebaute Lehrerwohnung liegt in Berge (unweit der Schule) und wird mit vier Morgen Heideland ausgestattet, die von Lehrer Wieferink kultiviert werden.

1900 - Nach 43 Jahren tritt Lehrer Wieferink in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Lehrer Scheuermann aus Obernkirchen, Kreis Rinteln. Er wurde am Seminar für Lehrerbildung in Osnabrück ausgebildet.  
Es werden verschiedene Lehrmittel, u.a. eine Karte von der Provinz Hannover und Tierbilder, angeschafft.
Schulausflüge führen nach Frenswegen und im folgenden Jahr nach Bentheim. Die Schüler werden mit Bauernwagen nach Neuenhaus gebracht. Von dort fährt ein Sonderzug nach Bentheim.

1906 - Nachdem Lehrer Scheuermann am 1.10.1902 versetzt wurde, kommen verschiedene Lehrer kurzzeitig nach Scheerhorn; am 1. Oktober 1906 kommt dann Lehrer Lammers, der länger bleibt. Die Schule wird mit 12 neuen fünfsitzigen Bänken und einem neuen Holzfußboden ausgestattet. Im folgenden Jahr werden 4 neue Flügelfenster eingebaut.

1908 - Nach dem Preußischen Schulunterhaltungsgesetz bilden Scheerhorn und Berge einen Schulverband. Der alte Schulvorstand wird aufgehoben.

1910 - Durch Landzukauf rund um die Schule herum erfolgt die Anlage eines Spielplatzes. Vorher spielten die Kinder in den Pausen auf der Straße, was an den Markttagen mit Gefahren verbunden war.

1916 - Lehrer Lammers wird zum Kriegsdienst einberufen. Er fällt zu Beginn des Jahres 1917 und hinterlässt seine junge Frau mit zwei unmündigen Kindern. Durch verkürzten Vertretungsunterricht lassen die Schülerleistungen erheblich nach. Die älteren Kinder müssen längere Zeit beurlaubt werden, weil sie wegen der Abwesenheit der Väter in der Landwirtschaft gebraucht werden.

1918 - Am 15. Dezember 1918 kommt Lehrer Friedrich Voltmer nach Scheerhorn, der jedoch schon zum 1. September 1919 nach Hoogstede versetzt wird. Er schreibt in der Schulchronik über den sehr schlechten Zustand der Schule und der Lehrerwohnung: „In der Klasse ist wie in alten Zeiten ein Steinfußboden, der Kindern und Lehrer empfindlich kalte Füße bereitet. Die Türen zur Klasse schließen nicht mehr, so dass jederman freien Eintritt hat. Wasser muss in Eimern vom Nachbarn Aalderink geholt werden. Die Turngeräte sind entzwei. Die Abort-Einrichtung ist unter Null. Im Wohnhaus regnet es an vielen Stellen durch, pfeift der Wind durch alle Fugen! Die Regierung sitzt tüchtig dahinter, dass etwas geschieht. Hoffentlich wird bald mit dem Umbau bzw. Neubau begonnen“.

1919 - Nach kurzer Vertretung kommt Lehrer Bock nach Scheerhorn. Er besuchte die Präparande in Melle und das Seminar in Osnabrück.

1920- 1921 - Die Schule besuchen 80 Kinder. Die Einrichtung einer 2. Lehrerstelle wird jedoch zunächst vom Schulvorstand abgelehnt. Nach langem Hin und Her wird die 2. Lehrerstelle dann 1921 eingerichtet. Lehrer Lahmann, ein Scheerhorner Kind, wird aus Esche nach Scheerhorn versetzt. An der Schule werden erhebliche Verbesserungen vorgenommen. Auf einen Neubau der Schule soll jedoch nach dem Willen des Schulvorstandes verzichtet werden.

1924 - Infolge des Rückgangs der Schülerzahlen wird die 2. Lehrerstelle wieder aufgelöst. Die Schule wird wieder einklassig.

1932 - Zum 1. Juli 1932 wird der Lehrer Friedrich Heinrich Ludwig Gottfried Rohde (Rufname: Gottfried) nach Scheerhorn versetzt. Nach langen Diskussionen im Schulvorstand werden am Schulgebäude Verbesserungen vorgenommen. Über den Zustand im Schulgebäude heißt es in der Schulchronik: "Das Dach war stark schadhaft, der Regen plätscherte in die Klasse. Infolgedessen waren Fußboden, Decke, Möbelstücke und Lehrmittel durch die Feuchtigkeit, die an den Wänden emporstieg, beschädigt. Fenster und Türrahmen und der untere Teil des Windschutzhäuschens waren verfault. In der Klasse hausten in großer Zahl die Mäuse, die die Anschauungsbilder zerfressen hatten. Für wertvolle Lehrmittel, die in der Klasse umherstanden, war keine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden. Der Ofen war am Zusammenbrechen."

1935 - Lehrer Rohde wird nach Osnabrück versetzt. Nach kurzer Vertretung wird die Stelle mit Lehrer Trinkler besetzt, der vorher als Lehrer in Egge tätig war.

1936 - 99 % der über 10 Jahre alten Schüler treten in das Jungvolk ein. Der Schule wird eine HJ-Fahne verliehen.

1937 - Lehrer Trinkler wird Verbandsvorsteher des Gesamtschulverbandes Scheerhorn-Berge. Am Schulgebäude werden allerlei Verbesserungen vorgenommen und verschiedene Lehrmittel angeschafft. Der Chronist schreibt: "...durch die Anschaffungen ist die Schule wie neu geworden und macht einen schmucken, sauberen Eindruck innen und außen".

1938 - Die Gemeinschaftsschule wird eingeführt. Lehrer Trinkler setzt sich dafür ein. Von der Schule werden 12 Kinder von der Kath. Volksschule Hoogstede aufgenommen. Die Eltern leisten nicht unerheblichen Widerstand. Die Schülerzahl der Schule steigt auf 58 an.

1939 - Am 1.September übernimmt Lehrer Trinkler die Leitung der Ortsgruppe der NSDAP.

1943 - Die Schule beteiligt sich an folgenden Sammlungen:
-  Metallspende des deutschen Volkes,
-  Bücherspende für die Wehrmacht,
-  Schallplattensammlung für unsere U-Boote.
Zur Sicherheit der Kinder im Falle eines Fliegerangriffs wird im Schulgarten ein Splittergraben gebaut.

1941-1942 - In der Schulchronik heißt es, dass die Einführung der deutschen Normalschrift eine ziemliche Umwälzung im Unterrichtsbetrieb mit sich bringt. Im Winter 1941/42 muss der Unterricht vom 21. Februar bis 16. März wegen Mangels an Heizmaterial ausfallen. Die Chronik berichtet auch, dass die Sammlung von Altmaterial hohe Erträge bringt. Scheerhorn gehört zu den drei besten Schule im Landkreis. Dagegen klappt die Sammlung der Heilkräuter nicht, weil Fehler beim Trocknen gemacht werden.

1943 - Lehrer Trinkler wird in den Bezirk Litzmannstadt versetzt. Nachfolgerin wird die Lehrerin Maria Overbeck.

1945 - Lehrerin Overbeck wird nach Wietmarschen versetzt. Der Lehrer Jan Hermann Wieking tritt die Lehrerstelle in Scheerhorn an. Die Schule besuchen 62 Kinder.

1946 - Die Schule wird wieder Ev. Bekenntnisschule. 13 kath. Schüler werden nach Hoogstede in die Kath. Volksschule umgeschult. Die Elternschaft hatte sich zu 98 % für die Bekenntnisschule entschieden.

1949 - Am 21. April wird Lehrer Wieking der linke Unterschenkel amputiert. Seine Vertretung vom April bis zum Herbst übernimmt Lehrer Germar, ein Flüchtlingslehrer aus Ostpreußen.

1950 - Lehrer Wieking legt das  Hauptaugenmerk im Sportunterricht auf das Schwimmen. Scheerhorn wird ein Schwerpunkt der DLRG.

1951 - In einer Niederschrift über eine Kreisbereisung heißt es über die Schule Scheerhorn: "Der bauliche Zustand ist jedoch derart mangelhaft, dass in Kürze Abhilfe geschaffen werden muss, wenn das Gebäude nicht bauaufsichtsbehördlich gesperrt werden soll".

1956 - Nach langen Auseinandersetzungen um den Bauplatz einer neuen Schule erfolgt die Einweihung des Neubaus am 16. November 1956. Er enthält einen großen Klassenraum mit großen Fenstern, einen Gruppenraum und die erforderlichen Nebenräume. In einer Grafschafter Zeitung wird er als das „Modernste vom Modernen“ bezeichnet.


Bild: Landkreis Grafschaft Bentheim

1962 - Die Schüler werden zum Besuch des 9. Schuljahres nach Hoogstede überwiesen.

1966 - Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Schulrat werden die 7. und 8. Schuljahre nach Hoogstede abgeschult. Schüler des 5. und 6. Schuljahres können freiwillig nach Hoogstede gehen. Es wird ein Schulbus eingesetzt. An der Schule verbleiben 42 Schüler.

1968 - Zum Schuljahresbeginn erfolgt die Abschulung des 5. und 6. Schuljahres. In Scheerhorn verbleiben 23 Schüler der Schuljahre 1- 4.

1972 - Die angekündigte Schließung der Schule wird vom Schulverband und vom Elternrat abgelehnt. Thema einer gut besuchten Elternversammlung im Oktober 1972 ist die "Mengenlehre in der Grundschule".

1973 - Der Schulleiter Jan Hermann Wieking stirbt am 26. April nach 28-jähriger Tätigkeit in Scheerhorn. Bis zum Schuljahresende unterrichtet Lehrer Piontek aus Kalle an der Schule. Zum 1. August werden die Jahrgänge 1 - 3 nach Hoogstede abgeschult. Damit endet die Geschichte der Schule Scheerhorn.

Quellen:

  • Aussagen aus den Unterlagen des Kirchspiels Arkel

  • Jan Hermann Wieking, Auszüge aus der Schulchronik, 1962

  • Jan Jeurink: „Hoogstede. Aus den Schulchroniken der Schulen des Kirchspiels Arkel“, 1992, Seiten 74 - 105