Grafschafter Schulgeschichte

Volksschule 

Emlichheim ca. 1950

Volksschule Ringe 

1958

Kath. Volksschule

Laar 1960

Volksschule 

Vorwald 1927

Realschule

Emlichheim 1977

Schule Emlichheim Weusten ca.1950 

  Schulen in Emlichheim
Evangelische Volksschule Emlichheim - Weusten

Zur Entstehung von Emlichheim-Werusten
Das Gebiet zwischen dem Dorf Emlichheim und der Grenze, die von der Grenzaa gebildet wird, bestand bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus Moor, Heide und Grasland und diente als Weideland. Ab 1864 zogen Jahr für Jahr zweite und dritte Bauernsöhne "in die Wüste", bauten sich anfangs Erdhütten und kultivierten den Boden. So entstand dort eine Streusiedlung mit etwa 70 Anwesen. Um 1890 war die Bevölkerung so groß, dass eine Schule benötigt wurde, zumal der Weg nach Emlichheim zur Schule zu weit und zu schlecht war, so dass er zum Teil bis zu zwei Stunden dauerte. Der Schulweg betrug mindestens 4, höchstens 10 km.

1894 - Im Mittelpunkt der Bauernschaft Emlichheim-Weusten wird aus einem Bauernhaus eine Schule hergerichtet. Das Gebäude umfasst einen Klassenraum und die Lehrerwohnung. Am 1.11.1894 wird der Lehrer Drews mit der Verwaltung der Schulstelle beauftragt. Als Abgrenzung zum Schulbezirk Emlichheim-Volzel wird der Couvorden-Piccardie-Kanal festgelegt.

1896 - Am 15. April 1896 wird der Lehrer Drews in den Kreis Osnabrück versetzt. Es folgt der Lehramtsbewerber August von der Wall aus Aurich. Die Schule wird von 50 Kindern besucht. Am 20. August 1896 wird mit der Oberstufe ein Ausflug "nach dem Bade und der Stadt Bentheim" unternommen. Die Eisenbahn kann zu der Zeit erst ab Neuenhaus benutzt werden. Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet durch häufigen Lehrerwechsel. Die Lehrer, die überwiegend aus Osnabrück kommen, nutzen jede Gelegenheit, um aus dieser für sie abgelegenen Gegend wegzukommen.

1904 - Mit dem Lehrer Ehsen aus Osnabrück - Schinkel tritt wieder eine gewisse Konstanz ein.

1906 - Zu Beginn des Jahres 1906 brechen Scharlach und Diphterie aus, so dass die Weihnachtsferien bis zum 22. Januar verlängert werden müssen. Zwei Schüler aus dem 1. Schuljahr sterben.

1908 - Der nachfolgende Lehrer Hohensträter führt die neue Zeichenmethode ein. Jedes Kind bekommt einen Zeichenständer, zwei Stahlklammern, eine Schachtel Kohle und ein Kästchen Farbstifte. Nachdem Lehrer Hohensträter an die deutsche Schule in Petropolis bei Rio de Janeiro gegangen ist, wird Lehrer Löhr aus Osnabrück, der vorher in Nordhorn tätig war, am 1. August 1908 durch Pastor Maschmeyer in sein Amt eingeführt. Am 17.10.1908 wird von Lehrer Löhr die volle Halbtagsschule eingeführt. Der Unterricht liegt für die Mittel- und Oberstufe von 8.30 - 12.30 Uhr, für die Unterstufe von 2 - 4 Uhr nachmittags. Die lange Mittagspause wird den Kindern erspart

1910 - Am 21.9.1910 verlässt Lehrer Löhr die "Wösten", um als Einjährig-Freiwiliger in Osnabrück seiner Militärpflicht zu genügen. Er fällt zu Beginn des 1. Weltkrieges. Nach kurzer Vertretung kommt Lehrer Ennker an die Schule. Im Winterhalbjahr wird eine Fortbildungsschule eingerichtet, die von 8 Schülern besucht wird.

1915 - Lehrer Ennker wird zum Kriegsdienst eingezogen. Lehrer aus Emlichheim und Vorwald übernehmen die Vertretung. Der Schulbesuch lässt besonders in den oberen Klassen sehr zu wünschen übrig, denn die Kinder müssen die fehlenden Arbeitskräfte, die Väter und älteren Brüder, ersetzen.

1920 - Im Februar 1920 findet die eidliche Verpflichtung auf die deutsche Reichsverfassung statt. Es wird ein neuer Elternbeirat gewählt. In diesem Jahr findet erstmalig eine Christbaumfeier statt, die in der Gemeinde viel Anklang findet. Durch den lang anhaltenden Regen sind die Wege fast unpassierbar, so dass die Kinder der Unterstufe tagelang die Schule nicht besuchen können.

1921 - Die Leitung der Schule wird von Herrn Holsmölle übernommen, der den Lehrer Anfort ablöst. Wann Herr Anfurt nach Weusten gekommen ist, ist nicht bekannt.

1926 - Lehrer Holsmölle wird nach Wielen versetzt. Sein Nachfolger ist Lehrer Gerhard Busmann aus Samern.

1927 - Ostern 1927 wird eine Hilfslehrerstelle in Weusten eingerichtet, die bis zum 1.1.1934 bestehen bleibt.

1930-1931 - Lehrer Busmann wird nach Wengsel versetzt. Nach kurzer Tätigkeit von Lehrer Hopfgarten tritt im Sommer 1931 Lehrer Rose die Nachfolge an. Da er ein in der Grafschaft bekannter Musikpädagoge ist, spielen Musik und Gesang während seiner Tätigkeit in Weusten eine große Rolle.

1932 - Im November 1932 wird mit dem Bau der Straße von Emlichheim nach Weusten begonnen. Es treten jedoch Verzögerungen bei der Fertigstellung ein

1936-1945 - Am 1.4.1936 wird Lehrer Rose nach Nordhorn versetzt. An seine Stelle tritt Eberhard Liese, der jedoch 1939 zur Wehrmacht eingezogen wird. Den Unterricht übernimmt Lehrer Bock aus Emlichheim, dann 1941 und 1942 Frau Liese. Nachdem sie nach Veldhausen verzogen ist, leitet Fräulein Bielefeld die Schule von 1943 bis zum Kriegsende. Ab 1941 wird in Emlichheim-Weusten Erdöl gefördert. Von 20 Erdtürmen stehen 3 in nächster Nähe der Schule.

1945-1946 - Vom Mai 1945 bis März 1946 ist das sogenannte "Niemandsland" von den Bewohnern geräumt. Sie wohnen in Baracken in Emlichheim. Im Mai 1946 wird der Unterricht in Weusten durch Fräulein Lucie Knoche wieder aufgenommen. Sie wird am 17.8.1946 von Lehrer Schulze abgelöst, der aus Schlesien flüchten musste.

Die Lehrerwohnung, die sich durch die Kriegsereignisse in einem katastrophalen Zustand befindet, wird von der Gemeinde einigermaßen wieder hergestellt, so dass sie von Lehrer Schulte und seiner Frau bezogen werden kann.

1948 - Die Schülerzahl beträgt in diesen Jahren 119 Schüler, 99 Einheimische und 20 Flüchtlinge, die alle von einem Lehrer unterrichtet werden müssen. Ostern 1948 wird dann die zweite Lehrerstelle eingerichtet und mit Harm Wiegmink besetzt. In der Oberstufe sind 49 Kinder, in der Unterstufe 70.

1949-1950 - Lehrer Schulte tritt im Januar 1949 in den Ruhestand und zieht mit der Familie nach Emlichheim, wo er als Chorleiter und Organist tätig wird. Sein Nachfolger wird Walter Schuchert, der in Halle/Saale geboren ist und nach der Kriegsgefangenschaft als Arbeiter in der Gildehaus-Chemie tätig war, bevor er Ostern 1949 seinen Dienst in Emlichheim-Weusten antritt.

Zum Schuljahresende 1949/50 ist der Anbau des zweiten Klassenraumes abgeschlossen. Am 1.7.1950 geht Lehrer Wichmink nach Haftenkamp. Lehrer Heinrich Eberhardt kommt zum 8. August aus Alexisdorf und zieht mit der Familie in die Dienstwohnung. Für die Familie Schuchert wird im Obergeschoss eine Wohnung ausgebaut, die 1951 nach Umzug von Frau und Kind aus Halle bezogen werden kann.

Die Schule wurde 1894 eröffnet und 1950 um einen Klassenraum erweitert. (Quelle: T. Portheine, Wie die Nachkriegsforderung nach allseitiger Schulumgrünung  bei Grafschafter Schulen verwirklicht wurde,  Jahrbuch 1959, Seite 121.)

1956 - Lehrer Heinrich Eberhardt geht am 27. März als Schulleiter nach Großringe. Lehrer Schuchert zieht in die untere Wohnung.

1962 - Das 9. Schuljahr wird eingerichtet. Sieben Schüler werden zur Ev. Volksschule Emlichheim umgeschult. Wegen der vorhandenen Baumängel wird die Schule in einem Zeitungsbericht als ein "Sorgenkind der Gemeinde" bezeichnet. Trotz vieler Verbesserungen bleibe die Schule in Weusten ein Provisorium. Ein Antrag, eine neue Lehrerwohnung zu bauen, sei von der Regierung abgelehnt worden; weil es sich um eine ländliche Schule in einem abgelegenen Gebiet handele. Es wird vermutet, dass die Regierung der Auffassung sei, dass angesichts des modernen Schulzentrums, das zur Zeit in Emlichheim entstehe, die kleine Schule in Weusten demnächst keine Existenzberechtigung mehr habe. Die Einwohner von Emlichheim-Weusten möchten aber nicht auf "ihre Schule" verzichten.

1964 - Zu Beginn des Jahres tritt auch nach der Schulchronik das Problem der Zentralisierung und damit der Auflösung der weniggegliederten Schulen immer mehr in den Vordergrund. Dies führt zu zahlreichen Auseinandersetzungen in Elternversammlungen. 1964 werden die beiden oberen Jahrgänge 7 und 8 nach Emlichheim  abgeschult.

1965-1966 - Am 31.3.1965 wird Lehrer Schuchert in einer großen Abschiedsfeier unter Beteiligung des ganzen Dorfes in den Ruhestand verabschiedet. Er verzieht nach Göttingen, um dort zu studieren. Im Herbst 1965 werden das 6. Schuljahr und einige Monate später das 5. Schuljahr nach Emlichheim abgeschult; ein halbes Jahr später folgt dann auch das 4. Schuljahr. Es bleiben nur die Schuljahre 1 - 3. Zunächst unterrichtet in Weusten Frau Rachut. Dann wird Lehrer Grunert nach Weusten versetzt und zieht in die Dienstwohnung. Er findet nach seinem Bericht ein völlig verwildertes Schulgelände und eine stark verfallene Lehrerwohnung im Schulgebäude vor. Die Gemeindeverwaltung ist bereit, neben der Wohnung die Schultoiletten, die Fahrradstände, die Trinkwasserversorgung und die Ölofenheizung zu reparieren.

1968 - Die 19 Kinder des 3. Schuljahres werden zum Schuljahresbeginn nach Emlichheim umgeschult.

1972 - Mit dem Ende des Schuljahres 1971/72 wird die Volksschule Emlichheim-Weusten aufgelöst. Die Schüler werden zur neuerbauten Grundschule in Emlichheim umgeschult. Lehrer Grunert wechselt zur Realschule Emlichheim. Ab 1974 wird im Schulgebäude der Kinderspielkreis für die Weustener Kinder im Vorschulalter eingerichtet.


Erinnerungen
2011 - Vor 55 Jahren (1956) wurden 13 Mädchen und Jungen von ihrem Klassenlehrer Walter Schuckert  aus der Weustener Volksschule entlassen. Die Lehrer hatten es nicht leicht: Sie mussten jeweils 50 bis 60 Schüler der Jahrgänge 1 - 4  und 5 - 8  gleichzeitihieß es: Absteigen vom Fahrrad, Mütze ab, Hand geben und einen Diener oder Knieks machen. Die Ehemaligen erinnern sich, dass ihr Lehrer immer zu Fuß nach Emlichheim marschierte, wenn er dort etwas zu tun hatte. Da er aus Berlin  stammte, hatte er das Fahrradfahren nie gelernt. "Wir haben es versucht, es ihm beizubringen, aber wir haben es nie geschafft", berichtet Geert Raterink mit einem Schmunzeln (GN, 4.5.2011).


Im Jahre 1961 wurden acht Schüler aus der Weustener Schule entlassen. Beim Besuch des alten Schulgebäudes, in dem heute ein Spielkreis untergebracht ist, wurden viele Erinnerungen wach. In den fünfziger Jahren war die Volksschule noch der kulturelle Mittelpunkt in Weusten. Sehr beliebt waren die Elternabenden mit den Märchenaufführungen. "Das war für die Eltern in der Regel,der einzige Theaterbesuch in ihrem Leben", erzählt Gesine Roeles. Beliebt waren auch die Handarbeitsausstellungen, die die Handarbeitslehrerin Clementine Grochowiak organisierte. Bei 80-jährigen Geburtstagen marschierten die Schüler nachmittags los, um ein Lied und auswendig gelernte Bibelverse vorzutragen. Ein Höhepunkt im Schulleben waren die Klassenfahrten zum Wielener Heideschlöschen, nach Bentheim oder in den Teutoburger Wald. "Dann durften wir im Bus auch mal neben einem Jungen sitzen", erinnert sich Dini List. Im Unterricht saßen die Kinder streng getrennt: die Jungen links und die Mädchen rechts (GN, 1.7.2011).


2012 - Kindertagesstätte in Weusten bleibt Spielkreis

Nach einer Informationsveranstaltung für alle Eltern im Einzugsbereich des Spielkreises Weusten beschließt der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Emlichheim, es bei einem Spielkreis zu belassen und keinen Kindergarten einzurichten. (GW,4.4.2012)

Quellen:

  •  Walter Schuchert, Auszüge aus der Schulchronik, 1962,

  •  Albert Rötterink, Chronik der Gemeinde Emlichheim, 1970,

  •  Heinrich Eberhardt, Emlichheim im Spiegel der Schulchroniken,1992, Seiten 107 - 151.

  • Grafschafte Nachrichten, Datum im Text angegeben