"Nach
einem Leben, das gelebt war in Liebe zu seiner Familie, das seine
vollste berufliche Erfüllung fand, verschied am gestrigen
Dienstag im Alter von 81 Jahren der Oberstudiendirektor a.D. Karl
Pfeiffer. Trauernd an seiner Bahre stehen neben seinen engsten
Familienangehörigen die Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihm an der
ersten höheren Schule des Kreises Grafschaft Bentheim gearbeitet
haben, stehen auch seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler,
stehen seine Freunde. Karl Pfeiffer wurde am 28. November 1880 in
Lippstadt geboren.
Nachdem das Sehnen und Streben vieler Persönlichkeiten
in der Grafschaft Bentheim nach einer Schule, die die Grafschafter
Jugend zur Universitätsreife führen konnte, Wirklichkeit
geworden war, wurde Studienrat Pfeiffer vom Quakenbrücker
Realymnasium nach Nordhorn versetzt und mit der Leitung dieser Schule,
die mit 16 Schülern am 16. April 1925 begann, betraut. Im
ehemaligen Sitzungszimmer des Frensdorfer Rathauses war der
erste Klassenraum des heutien Gymnasiums eingerichtet worden, aber
schon wenige Jahre später konnte Studiendirektor Pfeiffer mit
seiner ihm anvertrauten Schar in das neue Gebäude zwischen
Postdamm und Vechte einziehen. Unermüdlich und zielstrebig baute
Karl Pfeiffer die Anstalt aus. Die Behörden schätzten seine
Persönlichkeit, und in der Bvölkerung des Kreises besaß
Karl Pfeiffer bald großes Vertrauen.
Am 17. März 1930 wurde die erste Reifeprüfung in
Nordhorn angesetzt. Unter dem Vorsitz von Oberschlrat Dr. Franzmeyer
vom Provinzialschulkollegium in Hannover bestanden zwölf junge
Grafschafter das erste Abitur. Bis 1946 mußte Karl Pfeiffer nun
jährlich Abiturienten entlassen, denen er zusammen mit seinen
Kollegen das Rüstzeug für das Leben vermittelt hatte. Er
verabchiedete die Abiturienten immer schweren Herzens; denn im Laufe
der gemeinsam verbrachten Schuljahre war der "Baas", wie ihn seine
Schüler liebevoll, aber auch mit vollem Respekt, nannten, zum
väterlichen Freund geworden. Karl Pfeiffer hatte für die
Nöte und für die Sorgen der Schüler und auch der Eltern
immer ein offenes Ohr und half, wo es eben anging. Der nun Verewigte,
ein hervorragender Pädagoge und Lehrer, wußte um die
Wichtigkeit des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses, und die
Schüler haben es ihm gedankt. Auch später, als aus den
ehemaligen Abiturienten längst Frauen und Männer in Amt und
Würden waren, immer wieder fanden sie den Weg zu ihrem alten
Direktor, der ihren Lebenswg mit großem Interesse verfolgte. Als
es noch in seinen Kräften stand, da fehlte Oberstudiendirektor
Pfeiffer bei keiner Wiedersehensfeier einer alten Klassengemeinschaft.
Um die Nordhorner und die Grafschafter Jugend hat sich Karl
Pfeiffer größte Verdienste erworben; des Dankes der
Grafschaft Bentheim, des Dankes der ehemaligen Schüler kann er
gewiß sein - auch über das Grab hinaus. Und wo immer sich
alte Oberrealschüler, Aufbauschüler, Oberschüler oder
Gymnasiasten treffen, bei allen, die ihn kannten, wird er unter ihnen
sein - der "Baas".