| Evangelische
Volksschule Emlichheim - Weusten |
|
Zur
Entstehung von Emlichheim-Werusten
Das Gebiet zwischen dem Dorf Emlichheim und der Grenze, die von der
Grenzaa gebildet wird, bestand bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus Moor,
Heide und Grasland und diente als Weideland. Ab 1864 zogen Jahr
für Jahr zweite und dritte Bauernsöhne "in die Wüste",
bauten sich anfangs Erdhütten und kultivierten den Boden. So
entstand dort eine Streusiedlung mit etwa 70 Anwesen. Um 1890 war die
Bevölkerung so groß, dass eine Schule benötigt wurde,
zumal der Weg nach Emlichheim zur Schule zu weit und zu schlecht war,
so dass er zum Teil bis zu zwei Stunden dauerte. Der Schulweg betrug
mindestens 4, höchstens 10 km.
|
|
1894 - Im
Mittelpunkt der
Bauernschaft
Emlichheim-Weusten wird aus einem Bauernhaus eine Schule hergerichtet.
Das Gebäude umfasst einen Klassenraum und die Lehrerwohnung. Am
1.11.1894 wird der Lehrer Drews
mit der Verwaltung der Schulstelle
beauftragt. Als Abgrenzung zum Schulbezirk Emlichheim-Volzel wird der
Couvorden-Piccardie-Kanal festgelegt.
|
|
1896 - Am
15. April 1896
wird der Lehrer Drews
in den
Kreis Osnabrück versetzt. Es folgt der Lehramtsbewerber August von
der Wall aus Aurich. Die Schule wird von 50 Kindern besucht. Am
20. August 1896 wird mit der Oberstufe ein Ausflug "nach dem Bade
und der Stadt Bentheim" unternommen. Die Eisenbahn kann zu der Zeit
erst ab Neuenhaus benutzt werden. Die folgenden Jahre sind
gekennzeichnet durch häufigen
Lehrerwechsel. Die Lehrer, die überwiegend aus
Osnabrück
kommen, nutzen jede Gelegenheit, um aus dieser für sie abgelegenen
Gegend wegzukommen.
|
|
1904 -
Mit dem Lehrer Ehsen
aus Osnabrück -
Schinkel tritt wieder eine gewisse Konstanz
ein.
|
|
1906 - Zu
Beginn des
Jahres 1906 brechen Scharlach und
Diphterie aus, so dass die Weihnachtsferien bis zum 22. Januar
verlängert werden müssen. Zwei Schüler aus dem 1.
Schuljahr sterben.
|
|
1908 -
Der nachfolgende
Lehrer Hohensträter
führt die neue Zeichenmethode
ein. Jedes Kind bekommt einen
Zeichenständer, zwei Stahlklammern, eine Schachtel Kohle und ein
Kästchen Farbstifte. Nachdem Lehrer Hohensträter
an die deutsche Schule in Petropolis
bei Rio de Janeiro gegangen ist, wird Lehrer Löhr aus
Osnabrück,
der vorher in Nordhorn tätig war, am 1. August 1908 durch Pastor Maschmeyer in
sein Amt eingeführt. Am 17.10.1908 wird von Lehrer Löhr
die volle Halbtagsschule
eingeführt. Der Unterricht liegt für die Mittel- und
Oberstufe von 8.30 - 12.30 Uhr, für die Unterstufe von 2 - 4 Uhr
nachmittags. Die lange Mittagspause wird den Kindern erspart
|
|
1910 - Am
21.9.1910 verlässt
Lehrer Löhr
die "Wösten", um als Einjährig-Freiwiliger in Osnabrück
seiner Militärpflicht zu genügen. Er fällt zu Beginn des
1. Weltkrieges. Nach kurzer Vertretung kommt Lehrer Ennker an die Schule. Im
Winterhalbjahr wird eine Fortbildungsschule eingerichtet, die von 8
Schülern besucht wird.
|
|
1915 -
Lehrer Ennker
wird zum Kriegsdienst
eingezogen.
Lehrer aus Emlichheim und Vorwald übernehmen die Vertretung. Der
Schulbesuch lässt besonders in den oberen Klassen sehr zu
wünschen übrig, denn die Kinder müssen die fehlenden
Arbeitskräfte, die Väter und älteren Brüder,
ersetzen.
|
|
1920 - Im
Februar 1920
findet die eidliche Verpflichtung auf
die
deutsche Reichsverfassung statt. Es wird ein
neuer Elternbeirat gewählt. In diesem Jahr findet erstmalig eine
Christbaumfeier statt, die in der Gemeinde viel Anklang findet. Durch
den lang anhaltenden Regen sind die Wege fast unpassierbar, so
dass die Kinder der Unterstufe tagelang die Schule nicht besuchen
können.
|
|
1921 -
Die Leitung der
Schule wird von Herrn Holsmölle
übernommen, der den Lehrer Anfort ablöst. Wann
Herr Anfurt nach
Weusten gekommen ist, ist nicht bekannt.
|
|
1926 -
Lehrer Holsmölle
wird nach Wielen versetzt.
Sein Nachfolger ist Lehrer Gerhard
Busmann aus Samern.
|
|
1927 -
Ostern 1927 wird
eine Hilfslehrerstelle in
Weusten eingerichtet, die bis zum 1.1.1934 bestehen bleibt.
|
|
1930-1931
- Lehrer Busmann
wird nach Wengsel versetzt.
Nach
kurzer Tätigkeit von Lehrer Hopfgarten tritt im Sommer
1931 Lehrer Rose
die Nachfolge an. Da er ein in der Grafschaft bekannter
Musikpädagoge ist, spielen Musik und Gesang während seiner
Tätigkeit in Weusten eine große Rolle.
|
|
1932 - Im
November 1932
wird mit dem Bau der
Straße von Emlichheim nach Weusten begonnen. Es treten
jedoch
Verzögerungen bei der Fertigstellung ein
|
|
1936-1945
- Am 1.4.1936 wird
Lehrer Rose nach
Nordhorn versetzt. An seine
Stelle tritt Eberhard Liese,
der jedoch
1939 zur
Wehrmacht eingezogen wird. Den Unterricht übernimmt Lehrer Bock
aus Emlichheim, dann 1941 und 1942 Frau Liese. Nachdem sie nach
Veldhausen verzogen ist, leitet Fräulein Bielefeld die Schule von
1943 bis zum Kriegsende. Ab 1941 wird in Emlichheim-Weusten Erdöl
gefördert. Von 20
Erdtürmen stehen 3 in nächster Nähe der Schule.
|
|
1945-1946
- Vom Mai 1945 bis
März 1946 ist das
sogenannte "Niemandsland" von
den Bewohnern geräumt. Sie wohnen in
Baracken in Emlichheim. Im Mai 1946 wird der Unterricht in Weusten
durch Fräulein Lucie
Knoche wieder aufgenommen. Sie wird am
17.8.1946 von Lehrer Schulze
abgelöst, der aus Schlesien
flüchten musste.
|
|
Die Lehrerwohnung,
die sich durch die Kriegsereignisse in einem
katastrophalen Zustand befindet, wird von der Gemeinde
einigermaßen wieder hergestellt, so dass sie von Lehrer Schulte
und seiner Frau bezogen werden kann.
|
|
1948 -
Die
Schülerzahl beträgt in diesen
Jahren 119 Schüler, 99
Einheimische und 20 Flüchtlinge, die
alle von einem Lehrer unterrichtet werden müssen.
Ostern 1948 wird dann die zweite Lehrerstelle eingerichtet und mit Harm
Wiegmink besetzt. In der Oberstufe sind 49 Kinder, in der
Unterstufe 70.
|
|
1949-1950
- Lehrer Schulte
tritt im Januar 1949 in den Ruhestand
und zieht
mit der Familie nach Emlichheim, wo er als
Chorleiter und Organist tätig wird. Sein Nachfolger wird Walter Schuchert, der in
Halle/Saale geboren ist und nach der
Kriegsgefangenschaft als Arbeiter in der Gildehaus-Chemie tätig
war, bevor er Ostern 1949 seinen Dienst in Emlichheim-Weusten antritt.
|
|
Zum Schuljahresende 1949/50 ist der Anbau des zweiten Klassenraumes
abgeschlossen. Am 1.7.1950 geht Lehrer Wichmink nach Haftenkamp.
Lehrer Heinrich Eberhardt
kommt zum 8. August aus Alexisdorf und zieht
mit der Familie in die Dienstwohnung. Für die Familie Schuchert
wird im Obergeschoss eine Wohnung ausgebaut, die 1951 nach Umzug von
Frau und Kind aus Halle bezogen werden kann.
|
|
|
|
Die Schule wurde 1894 eröffnet und
1950 um einen Klassenraum erweitert. (Quelle:
T. Portheine,
Wie die Nachkriegsforderung nach allseitiger Schulumgrünung
bei
Grafschafter Schulen verwirklicht wurde, Jahrbuch 1959, Seite
121.)
|
|
1956 -
Lehrer Heinrich
Eberhardt geht am 27. März
als Schulleiter nach Großringe. Lehrer Schuchert zieht in die
untere Wohnung.
|
|
1962 -
Das 9. Schuljahr
wird eingerichtet. Sieben
Schüler werden zur Ev. Volksschule Emlichheim umgeschult. Wegen
der vorhandenen Baumängel wird die Schule in einem
Zeitungsbericht als ein "Sorgenkind der Gemeinde" bezeichnet. Trotz
vieler Verbesserungen bleibe die Schule in Weusten ein Provisorium. Ein
Antrag, eine neue Lehrerwohnung zu bauen, sei von der Regierung
abgelehnt worden; weil es sich um eine ländliche Schule in einem
abgelegenen Gebiet handele. Es wird vermutet, dass die Regierung der
Auffassung sei, dass angesichts des modernen Schulzentrums, das zur
Zeit in Emlichheim entstehe, die kleine Schule in Weusten
demnächst keine Existenzberechtigung mehr habe. Die Einwohner von
Emlichheim-Weusten möchten aber nicht auf "ihre Schule" verzichten.
|
|
1964 - Zu
Beginn des
Jahres tritt auch nach der
Schulchronik das
Problem der Zentralisierung und damit der Auflösung der
weniggegliederten
Schulen immer mehr in den Vordergrund. Dies führt zu zahlreichen
Auseinandersetzungen in Elternversammlungen. 1964 werden die beiden
oberen Jahrgänge 7 und 8 nach Emlichheim abgeschult.
|
|
1965-1966
- Am 31.3.1965 wird
Lehrer Schuchert in
einer großen Abschiedsfeier
unter Beteiligung des ganzen Dorfes in den
Ruhestand verabschiedet. Er verzieht nach Göttingen, um
dort zu
studieren. Im Herbst 1965 werden das 6. Schuljahr und einige Monate
später
das 5. Schuljahr nach Emlichheim
abgeschult; ein halbes Jahr
später folgt dann auch das 4. Schuljahr. Es bleiben nur die Schuljahre 1 - 3.
Zunächst unterrichtet in Weusten Frau Rachut. Dann wird Lehrer Grunert nach
Weusten versetzt und zieht in die Dienstwohnung. Er findet
nach seinem Bericht ein völlig
verwildertes Schulgelände und
eine stark verfallene Lehrerwohnung
im Schulgebäude vor. Die
Gemeindeverwaltung ist bereit, neben der Wohnung die Schultoiletten,
die Fahrradstände, die Trinkwasserversorgung und die
Ölofenheizung zu reparieren.
|
|
1968 -
Die 19 Kinder des
3. Schuljahres werden zum
Schuljahresbeginn nach Emlichheim
umgeschult.
|
|
1972 -
Mit dem Ende des
Schuljahres 1971/72 wird die Volksschule
Emlichheim-Weusten aufgelöst. Die Schüler werden
zur neuerbauten Grundschule in Emlichheim umgeschult. Lehrer Grunert
wechselt zur Realschule Emlichheim. Ab 1974 wird im Schulgebäude
der Kinderspielkreis für
die Weustener Kinder im Vorschulalter
eingerichtet.
Erinnerungen
2011
- Vor 55 Jahren (1956) wurden 13
Mädchen und Jungen von ihrem Klassenlehrer Walter Schuckert aus
der Weustener Volksschule entlassen. Die Lehrer hatten es nicht leicht:
Sie mussten jeweils 50 bis 60
Schüler der Jahrgänge 1 - 4 und 5 - 8
gleichzeitihieß es: Absteigen
vom Fahrrad, Mütze ab, Hand geben und einen Diener oder Knieks
machen. Die Ehemaligen erinnern sich, dass ihr Lehrer immer zu Fuß nach Emlichheim
marschierte, wenn er dort etwas zu tun hatte. Da er aus Berlin
stammte, hatte er das Fahrradfahren nie gelernt. "Wir haben es
versucht, es ihm beizubringen, aber wir haben es nie geschafft",
berichtet Geert Raterink
mit einem Schmunzeln (GN, 4.5.2011).
Im Jahre 1961 wurden acht
Schüler aus der Weustener Schule entlassen. Beim Besuch des
alten Schulgebäudes, in dem heute ein Spielkreis untergebracht
ist, wurden viele Erinnerungen wach. In den fünfziger Jahren war
die Volksschule noch der kulturelle
Mittelpunkt in Weusten. Sehr beliebt waren die Elternabenden mit den
Märchenaufführungen. "Das war für die Eltern in
der Regel,der einzige Theaterbesuch in ihrem Leben", erzählt Gesine Roeles. Beliebt
waren auch die Handarbeitsausstellungen,
die die Handarbeitslehrerin Clementine
Grochowiak organisierte. Bei 80-jährigen
Geburtstagen marschierten die Schüler nachmittags los, um
ein Lied und auswendig gelernte Bibelverse vorzutragen. Ein
Höhepunkt im Schulleben waren die Klassenfahrten
zum Wielener Heideschlöschen, nach Bentheim oder in den
Teutoburger Wald. "Dann durften wir im Bus auch mal neben einem Jungen
sitzen", erinnert sich Dini
List. Im Unterricht saßen die Kinder streng getrennt: die Jungen links und die Mädchen rechts
(GN, 1.7.2011).
2012 -
Kindertagesstätte in Weusten bleibt Spielkreis
Nach einer Informationsveranstaltung für alle Eltern im
Einzugsbereich des Spielkreises Weusten beschließt der
Verwaltungsausschuss der Gemeinde Emlichheim, es bei einem Spielkreis
zu belassen und keinen Kindergarten einzurichten. (GW,4.4.2012)
|
|
Quellen:
-
Walter
Schuchert,
Auszüge aus der
Schulchronik, 1962,
-
Albert
Rötterink, Chronik der Gemeinde
Emlichheim, 1970,
-
Heinrich
Eberhardt, Emlichheim im Spiegel der
Schulchroniken,1992, Seiten 107 - 151.
- Grafschafte
Nachrichten, Datum im Text angegeben
|