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August
Focke
1802
- 1872
von Ludwig Sager
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Johann Heinrich August Fokke (Rufname:
August) wurde 1802 als Sohn eines Tischlers in Lingen geboren, hat
Theologie studiert und dann in Schüttorf an der alten Lateinschule
eine dankbare pädagogische Aufgabe gefunden. Wegen eines
Kehlkopfleidens, das ihm das Predigen erschwerte, musste er eine
Berufung ins Pfarramt ablehnen. In Schüttorf sind seine Kinder
aufgewachsen, von denen sein Sohn Arnold, später Professor in
Wilhelmshaven sich durch den heimatlichen Roman "Anna Holmer" einen
Namen gemacht hat (Anmerkung: Die ursprüngliche Fassung ist
von August Fokke.).
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Georg Kip schreibt in einem Aufsatz: "August Fokke erwarb
sich um das Erziehungswesen nicht nur in der gesamten Obergrafschaft
solche Verdienste, dass die Regierung in Hannover auf ihn aufmerksam
wurde und ihn zum Ober-Schulinspektor für die ganze Grafschaft
ernannte. Fokke nahm als solcher seinen Amtssitz in Neuenhaus, um von
der Mitte der Grafschaft her die Schulen besser beaufsichtigen und
leiten zu können. Der erfahrene Pädagoge sah bald ein, dass
das Grundübel des tief daniederliegenden Schulwesens in seinem
Bezirk der trostlose Mangel an geeigneten Lehrkräften war. Fokke
entschloss sich zur tatkräftigen Selbsthilfe".
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In der von ihm gegründeten privaten Präparande, sowohl als
Vorschule für Seminar wie auch als Ausbildungsstätte für
Lehrer mit bescheidenen Ansprüchen gedacht, wurden 7 bis 8
Anwärter in zwei Jahreskursen zu Hilfslehrern ausgebildet. Vorher
hatten diese, aber nicht alle, bei einem angestellten Lehrer als "Kustus", als Gehilfe, das Schulhandwerk "gelernt". In den abseits
gelegenen Schulorten "Hohenhesingen", Hardinghausen, Wielen u.a. haben
die alten "Winterschulmeister" noch lange gewirkt. Da hören wir
von
dem Neubauer Höllmann, dem Tagelöhner Gortmann, dem Arbeiter
van Wieren, dem Schreiber Gerritzen, dem Küster Timmer, - die
letzten drei vom Verfasser noch gekannt und gern als "Kollegen"
begrüßt - für alle genügte es, den Katechismus und
die Reimpsalmen gut gelernt und sich einige Kenntnisse im Rechnen,
Lesen und Schreiben angeeignet zu haben.
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Fokke stellte höhere Ansprüche. Bei ihm galt es,
zunächst Wissen und Können seiner Zöglinge zu vertiefen,
dann aber auch sie mit der Schulmethodik vertraut zu machen. Wie diese
damals aussah, zeigte die Entgegnung des Lehrers Laamann in Neuringe,
als Schulrat Oppen ihm die Vorzüge des Lautierens
klarzumachen versuchte: Ja, Herr Schulrat, so machen Sie das! Ich mache
es
so beim Lesenlernen: u - en - de = und - und das zehnmal, dann
können sie´s alle! Es blieb beim Buchstabieren.
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Als kurz nach der Jahrhundertwende unsere Generation ins Schulamt kam,
waren noch viele ältere Kollegen aus der Fokkeschen Schule im
Dienst. In ihren Söhnen finden wir ihre Namen noch lange in der
Schularbeit. Genannt seien Hatger - Halle, Bosmann - Getelo, Wiegmink und Körner -
Uelsen, der Stammvater der
Wieferinks in Ringe, Rotmann - Gölenkamp, Fuhlenbrok - Hilten,
Wicking - Schüttorf, Ackerstaff - Emlichheim, Koning -Bakelde.
Finden wir deren Berufsethos, die Liebe zur Schule, in der
Geschlechterfolge in so breitem Maße wieder wie in unserem
Bezirk, so ist das ein gutes Zeichen - auch für Fokke. Sie haben
die Grafschafter Schule ein gut Stück weitergebracht, ein
Verdienst
des Neuenhauser Schulmanns. Wer - wie Körner, Uelsen - sich dann
anschließend am Adriger Seminar weiterbildete, dessen Schule
genoss verdientermaßen erhöhtes Ansehen. Mancher Junge vom
Lande machte hier damals schon das 9. Schuljahr durch. Von zwei
eigenartigen, in ihrer Weise aber tüchtigen Männern jener
Zeit erzählt der aus Hilten stammende Gevelsberger Rektor Reurik
im "Grafschafter" von 1921, Folge 13, von den Lehrern Lamann und
Hüsemann. Es sind Bilder aus der Lehrerwelt einer vergangenen
Zeit, geprägt von der Persönlichkeit Fokkes.
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Fokkes Streben galt der Volksschule; da lagen die Verhältnisse
noch ganz und gar im argen. Hatte hier an unterster Stelle nicht
auch sein Vorbild, der Schweizer Pestalozzi, den Hebel angesetzt, jener
Schulmann, auf dessen Grabstein steht "Gründer der neuen
Volksschule"? Die unwürdige Abhängigkeit ihrer Lehrer als
Folge des "Reihetisches" und der "Reihewohnung" sei eine Gefahr
für
sie, meint Fokke, - eine anständige Besoldung solle sie
sicherstellen und sie unabhängig machen von Hinz und Kunz.
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Seine Arbeit wurde ihm schwer gemacht durch den Verdacht, er
gehöre zu den Liberalen. Für diese war die hochdeutsche
Sprache die Voraussetzung für ein Mitbestimmungsrecht im
politischen und wirtschaftlichen Leben. Sein Kampf für den
Gebrauch
der hochdeutschen Sprache in Schule und Kirche schaffte ihm Feinde
in den örtlichen Kirchenräten. Die wahre, "saubere
Lehre", meinten diese, könne nur in holländischer Sprache
verkündet werden; das Hochdeutsche galt als Vermittlerin
rationalistischen Denkens. Bei ihrem Gebrauch sei weitere
Abwanderung zu den "Separatisten", den Altreformierten, zu
befürchten. Bei Fokke stand die Einheit von Sprache und Nation an
erster Stelle. Das nationale Erwachen von 1848, der Geist der
Frankfurter Nationalversammlung, hatte auch ihn erfasst. Er wollte die
"Herzen erwärmen für unser engeres und weiteres Vaterland".
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Dieser Kampf um die Sprache, für den die Zeit noch nicht reif war,
führte zu gehässigen Reibereien mit den
Kirchenräten, die damals Träger des Schulwesens waren. Nun
unterstützten die hannoverische Regierung den nationalen Eiferer
wohl in der Sprachenfrage; doch fürchtete sie die politischen
Ziele
einer neuen Zeit, und mit der Kirche wollte sie es durchaus nicht
verderben. Die Schule von dieser zu trennen war damals noch ein zu
revolutionärer Gedanke. Bald fehlte es an jeder Zusammenarbeit mit
dem Neuenhauser Schulmann, wie aus einer Eintragung in den Uelser
Kirchenprotokollen hervorgeht, wo der Kirchenrat die Lehrer
verpflichtet: "Dat zy zick niet aan een willekeurig (willkürlich)
bevel van den Heer School-Inspektor Fokke moesten houden."
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In einer eingehenden Untersuchung ist Studienreferendar Johannes
Baumann aus Uelsen diesen Dingen auf den Grund gegangen. Der Kampf
Fokkes um die hochdeutsche Sprache ist eine Arbeit für sich; sie
mag uns in einer weiteren Folge beschäftigen als Dokument in der
Entwicklung der Grafschafter Schule. Wir dürfen vermuten, dass dieser Streit zwischen Schule und Kirche
Fokkes Lebenswerk stark beeinträchtigt hat. Nach 22 Jahren des
Bestehens schloss 1872 mit dem Tode des Begründers die
Lehrerbildungsanstalt in dem Hause Strauß an der
Hauptstraße ihre Pforten.
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Fokkes Grab auf dem Neuenhauser Friedhof - nahe der Haupteingangspforte
links vom Weg - verdient wohl stilles Gedenken.
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Quelle: Der
Grafschafter, Folge 142, Dezember 1964
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