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In
einer sehr stimmungsvollen Feierstunde nahm Jan Rotmann in
Gölenkamp
Abschied von seiner Schule. Das Klassenzimmer der schmucken
neuen Schule war gestern vormittag überfüllt, denn jede
Gölenkamper Familie war in dieser Abschiedsstunde vertreten. Jan
Rotmann ist ein Landlehrer von echtem Schrot und Korn. Er stammt
aus
einer alten Grafschafter Lehrerfamilie; seine Ausbildung
erfolgte an der Königlichen Präparandenanstalt in
Osnabrück. Nach vierjähriger Tätigkeit in Nordhorn
übernahm er 1926 die Schule in seinem Heimatort Gölenkamp,
wo er fast 35 Jahre der Gölenkamper Jugend das
nötige Rüstzeug für das Leben gab. Schurat Kollmann
bescheinigte ihm, dass er es trefflich verstand, die Schwierigkeiten
in einer einklassigen Schule zu meistern. Jan Rotmann erinnerte sich
daran, dass er nach dem Kriege mitunter bis zu neunzig
Schüler
in der Klasse hatte. Rotmanns
"Steckenpferd" waren
die frühgeschichtlichen Funde in Gölenkamp. Immer wieder
erinnerte er seine Schüler, die Augen offen zu halten, wenn sie
durch die Flur gingen. Kaum ein Landlehrer konnte die acht
Jahrgänge
in der einen Klasse so vorteilhaft beschäftigen wie er. Sein
Nachfolger Friedrich
Balderhaar (aus Balderhaar bei Itterbeck
stammend) gestand, dass er es schwer haben würde, es seinem
Vorgänger gleichzutun. Jan
Rotmann wird allerdings noch über
seine Pensionierung hinaus einige Stunden Unterricht übernehmen,
um seinem jungen Nachfolger die Einarbeitung zu erleichtern. Friedrich
Balderhaar richtete die Bitte an den Schulrat, dass die 2.
Lehrerstelle in Gölenkamp möglichst bald besetzt werden
möge.
Die Beliebtheit von
Lehrer Rotmann kam
nicht zuletzt in den Geschenken zum Ausdruck, die
ihm zum Abschied überreicht wurden. Bürgermeister Gülink
überbrachte als Erinnerungsgeschenk Bilder von der alten und der
neuen Gölenkamper Volksschule, und ein Schüler
überreichte
eine Stehlampe für das neue Heim, das Lehrer Rotmann in Uelsen
beziehen wird.
Soweit
der Bericht in den Grafschafter Nachrichten.
Die Abschiedsworte
vom damaligen Bürgermeister Gülink
anlässlich der Verabschiedung von Jan Rotmann, die eigentlich
alles über seine 35jährige Arbeit in der Schule
Gölenkamp aussagen, werden beigefügt:
"Sie, lieber Herr Rotmann,
gehen heute von uns, verlassen ihre Schule, wo Sie, ihr Vater, ihr
Bruder und ihre Schwester so viele Jahre treu gearbeitet haben. Hier in
Gölenkamp ist das Lehrerhaus mit der Gemeinde so stark
zusammengewachsen, wie es sonst selten der Fall ist. Das hat sich
besonders in den Kriegsjahren gezeigt. Sie, Herr Rotmann, haben keine eigene
Familie gegründet, aber dafür war ganz Gölenkamp Ihnen
zur großen Familie geworden. Das beweist uns Ihre stete
Teilnahme. In der alten Schule haben Sie angefangen, in der
schönen neuen hören Sie auf. Auf diese Schule können Sie
stolz sein. Immer wieder haben Sie angetrieben, geplant, gesorgt,
Gelder beschafft, bis das Haus zum Segen der Kinder und zur Freude der
Gemeinde fertig war. Die Gemeinde Gölenkamp dankt Ihnen für
die Lebensarbeit, die Sie ihr so ganz gewidmet haben".
Quelle:
Schulchronik, abgedruckt in : Heinrich Eberhardt, Schule, Land und
Leute der Samtgemeinde Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985
Zur
Erläuterung: Vater Friedrich Rotmann in
Gölenkamp von 1874 bis 1910, Bruder Johann Rotmann in
Gölenkamp vom 1912 bis 1926 und Schwester Anna Rotmann von 1926 bis
1974 Handarbeitsunterricht.
Zur
Ergänzung: Was
passierte von 1926 bis 1961 zur Zeit von Jan Rotmann in der
Volksschule Gölenkamp
(Auszug aus der Schulgeschichte):
1926
- Johann Rotmann wird
nach
Neuenhaus
versetzt. An seine Stelle tritt sein Bruder Jan
Rotmann. Schule
und Lehrerhaus werden an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.
1933
- Anlässlich der
Reichstageröffnung am 21.3. 1933 finden in allen Schulen
Schulfeiern statt, in denen "auf die Bedeutung des Tages des
erwachenden Deutschlands in angemessener Weise" hingewiesen
wird. Die Schulgebäude werden mit Schwarz-Weiß-Rot und
Hakenkreuzflaggen beflaggt (Rundschreiben des Schulrates vom
19.3.1933). Der 1. Mai - der Tag der nationalen Arbeit - wird in
allen Städten und Dörfern feierlich begangen. Der
Heimatverein schenkt dem Lehrer Rotmann
für die Schule als Anerkennung für die eifrige Sammlung von
Altertumsfunden in der Bauerschaft eine Nachbildung der goldnen
Schale, genannt "dat gaulne Pöttken van Gölenkamp".
1937
- Durch das sehr starke
Auftreten der Maul- und Klauenseuche kommt der Unterricht fast zum
Erliegen, denn Kinder aus verseuchten Höfen dürfen nicht
zur Schule kommen.
1938
- Die Schule Gölenkamp
erhält von der Reichsbildstelle Berlin ihr erstes Filmgerät.
Es werden neue Schulbänke angeschafft. Nach dem
Reichsschulpflichtgesetz von 1938 wird die männliche Jugend bis
zum 18. Lebensjahr in der Ländlichen Berufsschule erfasst.
Gölenkamp und Hilten werden in Hilten zusammengefasst.
1939
– 1945 - Der
Ausbruch des Weltkrieges bedeutet Vertretungsunterricht von anderen
Schulen, weil Herr Rotmann
zum Kriegsdienst eingezogen ist. Als er als alter
Weltkriegsteilnehmer Ende 1940 entlassen wird, muss er an anderen
Schulen mit vertreten. Weiterer Unterrichtsausfall erfolgt durch
angeordnete Sammlungen der Schulkinder (5.000 kg Altstoffe, 305 kg
Heil- und Teekräuter), den Kartoffelkäferabwehrdienst und
die Seidenraupenzucht. Durch die zunehmenden Einflüge der
feindlichen Flugzeuge werden Luftschutzmaßnahmen
erforderlich.
Beim Einmarsch der feindlichen Truppen im April
1945 werden die Schulen geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgt
im August (Grundschulen) bzw. Oktober 1945 (Oberstufen). Durch
Evakuierte und Flüchtlinge hat sich die Schülerzahl auf 86
Kinder erhöht. An Büchern sind nur Bibeln und
Gesangbücher
zugelassen. Fibeln und Rechenbücher werden von den Kindern der
Oberstufe zusammengestellt. Tafeln können nur notdürftig
beschafft werden. Eine Normalisierung tritt erst langsam ein.
1950
– 1954 - Im
Jahre 1950 besuchen 78 Kinder die Schule. Deshalb beschließt
der Gemeinderat die Neueinrichtung einer 2. Lehrerstelle.
Außerdem
wird der Neubau einer zweiklassigen Schule geplant. Die Regierung
genehmigt jedoch nur eine einklassige Schule, weil die alte Schule
noch als verwendungsfähig angesehen wird. Nach Baubeginn 1952
kann die Schule am 8. Januar 1954 bezogen werden.
1956
- Aufgrund der sinkenden
Schülerzahlen wird die 2. Lehrerstelle am 1.4.1956 nicht wieder
besetzt. Die Schule wird wieder einklassig. Die alte Schule von 1842
steht jetzt leer. Das sogenannte "Gymnasium" in
Hardinghausen wird abgebrochen, da es baufällig geworden ist.
1961
- Lehrer Rotmann
tritt am 1.April 1961 nach 35-jähriger Tätigkeit in den
Ruhestand. Nachfolger wird Friedrich
Kleine Balderhaar.
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