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Heinrich
Kilian
1910
- 2007
von Heinz Ragnitz
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Am 1.
März 2007 verstarb im Alter von 97 Jahren Herr Sonderschulrektor
i. R. Heinrich Kilian, der sich in seiner Berufstätigkeit stets
für die Förderung der ihm anvertrauten Schüler
eingesetzt hat und als Gründer der Mittelpunkt-Sonderschule in
Schüttorf große Erfolge erzielte. Er hat bei der Entwicklung
des Sonderschulwesens in der Obergrafschaft bleibende Verdienste
erworben.
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Heinrich Kilian wurde 1910 als Pastorensohn in Lomnitz in Sachsen
geboren und studierte am Pädagogischen Institut der Technischen
Hochschule in Dresden. 1932 legte er die erste Lehrerprüfung ab,
war dann - wie damals üblich - zunächst Probelehrer, dann
Aushilfslehrer und erhielt schließlich 1936 seine erste feste
Anstellung in Borna bei Leipzig. 1941 wurde er zum Kriegsdienst bei der
Marineflak eingezogen und geriet 1945 als Leutnant und
Kompanieführer in englische Kriegsgefangenschaft. Als er 1946 in
seine Heimat zurückkehrte, wurde er nicht wieder als Lehrer
eingesetzt, sondern musste im Bergwerk arbeiten. Er flüchtete aus
der sowjetischen Besatzungszone und kam 1948 nach Schüttorf, wo er
an der Ev. Volksschule tätig wurde.
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Schon in Sachsen war Herr Kilian aufgrund seiner Ausbildung und Neigung
an der Arbeit mit lernschwachen Kindern interessiert und leitete eine
Sonderklasse. Auch in Schüttorf hat er an der Volksschule eine
Förderklasse unterrichtet. Er setzte sich sehr früh für
die Errichtung einer Sonderschule ein, zuerst als Lehrer, später
auch als Ratsherr der Stadt Schüttorf. Als sich die Bereitschaft
der zuständigen Stellen abzeichnete, in Schüttorf eine
Sonderschule einzurichten, ging der damals 44-jährige für ein
Jahr nach Hannover und studierte an der Pädagogischen Hochschule
ein Jahr lang Heilpädagogik und Sprachheilkunde. Im März 1955
legte er die Prüfung als Sonderschullehrer ab. Ab April 1955
übernahm er unter schwierigsten Verhältnissen die neue
Schule, trat für die Sonderschule über die Grenzen
Schüttorfs hinaus in der Obergrafschaft ein und wies in vielen
Veranstaltungen unentwegt auf die Notwendigkeit der Förderung der
lernschwachen Schüler hin.
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Herr Kilian begann mit einer Klasse und 26 Kindern. Fünf Jahre
lang widmete er sich allein einer fast unlösbaren Aufgabe, weil es
noch keine weiteren Sonderschullehrer gab. Erst 1960 begann die
Entwicklung, die er angestrebt hatte. Die Schule wurde zweiklassig,
zwei Jahre später dreiklassig und wieder zwei Jahre später vierklassig. 1963 wurde Herr Kilian zum Sonderschulhauptlehrer ernannt.
In der Schule wurden 75 Kinder aus der ganzen Obergrafschaft
unterrichtet. In einer kleinen Feierstunde gratulierte im Namen der
Elternschaft Fräulein Plöger, die Heimleiterin des
Reformierten Kinderheims Gildehaus, des heutigen Eylardushofes, aus dem
allein 11 Kinder die Schule in Schüttorf besuchten und dankte
Hauptlehrer Kilian für die geleistete Arbeit, mit der alle Eltern
einverstanden waren, weil sie erkannten, wie wohl die Kinder sich hier
fühlten. Sie sagte zum Schluß: "Bleiben Sie weiterhin unser
lieber Herr Kilian und den Kindern ein geliebter, guter Lehrer!"
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1965 konnte das moderne Gebäude der ersten
Mittelpunkt-Sonderschule im Regierungsbezirk Osnabrück seiner
Bestimmung übergeben werden. 1967 wurde Herr Kilian zum Rektor
"seiner" Schule ernannt. Die Sonderschule Schüttorf besuchten 127
Schülerinnen und Schüler, die von sechs Lehrkräften und
einigen Fachlehrern aus anderen Schulen unterrichtet wurden. Die Schule
wuchs weiter und schon bald mussten Klassen ausgelagert werden. Im
Schuljahr1973/74 wurde Heinrich Kilian nach mehr als 40 Jahren im
Schuldienst in den Ruhestand verabschiedet. Schulrat Jan Harm Kip
würdigte ihn bei der Entlassungsfeier "als geistigen Vater der
Sonderschule Schüttorf und Pionier bei der Entwicklung des
Sonderschulwesens in der Grafschaft." Nach seiner Pensionierung
erteilte Herr Kilian noch viele Jahre Sprachunterricht.
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1948 trat Herr Kilian in den Lehrerverein ein. Er blieb seiner
Standesvertretung bis zu seinem Tode treu. Von 1952 bis 1968
gehörte er dem Rat der Stadt Schüttorf und von 1974 bis 1976
dem Rat der Samtgemeinde Schüttorf an. Ihm wurde der Titel
"Ehrenratsmitglied" verliehen. Zeitweilig gehörte er auch dem
Kreistag an. Durch sein freundliches, offenes Wesen und seine
kommunalpolitische Erfahrung erfreute er sich in weiten Kreisen der
Bevölkerung großer Anerkennung und Beliebtheit. Ab 1955 war er Mitglied des Kirchenvorstandes der damals
zuständigen ev.luth. Martin-Luther-Kirchengemeinde Bad Bentheim
und von 1959 bis 1970 des Kirchenvorstandes der ev.luth.
Christophorus-Kirchengemeinde Schüttorf. Er setzte sich für
die Gründung dieser Kirchengemeinde ein und hat ihr in der
schwierigen Zeit des Aufbaus mit Rat und Tat gedient.
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Heinrich Kilian war seit 1935 mit Eva, geb. Kammer, verheiratet.
1928 hatten sie sich auf der Oberschule in Bischofswerder kennengelernt. Im bekannten Bergkirchlein des Oybin im Zittauer Gebirge
schlossen sie den Bund fürs Lebens. In der Ehe sind zwei
Töchter in Sachsen geboren. Ein im Mai 1945 geborener Sohn
erkrankte und starb nach sieben Monaten. Durch zwei Söhne erhielt
die Familie in Schüttorf weiteren Zuwachs. Ihr gehören heute
acht Enkel und elf Urenkel an. Eva Kilian hielt ihrem Mann im Hause
nicht nur den Rücken frei, sondern gab ihm auch viele
Anstöße für seine berufliche und kommunalpolitische
Tätigkeit. 2005 feierten sie, nach 70 Jahren glücklicher Ehe,
er mit 95, sie mit 92 Jahren, das Fest der Gnadenhochzeit.
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