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Katholische
Volksschule Neuenhaus
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Nach der Reformation hörte die
katholische Kirchengemeinde
Neuenhaus auf zu bestehen. Erst 1824 konnte wieder eine katholische
Pfarrgemeinde gebildet werden, zu der die Katholiken aus den
Kirchengemeinden Neuenhaus, Veldhausen, Uelsen und Lage gehörten.
Die katholischen Kinder besuchten zunächst die reformierten
Schulen der einzelnen Kirchengemeinden. Der Religionsunterricht wurde
in besonderen Stunden von den kath. Pfarrern erteilt.
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1830 - Neuenhaus
bekommt eine eigene katholische
Schule. Als Schulgebäude wird in der Neustadt (jetzt:
Hauptstraße 88) ein Haus angekauft, in dem auch die Lehrerwohnung
untergebracht wird. Als Spielplatz dient die Straße. Da das Haus
sehr ungesund und zu klein ist, soll alsbald ein Neubau vorgenommen
werden.
Der erste Lehrer der katholischen Schule ist Th. Thies, der bis 1868 an
der Schule tätig ist. Die längsten Schulwege der Kinder sind
5
- 6 km.
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1868 - Nachfolger
von Lehrer Thies wird
nach
kurzen Unterbrechungen der Lehrer Eberhard Nollmann, der 1880
mit dem
Schreiben der Schulchronik beginnt und zunächst einen
Rückblick vornimmt.
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1878-1879 - Nachdem
ein Neubau wegen fehlender Finanzmittel
zunächst scheiterte, wird im Frühjahr 1878 vom katholischen
Konsistorium zu Osnabrück die Verfügung erlassen, mit dem
Neubau einer zweiklassigen Schule zu beginnen. Es wird ein Platz
bestimmt, der unmittelbar neben dem alten Schulhaus liegt. Das
alte Haus wird abgerissen. Nach Einweihung des Neubaus mit zwei
Klassenräumen mit je 40 qm Grundfläche durch Pastor Kerkhoff
beginnt der Unterricht am 21. Oktober 1879. Die
Einstellung einer zweiten Lehrkraft ist zunächst aus Geldmangel
nicht möglich.
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1881 - Im
Oktober 1881 erfolgt die Einstellung einer
Lehrerin. Die Kinder werden nach Geschlechtern getrennt unterrichtet.
Jede Klasse hat
etwa 40 Schüler.
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1885 - Das
katholische Konsistorium für
Schulangelegenheiten zu Osnabrück wird aufgehoben. Zuständig
ist jetzt die Königliche Regierug zu Osnabrück.
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1887 - Am 21.
März 1887 findet nach den beendigten
Schulstunden eine Schulfeier wegen des 90. Geburtstages Sr.
Majestät des Kaisers und Königs statt, die wegen der Kinder
vom Lande schon
am Tage vorher gehalten wird. Es wird ein Fackelzug veranstaltet, woran
die Schüler teilnehmen. Am 22. März wird vor der reformierten
Schule
eine "Kaisereiche" gepflanzt. Die Schüler erhalten Butterkuchen.
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1889-1890 - Der
Chronist berichtet über
Brandkatastrophen und Hochwasserfluten in Neuenhaus. Die
Schülerzahlen bleiben in diesen Jahren konstant bei etwa 80
Kindern.
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1895 - Am 25.
Mai 1895 verstirbt der
Localschulinspektor, Dechant K.
Kerckhoff, im Alter von 84 Jahren. Er
stammte aus Meppen und war seit 1846 in Neuenhaus tätig
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1900 - Lehrer Nollmann feiert
sein 25-jähriges
Ortsjubiläum. Aus dieser Veranlassung geht ein feierliches Hochamt
den Unterrichtsstunden voraus. Anschließend findet in der Schule
eine Feier statt, bei der dem von allen verehrten Lehrer
Glückwünsche und Geschenke dargebracht werden.
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1905 - Der
bisherige Kreisschulinspektor Dechant Mense
legt sein Amt nach 30 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nieder.
Zu seinem Nachfolger bestimmt die Königliche Regierung Pastor Bartel aus
Neuenhaus.
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1907 - Der
nach Geschlechtern getrennte Unterricht wird
aufgehoben. Von jetzt ab gibt es eine Unterstufen- und eine
Oberstufenklasse. Nach einer Verfügung der Königlichen
Regierung zu Osnabrück bekommt jedes Kind ein Zeugnis, welches vom
Vater zu unterschreiben ist
und nach den Ferien zurückgebracht werden muss.
Anfang November wird der Lehrer Eberhard Nollmann schwer
krank. Er
erholt sich nicht wieder von seiner Krankheit und stirbt am 7. Januar
1911. Er war 43 Jahre an der katholischen Volksschule Neuenhaus
tätig.
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1911 - Nach
Vertretung des Lehrers Nollmann
ab
21.11.1910 durch Lehrer Emil
Tilemann aus Emden und kurzer
Tätigkeit des Lehrers Clemens
Wulfern
kommt
der Lehrer Bernhard
Gröninger, der jahrelang die Entwicklung der katholischen
Schule
prägt.
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1912 - Die
neu erbaute Turnhalle am Dackhorstweg wird
im Sommer 1912 den Schulen zum Gebrauch übergeben.
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1915-1919 - Lehrer Gröninger
ist zum Heeresdienst
eingezogen und wird von Lehrer von der Haar vertreten. Mit
der
Rückkehr von Lehrer Gröninger
aus englischer Gefangenschaft
im Oktober 1919 wird die ordnungsgemäße Führung der
Schulchronik fortgesetzt.
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1933 - Mit
der Machtübernahme durch die
Nationalsozialisten werden die konfessionellen Lehrerverbände
aufgelöst und zum NS-Lehrerbund zusammengeschlossen.
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1937 - Lehrer Gröninger
wird im September 1937 aus
Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand versetzt. Er war seit dem
11. Mai 1911 an der Kath. Volksschule Neuenhaus tätig. Er
stirbt am 7.9.1954 (GN, 11.9.1954).
Mit dem Jahre 1937 hören die Aufzeichnungen in der Schulchronik
auf.
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1938 - Am 16.
März 1938 werden die evangelische
und die katholische Volksschule zur deutschen Gemeinschaftsschule
zusammengeschlossen. Gegen die Errichtung der Gemeinschaftsschule legt
der katholische Pastor in
einem Brief an den Landrat vom 17.6.1938 Einspruch ein.
Schulleiter der Gemeinschaftsschule ist der bisherige Schulleiter der
evangelischen Volksschule, Ludwig
Sager. Die Gemeinschaftsschule
besuchen 250 Schüler. Beide Schulgebäude werden als Neustadt-
und Altstadtschule genutzt.
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1946-1947 - Die
Gemeinschaftsschule wird wieder in eine
sechsklassige evangelische und eine zweiklassige katholische
Volksschule zurückverwandelt.
Nach Vertretung durch den Lehrer Paul Weiß wird der
Lehrer Joachim Pietsch
als Schulleiter von Nordhorn nach Neuenhaus versetzt.
Er wurde 1905 in Oberschlesien geboren, begann seinen Schuldienst in
Danzig und kam 1946 aus englischer Kriegsgefangenschaft in die
Grafschaft Bentheim.
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1948 - Die
Schulstärke beträgt 128 Kinder.
Laut Erlass des Kultusministeriums wird an der katholischen Schule
erstmalig ein Elternrat gebildet. Als die Kirche im Dezember 1948 neue
Glocken erhält, gehen alle Schulkinder bis zur Schule in Grasdorf,
um den Wagen mit den geschmückten Glocken bis zur Kirche zu
begleiten.
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1952 - An der
Schule wird eine dritte Lehrerstelle
eingerichtet. Da nur zwei Klassenräume vorhanden sind, belastet
die Raumnot in der alten Schule den Unterrichtsbetrieb. Für einen
Anbau ist bereits das Nachbargrundstück von der Stadt gekauft
worden. Man lässt jedoch diesen Plan fallen und plant einen Neubau
in der Bosthorst hinter der kath. Kirche.
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1953 - Der
bisherige Schulleiter der Schule, Joachim
Pietsch, wird mit Wirkung vom 1.7.1953 zum Hauptlehrer
ernannt.
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1954 - Am
12.10 1954 wird die neue katholische
Volksschule eingeweiht. Vor fast genau 75 Jahren, am 21.10.1879, wurde
die damals neue Schule an der Hauptstraße ihrer Bestimmung
übergeben. Die neue Schule enthält 3 geräumige
Klassenräume, 2 Nebenräume und Toiletten.
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1962 - Das 9.
Schuljahr wird verbindlich in
Niedersachsen eingeführt. Da die Einrichtung an der kath. Schule
wegen der geringen Schülerzahl nicht möglich ist, besuchen
auf Wunsch der Eltern 4 Schüler eine kath. Schule in Nordhorn und
3 Schüler die ev. Schule in Neuenhaus.
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1966 - Am 24.
April 1966 kann Hauptlehrer Pietsch
auf
eine 40-jährige Tätigkeit als Lehrer zurückblicken. In
einer
Feierstunde wird ihm Lob und Anerkennung für seine
beispielhafte,
von einer überzeugten christlichen Einstellung getragenen und
geprägten
Arbeit zuteil
(GN,25.4.1966).
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1967 - Da in
Verbindung mit der Schulreform die
Förderstufe zu Beginn des Schuljahres 1967/68 an der ev.
Mittelpunktschule eingerichtet wird, fasst die Elternversammlung den
Beschluss, zum 1.8.1967 zunächst das 5. Schuljahr und später
die gesamte Oberstufe zur Mittelpunktschule abzugeben, damit die Kinder
die Chancen der Förderstufe wahrnehmen können.. Das 9.
Schuljahr geht auch nicht mehr nach Nordhorn, sondern ebenfalls zur
Mittelpunktschule (GN,
29.6.1967).
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1970 - Im
Mai 1970 erreicht Hauptlehrer Pietsch
seine
Altersgrenze. Er hat die Schule 23 Jahre geleitet. Er wird vom Schulrat
als
ein Mann charakterisiert, der seinen Beruf, getragen und gefestigt von
einer
christlichen Überzeugung, gewissenhaft und pflichtbewusst
ausgeübt
habe. "Hier wurde nicht vom Katheder herab regiert, sondern das offene
und
kritische Gespräch mit den Schülern gesucht und
geführt."
(GN, 25.4.1979).
Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 wird der neue Schulleiter Hans
Hermann, der seit 1965 an der Schule tätig ist, in sein Amt
eingeführt.
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1972 - Mit
Zustimmung der Elternschaft beider Schulen
werden die kath. und die ev. Volksschule zu einer Schule für
Schüler
aller Bekenntnisse vereinigt. Sie ist von Seiten der kath. Eltern an
folgende
Bedingungen geknüpft:
-
Die neue Schule soll
eigenständig sein.
-
Der Gesamtlehrerbestand soll
nicht reduziert werden.
-
Die einzurichtende
Konrektorstelle soll einem kath. Lehrer
zugesprochen werden.
-
Das Gebäude der kath.
Schule soll einer Einrichtung
des Elementarbereichs zugeführt werden.
Die Aufhebung der
Konfessionsschulen und die Einrichtung der
Gemeinschaftsschule erfolgen zum 1.8. 1972. Es erfolgt die Einrichtung
von drei Vorschulklassen unter der pädagogischen Leitung von Herrn
Hermann.
Der Abschluss einer 142-jährigen Geschichte der katholischen
Volksschule vollzieht sich still ohne öffentliche Bekundung.
2010 - 50 Jahre nach ihrer Entlassung aus
der früheren katholischen Volksschule Neuenhaus trafen sich neun
ehemalige Schüler. Sie besuchten die alten Klassenräume,
wobei sie sich an ihre gemeinsame Schulzeit erinnerten. Das
Gebäude wird heute von der Realschule genutzt (GN, 28.4.2010).
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Quellen:
- Joachim Pietsch,
Auszüge
aus der Schulchronik, 1966
- Heinrich Eberhardt,
Chronik
der Schulen von Neuenhaus, 1994,
Seiten 82 - 107
- Artikel aus der
örtlichen Presse, im Text angegeben
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