Lehrer schlagen Alarm

Lob für Zurückhaltung der Grafschafter Kommunen

DieserArtikel erschien am 2. Dezember 2011 in den Grafschafter Nachrichten.

"Grafschafter Gymnasiallehrer sind besorgt: Die Klassen seien in der Eingangsstufe mit 32 Schülern viel zu hoch besetzt, mehr als 24 Jugendliche pro Klasse in den Abiturjahrgängen nicht tragbar. Die Unterrichtsbedingungen müssten dringend verbessert werden.

 „Wir brauchen endlich kleinere Klassen und Kurse an den Gymnasien, um unsere Schülerinnen und Schüler besser fördern zu können. Für dieses Ziel wollen wir uns jetzt mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen einsetzen.“ –Mit dieser kämpferischen Aussage sind Maria Böker-Hartmann (Bad Bentheim), Cynthia Zwafink (Nordhorn), Dita Kieft (Neuenhaus) und Thomas Zwafink (Emlichheim) gemeinsam mit dem Bezirksvorsitzenden, Ingo van Verth (Bad Bentheim), als Vertreter der Grafschafter Gymnasien von der Delegiertenversammlung des Philologenverbandes Niedersachsen in Goslar zurückgekehrt.

Die Klassenteiler der Gymnasien seien mit 32 Schülern größer als an allen anderen Schulformen, und in den Klassen säßen fast 20 Prozent mehr Schüler als vor 20 Jahren. Die zum Schuljahresbeginn erfolgte minimale Senkung der Klassenstärke ab Jahrgang 5 von 32 auf 30 sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein besonders eklatantes Beispiel sei die Klassenstärke im ersten Jahr der gymnasialen Oberstufe, der Einführungsphase. Diese habe bis 2004 bei 24 Schülern gelegen, liege jetzt in Klasse 10 des zwölfjährigen Gymnasiums bei 32 und solle erst 2016 auf 30 gesenkt werden. Kultusminister Althusmann habe auf dem Philologentag unverständlicherweise keine verbesserte Perspektive eröffnet. „Mit mehr als 24 Schülern pro Klasse ist eine individuelle Förderung der Schüler und eine solide Vorbereitung auf die folgenden Jahre der Abiturstufe kaum mehr möglich“, unterstrichen die Grafschafter Gymnasiallehrer. Die Lehrer sehen die Eltern bei den geplanten Aktionen als ihre „natürlichen Bündnispartner“, denn sie hätten wie die Lehrer ein zentrales Interesse an besseren Unterrichtsbedingungen für ihre Kinder.

Zudem kritisieren die Lehrer die schleichende Demontage des Bildungsauftrages der Gymnasien durch eine einseitige Vernachlässigung wesentlicher Inhalte zugunsten eines häufig mehr als unklar bis widersprüchlich formulierten „Kompetenzenlernens“. Auch die immer wieder spürbare Tendenz zur Gleichsetzung von Schule mit einem Wirtschaftsbetrieb führe in die Irre.

Ein Lob spendeten die Delegierten dagegen den Grafschafter Kommunen. Deren skeptisch-abwartende Haltung zur Oberschule könne man angesichts des landesweit zu beobachtenden chaotischen Aktionismus und den ersten Misserfolgen nur begrüßen. „Sollten allerdings in der Grafschaft wider besseres Wissen doch Oberschulen mit angegliederten gymnasialen Scheinangeboten geplant werden, müssen sich die Kommunen auf deutliche Gegenwehr des örtlichen Philologenverbandes einstellen,“ heißt es abschließend in der Stellungnahme der Gymnasiallehrer."