| Volksschule
Alte Piccardie |
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Das Gebiet der Bauerschaft Alte Piccardie gehörte
ursprünglich zu Osterwald. Es war unbebautes, morastiges Land und
nur sehr gering besiedelt.
Der Graf Ernst Wilhelm
beauftragte 1647 Dr. Picardt
aus Coevorden, hier
eine Kolonie zu gründen. Dieser benannte das Gebiet zunächst
nach
dem Grafen "Ernstdorf". Um 1600 bürgerte sich der Name
"Piccardie" ein, später nannte man das Gebiet "Alte
Piccardie" im
Gegensatz zum
1775 bis 1780 entstandenen Ort "Neue Piccardie", dem heutigen
Georgsdorf.
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1713 - Um
1700 baute der
Graf zum Ortseingang am Ende
einer
Eichenallee, dem Heerendiek, ein Jagdhaus (im Volksmund:
"Jagdschloss"). Nach Überlieferung soll der erste Unterricht im
fürstlichen Jagdhaus erteilt worden sein. Über den Beginn des
Unterrichts ist nichts bekannt. Zumindest seit 1713 besteht jedoch
für die Jugend die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Es
ist nämlich überliefert, dass zehn
angesehene Bauern zum Wohl ihrer kleinen Schule einen Kontrakt
abschlossen.
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Nach Jan
Mühlstegen
("350 Jahre Alte Piccardie", Das Bentheimer
Land, Band 141, Seite 98) kann davon ausgegangen werden, das schon zu
Beginn des 18. Jahrhunderts ein Schulgebäude besteht. Im
Finanzierungsplan zum
Bau der Schule von 1836 heißt es nämlich, dass Einnahmen aus
dem
Verkauf der alten Schule erfolgen, die im einzelnen
aufgeführt
sind. Nach dem verkauften Material ist die Schule ein massives
Gebäude,
mit Ziegeln eingedeckt. Es handelt sich um ein Fachwerkgerüst,
dessen
Gefache mit handgestrichenen Ziegeln ausgemauert sind.
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Der Unterricht wird durch sogenannte
"Wintermesters", die keinerlei
Vorbildung für ihren Beruf haben, erteilt. Diese werden von der
Gemeinde
in Verbindung mit dem Kirchenrat gewählt und haben kein festes
Gehalt,
sondern sind mehr oder weniger auf die Gnade der Bauern angewiesen.
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1826 - Nach
Aussagen von Stiasny
("Aus
Veldhausens
kirchlicher
Vergangenheit und Gegenwart") ist 1826 in Alte Piccardie ein Lehrer
J.
Everts tätig, der 34 Schüler unterrichtet.
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1836 - Auf
Veranlassung
des Königlichen
Oberkirchenrates wird den Einwohnern von Alte Piccardie nahegelegt,
eine neue Schule zu bauen. Die Bauaufsicht wird von 5 Herren aus der
Gemeinde übernommen. Jeder Hofbesitzer muss Ziegel und Holz
liefern. Der Schulneubau kostet etwa 777 Gulden und hat nur einen
Klassenraum.
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Der Lehrer ist weiterhin Jan Everts,
ein Sohn des Bauern Everts,
auf
dessen Grundstück die Schule gebaut wird. Sein
Nachfolger ist Jan Hindrik Geels, der mit seiner Familie in
Veldhausen wohnt. Trotz eines verkrüppelten Beines macht er
täglich den Weg bis nach Alte Piccardie.
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1857 - Zum
Lehrer wird Gert
Schnieders, ein
Sohn des Bauern Schnieders aus Georgsdorf, gewählt. Als er 1865
heiratet,
baut die Gemeinde für ihn eine Lehrerwohnung an die Schule. Zum
25-jährigen
Dienstjubiläum als Lehrer in Alte Piccardie werden ihm große
Ehrungen zuteil. Die Gemeinde schenkt ihm eine schön ausgestattete
Bilderbibel
und einen Sessel.
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1891 - Der
Lehrer Gert
Schnieders tritt nach
34 Jahren in Alte Piccardie in den Ruhestand. Er lebt dann bei seinem
Sohn,
dem Malermeister Schnieders in Veldhausen. Er stirbt 1911. Sein
Nachfolger ist der Lehrer Hüsemann.
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1894 -
Lehrer Hüsemann
wird zum 1. Oktober
1894 pensioniert. Über den Lehrer Hüsemann siehe den
Bericht von H. Reurik
aus dem Jahre 1921: Lamann
und Hüsemann! Sein Nachfolger ist Jan Schnieders, ein
Sohn
von
Gert Schnieders, der vorher in Alexisdorf tätig war. Er beginnt
mit
dem Schreiben der Schulchronik.
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1895 - Zur
Sedanfeier am
2. September wandern die
Schüler aus Alte Piccardie, Adorf und Georgsdorf, mit
Fähnlein versehen,
zu Schnieders in Georgsdorf. Nach Erquickungen, einer Ansprache von
Lehrer Lange aus Georgsdorf und Wechselgesängen erfolgt
der
Rückmarsch. Zur Erklärung der Sedanfeier: Sedan ist
ein
französischer Ort an der Maas. Hier siegten am 3. September 1870
zwei deutsche Armeen
über die französische Armee. Napoleon III., Kaiser der
Franzosen
und Neffe von Napoleon I., wurde gefangengenommen.
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1896 - Die
Schüler
fahren mit der Eisenbahn
zum Kloster Frenswegen. Bis Neuenhaus fahren sechs bekränzte
Wagen. Die Schüler aus Osterwald und Grasdorf-Teich
schließen sich
an.
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1897 - Zur
100-Jahr-Feier
Sr. Majestät Wilhelms
des Großen am 23. März 1897 erfolgt ein Fackelzug durch Alte
Piccardie. Am 23. Dezember findet in der Schule eine Weihnachtsfeier
statt.
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1898 - Jan
Schnieders
wird am 1. Oktober 1898
nach Osterwald versetzt. Dafür wird der Lehrer G. Folkerts
aus Osterwald von der Königlichen Regierung zu
Osnabrück mit der Verwaltung dieser Stelle beauftragt.
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1899 -
Hinter der Schule
wird ein geräumiger
Spielplatz eingerichtet. Der Bauer Everts erhält
dafür als
Entschädigung jährlich 10 Mark.
Die Schülerzahl beträgt im Schuljahr 1899/1900 68
Kinder.
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1901 - Das
Dach der
Schule wird durch einen fallenden
Baum zerstört. Der Unterricht muss drei Tage ausfallen. Die
Reparatur kostet 90 Mark.
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1902 -
Lehrer Folkerts
wird zum 1. April 1902
nach Ostfriesland versetzt. Sein Nacholger ist Lehrer Schmid
aus
Adorf.
Nachdem die Schulgemeinde von der Königlichen Regierung
beauftragt war, eine neue Schule nebst Lehrerwohnung zu bauen, kann das
neue Gebäude am 25. August 1902 bezogen werden. Die Gesamtkosten
betragen 15.400 Mark. Die Schule gleicht allen Schulbauten aus jener
Zeit
im äußeren Stil und der inneren Raumaufteilung. Schule und
Lehrerwohnung
liegen unter einem Dach. Der Eingang liegt an der Nordwestseite.
Über
einen kleinen Flur erreicht man den Klassenraum. Große Fenster an
der West- und Südseite erhellen den Raum. Das Lehrerpult steht an
der
Stirnwand; im Raum stehen zwei Bankreihen, auf denen von links das
Tageslicht
fällt. Der Ofen steht an der Ostwand; geheizt wird mit Torf.
In der Schulchronik wird in den folgenden Jahren auf die
Schülerbewegungen, auf Schulwanderfahrten und die Schulfeiern im
Jahresverlauf eingegangen.
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1905 -
Wegen Masern ist
der Schulbesuch zwischen den
Sommer- und den Herbstferien sehr unregelmäßig.
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1909 -
Lehrer Schmid
wird nach Biene, Kreis
Lingen,
versetzt. Sein Nachfolger ist Lehrer Verbeck aus Adorf. Ab 1909
wird in jedem Herbst eine ländliche Fortbildungsschule
eingerichtet.
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1914-1928 -
Im März 1914
herrscht ein solches
Hochwasser, dass es vielen Kindern unmöglich ist, zur Schule zu
kommen. Die meisten Wege stehen unter Wasser.
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Nach Ausbruch des Krieges muss Lehrer Verbeck
vom 31. 8. bis
7.11. die Schule in Hohenkörben und ab 8.11.1914 die Schule in
Georgsdorf vertreten und hier gleichzeitig den Organistendienst
ausüben. Die Fortbildungssschule fällt in diesem und in den
folgenden Jahren aus. Der Unterricht in
Alte Piccardie kann nur verkürzt erteilt werden.
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Am 15. März 1916 wird Lehrer Verbeck
zum Heeresdienst
eingezogen. Die Vertretung hier und mit 12 Stunden in Georgsdorf
übernimmt ein Lehrer Röder aus Ueffeln.
In der Schulchronik wird ausführlich über die Auswirkungen
des Krieges auf die Verhältnisse in der Schulgemeinde berichtet.
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Vom Mai bis August 1917 werden 14 Kinder aus
Oberhausen zur Erholung in
Alte Piccardie untergebracht und leben sich hier gut ein. Im Jahre 1918
sind es 6 Ferienkinder, die bis November 1918 bleiben. Am 23.
Oktober 1918 wird Lehrer Röder nach Vörden (bei
Bramsche) versetzt. Die Vertretung übernimmt Lehrer Lahmann
aus Uelsen.
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Im November 1918 herrscht die spanische
Grippe, an der viele Kinder -
am 13.11. sind es 38 von 72 - und der Lehrer Lahmann erkrankt
sind.
Vom 4. - 12. November fällt der Unterricht deswegen aus.
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Lehrer Verbeck kehrt im November 1918
vom Heeresdienst
zurück und übernimmt ab 1. Dezember wieder den Unterricht.
Der Vertretungsunterricht in Georgsdorf hört am 7.1.1919 auf, so
dass wieder
normale Zustände eintreten.
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1919 - Am
1. April 1919
wird Lehrer Verbeck zum
Lehrer in Hilten gewählt. In Alte Piccardie wird der Lehrer Tönies
Portheine einstimmig gewählt. Er ist nach 1945 Schulrat der
Grafschaft
Bentheim.
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Im Schuljahr 1919/20 besuchen 70 Schüler,
davon 44 Jungen und
26 Mädchen, die Schule. Es findet ein Klassenausflug mit der
Eisenbahn nach Bentheim statt. Von den 70 Kindern sind bisher nur 11
schon einmal mit der Eisenbahn gefahren. Auch in den folgenden Jahren
finden Schulausflüge mit der Eisenbahn statt, u.a. nach
Münster und Osnabrück.
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Es wird wieder eine landwirtschaftliche
Fortbildungsschule
eingerichtet, an der 15 Schüler im Alter von 15 bis 32 Jahren
teilnehmen. Wöchentlich werden 4 Unterrichtsstunden in Deutsch,
Rechnen, Landwirtschaft, Chemie und Staatsbürgerkunde (speziell
die deutsche Reichsverfassung) und
einiges aus der mathematischen und der Wirtschaftsgeographie erteilt.
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1923 - Nach
der
Ruhrbesetzung durch die Franzosen
kommen 6 Schüler aus dem Ruhrgebiet, die auch die hiesige Schule
besuchen. Direkt bei der Schule wird ein Schulgarten eingerichtet und
von den
Schülern gepflegt.
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1926 - Ein
Bedürfnis
zur Wahl eines Elternbeirates
besteht in der kleinen Gemeinde nicht. Da niemand zur Wahl erscheint,
wird der Elternbeirat in der folgenden Gemeindeausschusssitzung durch
Zuruf ernannt.
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1927 - Da
der Weg vom
Coevorden- Piccardie-Kanal zur
Schule Alte Piccardie überwiegend nicht passierbar ist, erhalten
die
dortigen 8 Familien von der Regierung die Genehmigung, ihre Kinder nach
Georgsdorf zur Schule zu schicken. Nachdem in den Schuljahren 1919 -
1921 immer über 70 Schüler
die Schule besuchten, liegt die Schülerzahl ab 1923 immer zwischen
40 und 50 Schülern.
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1928 - Der
Lehrer T.
Portheine wird auf seinen
Wunsch am 1. 4. 1928 nach Nordhorn versetzt. An seine Stelle tritt der
Lehrer Karl Naber, nachdem er 7 Jahre an der vierklassigen
Volksschule Veldhausen tätig war. Mit Ausnahme von 6 Landwirten
wird die Gemeinde, auch die Schule und
das Lehrerhaus, an das elektrische Stromnetz angeschlossen.
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1929 - Im
Februar
herrscht eine ungewöhnlich
Kälte zwischen -20 und -30 Grad Celsius. Begleitet wird sie von
einer Grippeepidemie, die in der Gemeinde 7 Todesopfer fordert.
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1930 - Zur
Elternbeiratswahl erscheint wieder niemand,
so dass die Gemeindeausschusssitzung wieder hierüber entscheiden
muss.
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1933 - Zur
Machtübernahme durch Adolf Hitler
heißt es in der Schulchronik: "Das Jahr 1933 brachte dem
deutschen Volke nach
langen, schweren Jahren den Anfang des Wiederaufstiegs. Am 30. Januar
nahm
Adolf Hitler das Staatsruder in die Hand, um Deutschland vor dem
Untergang
zu retten, der marxistischen Misswirtschaft ein Ende zu bereiten und
das
deutsche Volk einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Unsere
Moorbevölkerung, die sich sonst nicht viel um Politik
kümmert, aber durch die unhaltbare Lage, in die sie in den letzten
Jahren hineingekommen, aufgerüttelt
war, atmete auf und ging mit neuer Hoffnung und neuer Lebensfreude
ihrer
Arbeit wieder nach." Auch in den folgenden Jahren geht der Chronist auf
die Verbesserungen in der Gemeinde durch die Aktivitäten der neuen
Regierung, besonders in der Moorkultivierung, ein.
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1938 - Da
die Zuweisung
von Kindern aus Alte Piccardie
und Osterwald nach Georgsdorf als Gastschulkinder zu einer immer
stärkeren Belastung der dortigen Schulgemeinde geführt hat,
wird folgende Regelung getroffen: Georgsdorf wird Gesamtschulverband.
Dazu gehören die Teile von Alte Piccardie und Osterwald, aus denen
Kinder die Schule Georgsdorf besuchen. Die Schulen Alte Piccardie und
Osterwald bleiben Eigenschulverbände. Trotz der dadurch
entstehenden Kosten für die Gemeinde erhält
die Schule innen und außen einen neuen Anstrich und eine
Wandtafel.
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Nach Erläuterung der Notwendigkeit
größerer,
mehrtägiger Schulausflüge in einer Elternversammlung nehmen
fast alle Kinder
der Oberstufe an dem großen Ausflug zur Porta und zum
Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald teil.
Der Arbeitsdienst, der bisher zur Moorkultivierung eingesetzt war, wird
durch Strafgefangene ersetzt.
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1939 - Die
Pläne zum
Umbau von Schule und
Lehrerhaus können durch den Ausbruch des Krieges nicht realisiert
werden. Lehrer Naber wird schon am 27. August 1939 eingezogen.
Der Unterricht fällt zunächst aus. Ab Oktober übernimmt
Lehrer de Vries aus
Hohenkörben den Unterricht vertretungsweise an drei Tagen in der
Woche.
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1943-1944 -
Lehrer de Vries
wird eingezogen. Die
Vertretung übernimmt ab 1. Mai 1943 Lehrer Lamann aus
Esche, ab 1. August die Lehrerin M. Hubinger aus
Hausbrunn/ Niederdonau. Sie fährt zunächst 7 Monate lang mit
dem Fahrrad von Esche nach Alte Piccardie und zieht am 22. Februar 1944
nach Alte Piccardie um. Sie bleibt bis zum 31.12.1944, um dann auf
eigenen Wunsch eine Lehrerstelle in
ihrem Heimatgau zu übernehmen.
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Im November 1943 kann die erste Ölbohrung
erfolgreich
abgeschlossen werden. Durch das Erdöl wird Alte Piccardie zu einer
reichen Gemeinde.
Im Winter 1944/45 wird der Klassenraum von Soldaten belegt, die zur
Sicherung der Erdöl-Bohrtürme eingesetzt sind. Während
dieser Zeit findet der Unterricht in der großen Küche bei
Wallkotten statt.
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1945 - Der
Unterricht
wird vertretungsweise von der Schulhelferin Eva Schey aus
Neuenhaus übernommen, die
3 Monate lang an einer Lehrerbildungsanstalt ausgebildet wurde. Nach
Einzug der alliierten Truppen ruht der Schulbetrieb vom April bis
Oktober 1945. Der Religionsunterricht darf jedoch ab Juli 1945 erteilt
werden. Den Unterricht übernimmt der Lehrer Jan Harm Kip aus
Bimolten. Er unterrichtete vor Kriegsausbruch in Georgsdorf und wurde
sofort zum Kriegsdienst einberufen. Seine Frau wohnte bereits seit dem
1. Juli 1943 in Alte Piccardie. Herr Kip wird
später Rektor in Bentheim, Mittelschulrektor in Neuenhaus
und Schulrat in Nordhorn.
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1946 - Am
31.12.1946
besuchen 87 Kinder die Schule;
davon sind 72 einheimisch und 15 Ostflüchtlinge, 7 kommen aus
Hohenkörben und 3 aus Osterwald. Lehrer Kip geht in der
Schulchronik auf einen Kanaldurchbruch bei Schleuse I und auf die
allgemeine Lage in der Nachkriegszeit ein, wobei er zahlreiche
Zeitungsberichte zitiert. Außerdem werden die 67
Kriegsteilnehmer aus Alte Piccardie aufgelistet, von denen (nach
Stand 31.12.1946) 11 gefallen, 12 vermißt, 6 noch in
Gefangenschaft und 38 wieder heimgekehrt sind. Da im Laufe des Krieges
alles in Verfall geraten ist, erfolgen in der
Schule Anstricharbeiten und zahlreiche Reparaturen
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1947-1948 -
Bedingt durch den
Erdölbetrieb und den
Flüchtlingsstrom nimmt die Schülerzahl immer mehr zu. Die
während
des Krieges aus Hohenkörben nach Alte Piccardie eingeschulten
Kinder
werden wieder der Schule Hohenkörben zugewiesen. Ab 1. Dezember
1947
wird eine zweite Lehrerstelle eingerichtet. Zunächst muss für
das 1. bis 3. Schuljahr Nachmittagsunterricht erteilt werden, bis ab
Sommerhalbjahr
1948 die alte Schule von 1902 als Klassenraum behelfsmäßig
eingerichtet
wird.
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1949 -
Aufgrund des neuen
Schulpflichtgesetzes in
Niedersachsen wird die Schulpflicht für die Kinder, die von 1941
bis 1944 eingeschult wurden, auf 8 1/2 Jahre verlängert. Dadurch
werden Ostern 1949 regulär keine Kinder entlassen.
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Da der Schulplatz für 85 Schüler zu
klein ist, wird er durch
Ankauf eines Grundstückes um rund 1.900 qm vergrößert.
Die Gemeinde erhält den Kaufpreis von 4.875 DM als Vorauszahlung
einer Pacht von der Preußag.
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Die alte Schule erhält einen neuen
Eingang durch einen Anbau, der
als Garderobe eingerichtet wird, außerdem einen neuen
Fußboden und Deckenverkleidungen.
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Wegen des Gesamtschulverbandes Georgsdorf gibt
es Streit mit der
Gemeinde Alte Piccardie, die die überhöhten Kosten nicht mehr
zahlen will. Die Angelegenheit wird der Schulabteilung in
Osnabrück vorgelegt.
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Zum 1.8.1949 wird Lehrer Kip mit der
kommissarischen
Wahrnehmung der Rektorstelle an der Ev. Volksschule Bentheim
beauftragt. Sein Nachfolger in Alte Piccardie wird der Lehrer Alfred
Serwatka, der nach Kriegsdienst und Gefangenschaft
ab
1.10.1946 an der dreiklassigen Volksschule Georgsdorf tätig war.
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Beim Schulsportfest zusammen mit Georgsdorf
erhalten 58,25 % der
Schüler aus Alte Piccardie eine Siegerurkunde. Die Weihnachtsfeier
der Schule wird gemeinsam mit der Elternschaft gefeiert.
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1950 - Da
der
Ausweichklassenraum in der alten Schule
als Behelfslösung angesehen wird, werden Überlegungen zum Bau
einer zweiklassigen Schule und einer weiteren Lehrerwohnung angestellt.
Diese
Baumaßnahme kann die Gemeinde jedoch nicht mit den üblichen
Zuschüssen
verwirklichen und hofft auf Unterstützung aus Mitteln der
Grenzlandhilfe.
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Beim Sportfest der Schulen Alte Piccardie und
Georgsdorf erhalten 29
von 40 Schülern (72,5 %) aus Alte Piccardie eine Siegerurkunde.
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1951-1952 -
Am 15. März
1951 findet erstmalig eine
Schulentlassungsfeier mit zahlreichen Vorführungen statt, zu der
auch die Eltern der 12 Schulabgänger eingeladen sind.. Die
Schülerzahl beträgt im Schuljahr 1951/52 84 Kinder,
davon 65 Einheimische
und 19
Flüchtlingskinder.
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Da die Finanzierung gesichert ist, erfolgen
der Anbau eines zweiten
Klassenraumes mit Gruppenraum und der Bau einer Lehrerwohnung im
Obergeschoss.
Außerdem entstehen ein Lehrmittelzimmer, eine moderne Badeanlage
und moderne Toilettenanlagen mit Wasserspülung. Von der
Preußag
wird eine moderne Erdgas-Heizungsanlage eingebaut. Die Firma
übernimmt
die Erdgaskosten. Zeitungsmeldungen sprechen von der "ersten mit Erdgas
beheizten Schule der Bundesrepublik". Beide Klassenräume werden
mit
modernem Schulgestühl (Zweiertische mit Drehstühlen), neue
Lehrerschreibtischen,
Lehrmittelschränken, Wandtafel-Schiebetafeln und langen
Wandtafelfriesen
ausgestaltet. Die Bepflanzung des Schulgrundstückes wird nach
einem
Entwurf des Schulrates Portheine durchgeführt.
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Die alte einklassige
Schule, die auf dem Bild nicht sichtbar, zur rechten Hand liegt, musste
vergrößert werden. Es geschah durch Errichtung eines neuen
Gebäudes mit einem Klassen- und Gruppenraum. Das große
Fenster des Gruppenraumes ist auf dem Bilde links sichtbar. Beide
Gebäude sind durch einen überdeckten Gang miteinander
verbunden. Durch drei schmiedeeiserne Tore (zwei sind auf dem Bild
sichtbar) sieht man auf den mit Platten belegten kleinen
Pausenhof.
Quelle:
T. Portheine,
Wie die Nachkriegsforderung nach allseitiger Schulumgrünung
bei
Grafschafter Schulen verwirklicht wurde, Jahrbuch 1959, Seite 121.
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Die Schuleinweihung erfolgt am 1. Juni 1952
unter starker Anteilnahme
der Bevölkerung. Die Schulchronik enthält eine Abschrift des
diesbezüglichen Artikels der Grafschafter Nachrichten vom
11.6.1952.
In den Sommermonaten erfolgen zahlreiche Besuche der Schule durch
Behördenvertreter.
Alle sprechen sich anerkennend über die bauliche Lösung und
die
Inneneinrichtung des Schulgebäudes aus.
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In den folgenden Jahren berichtet der
Schulleiter Serwatka
ausführlich über Schulausflüge, Sportfeste,
Weihnachtsfeiern und Schulentlassungsfeiern, über die klimatischen
Besonderheiten in den einzelnen Jahren und besondere Ereignisse in der
Schulgemeinde, besonders über den Straßenbau.
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1954 - Die
von den
Gemeinde Alte Piccardie und
Osterwald seit Jahren angestrebte Auflösung des
Gesamtschulverbandes Georgsdorf erfolgt zu Beginn des Schuljahres
1954/55. Durch das neue Schulverwaltungsgesetz ist die beanstandete
Finanzierung durch eine Neuordnung der Lastenbeteiligung für die
Schulträger gegenstandslos geworden.
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Erstmals absolviert eine Studentin der von
Celle nach Osnabrück
verlegten Pädagogischen Hochschule ihr Landschulpraktikum in Alte
Piccardie.
Die lange geplante Instandsetzung des Schulspielplatzes kann aufgrund
eines Zuschusses durch die Regierung verwirklicht werden.
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1956 - Die
bisher
weiteste Schulfahrt führt nach
Köln, Bonn und in die Eifel.
Die von der Preußag eingerichtete Erdgas-Heizungsanlage wird
aufgrund entgegenstehender Bestimmungen wieder abgebaut und durch eine
Ölheizung ersetzt. Die Gemeinde muss dafür jetzt
jährlich etwa 2.000 DM bezahlen.
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Die Theateraufführung zur Schulentlassung
findet soviel Anklang,
dass ein zweiter Abend angesetzt werden muss, an dem immer mehr auch
auswärtige Besucher teilnehmen. Es wird überlegt, wie eine
zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann, dass Einheimische
nicht ausgeschlossen werden.
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1960 - Im
Rahmen einer
Rätselsendung "Funkbilder
aus Niedersachsen" berichtet der Schulleiter über die Entstehung
der Gemeinde und über das Dorfwappen.
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Im Spätherbst besucht Herr Sherma, Dozent für
Geophysik einer
indischen Universität, der sich zu Studienzwecken in der
Bundesrepublik aufhält, auf Veranlassung des 2. Lehrers Rudi
Kunze die Schule und nimmt am Unterricht beider Klassen teil.
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Kurz vor Weihnachten veranstaltet der
Blockflötenchor einen Abend,
um die Eltern mit der musikalischen Arbeit der Schule bekannt zu
machen. Die Veranstaltung ist sehr gut besucht.
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1961 - Beim
Lesewettbewerb des Heimatvereins für
die Grafschafter Volksschuljugend gewinnt der Schüler Alfred ter
Bahne den 1. Preis (GN, 28.11.1961). Bei der anschließenden Fahrt
der etwa 140 Teilnehmer durch die Grafschaft zur Kaffeetafel im
Heideschlösschen Wielen musiziert das Blockflöten-Ensemble
der Volksschule Alte Piccardie unter Leitung des Schulleiters
Serwatka.
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1962 - Am
Elternabend zur
Schulentlassung im März
1962 mit vielen Liedern und Aufführungen, der an zwei Tagen
durchgeführt wird, nehmen auch der Schulrat Kollmann und zwei
Gäste aus Afrika teil. Die Elternabende werden nunmehr seit 12
Jahren veranstaltet. Die Entlassschüler nach dem 8. Schuljahrgang
besuchen anschließend das 9. Schuljahr
in
Georgsdorf.
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Im September 1962 nimmt die Schule an der
Niedersächsischen
Schulspielwoche teil, die alljährlich in Rinteln stattfindet, und
spielt dort das Stück "Musikantenmärchen" von Colberg. Ein
Kamerateam des Hessischen Rundfunks dreht in der Schule für den
Filmbericht "Uns drückt die Schulbank."
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Das Abfackeln einer Gassonde, die länger
als ein Jahr brennt und
bei einem Überdruck von etwa 80 atü eine beträchtliche
Höhe erreicht, führt zu einer dauernden
Lärmbelästigung in der Umgebung, wodurch auch der
Schulbetrieb erheblich gestört wird.
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1963 - Der
Winter wird
zum bisher kältesten und
längsten des Jahrhunderts und führt zu teilweise meterhohen
Schneeverwehungen. Manche Kinder können nicht mehr die Schule
besuchen.
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Die Oberstufe der Schule fährt mit dem
Sonderzug nach Bremen.
Schülersonderzugfahrten setzen sich immer mehr durch, da sie nach
Ansicht des Chronisten eine bequeme Reise ermöglichen und den
Lehrkräften die Aufsicht weitgehend erleichtern.
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In den folgenden Jahren geht die Schulchronik
wie bisher besonders auf
die Klassenfahrten, die Bundesjugendspiele, Elternabende bei der
Schulentlassung, auf Besonderheiten des Wetters und Ereignisse in der
Gemeinde ein. Die Namen der Schulneulinge und der Entlassschüler
werden wie bisher aufgeführt.
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1966 - Im
Kurzschuljahr
1966 besuchen nur noch 45
Schüler die Schule. Wegen eines Verkehrsunfalls während einer
Klassenfahrt
im Vorjahr, bei dem jedoch keine Schüler und Lehrer verletzt
wurden,
will die Schule auf weitere Klassenfahrten von längerer Dauer
verzichten.
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Zum Schluss des Schuljahres im Dezember 1966
wird der 2. Lehrer Pasternak
zur Besetzung einer vakanten Stelle nach
Bimolten
abgeordnet und später versetzt. Die Schule wird einklassig. Der
Schulleiter sieht in dieser Situation die Abschulung der Oberstufe zur
Mittelpunktschule als sinnvolle Möglichkeit an. In der
Elternschaft gibt es wegen der Abschulung keine einheitliche Meinung.
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1968 -
Probleme bereitet
die Beförderung der
Schüler, die die Realschule und das Gymnasium in Neuenhaus
besuchen, da niemand
die volle Finanzierung des Schülerbusses übernehmen will. Die
Gemeinde Alte Piccardie ist hierzu trotz Zahlung eines Zuschusses nicht
in der Lage. Bei der Abschulung der Oberstufe nach Veldhausen wäre
dies Problem gelöst, da dann der Landkreis die Kosten
übernehmen würde.
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Das Problem der Verkehrsabgelegenheit ist
für Lehrer Serwatka
einer der Hauptgründe, die Schule Alte Piccardie nach 19 Jahren zu
verlassen. Nachdem er seine Realschullehrerprüfung in
Osnabrück abgelegt hat, tritt er zum 1. August 1968 seinen Dienst
an der Realschule Neuenhaus an.
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Mit der Versetzung von Herrn Serwatka
nach Neuenhaus endet die
Schulchronik. Mit Beginn des Schuljahres 1968/69 wird Ernst Korff Schulleiter
der einklassigen Volksschule in Alte Piccardie. Er übernimmt
gleichzeitig die Protokollführung der Gemeinderatssitzungen und ab
1.1.1969 die Rechnungsführung der Gemeindekasse. Er gehört
als gesetzliches Mitglied dem Schulausschuss an.
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Nach Abschaffung der 2. Lehrerstelle wird die
2. Lehrerwohnung
anderweitig vermietet. Die ehemalige Schulwiese und ein großes
Stück des Lehrergartens werden verpachtet.
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1969 - Um
den
Schülern mehr Bildungschancen
einzuräumen als es in einer einklassigen Schule mit 8
Jahrgängen möglich ist, stimmt der Gemeinderat der Abschulung
des 5. Schuljahrgangs zur Mittelpunktschule Georgsdorf mit Beginn des
Schuljahres 1969/70 zu. Bedingungen sind, dass die
Schülerbeförderung geregelt wird und die Grundschule eine
volle Lehrkraft behält. Alle brauchbaren Lehrmittel der Oberstufe
werden der Schule Georgsdorf kostenlos zur Verfügung gestellt.
Lediglich für die elektrische Nähmaschine verlangt man den
halben Anschaffungspreis.
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1972 - Mit
Schreiben vom
7.3.1972 teilt die
Schulabteilung der Bezirksregierung der Gemeinde mit, dass nach dem
neuen Schulverwaltungsgesetz die Voraussetzungen für den
Fortbestand der Volksschule Alte Piccardie nicht mehr gegeben sind und
man die Aufhebung der Schule zum 1.8.1972 beschließen möge.
Da die Schülerbeförderung nicht geklärt ist, stimmt der
Gemeinderat in seiner Sitzung am 16.5.1972 nicht zu.
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Zwischenzeitlich gibt Lehrer Korff
bekannt, dass er im Herbst
1972 die Schule aus dienstlichen Gründen verlassen werde. Als
bekannt wird, dass für die 19 Kinder der Grundschule Alte
Piccardie nur 18 Wochenstunden zur Verfügung stehen, fasst der
Gemeinderat aus pädagogischen Gründen den Beschluss, die
Kinder vorläufig nach Georgsdorf abzuschulen. Die Auflösung
der Schule Alte Piccardie lehnt er jedoch ab.
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1973-1974 -
Im
Schulgebäude wird ein Kinderspielkreis
eingerichtet.
Die Lehrerwohnungen werden vermietet. Die Schule und das
dazugehörende Grundstück werden als Gemeinderaum an
Bürgermeister Evers verkauft.
Am 14.1.1974 beschließt der Gemeinderat einstimmig, die Schule
Alte Piccardie mit Wirkung vom 28.2.1974 aufzulösen. Damit endet
die Geschichte der Volksschule Alte Piccardie nach 260 Jahren.
Heute wird die
ehemalige Schule von dem 1987 gegründeten „Verein für
Brauchtum und Geselligkeit
Alte Piccardie
e.V.“ als Versammlungsort genutzt.
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Quellen:
- Schulchronik von Alte
Piccardie, Band I: 1894 -
1953/ Band II: 1954 - 1968
- Pastor em. Lic. Theodor
Stiasny, Aus Veldhausens kirchlicher
Vergangenheit und Gegenwart, unveröffentlichtes Manuskript,
1948 (von
Herrn Diekjacobs, Alte Piccardie, zur
Verfügung gestellt)
- Alfred Serwatka,
Auszüge aus der Schulchronik, 1962
- 350 Jahre Alte
Piccardie, Das Bentheimer Land, Band 141, 1997
1. Jan Mülstegen, Alte Piccardie - Geschichte und
Geschichten, hier: Die schulische Vergangenheit, Seiten 98 - 112,
2. Alfred Serwatka, Aus der Schulchronik der Gemeinde
Alte Piccardie 1949 - 1968, Seiten 199 - 219,
3. Ulrich Weiß, Die weitere Entwicklung der Schule
bis zu ihrer Auflösung, Seite 220,
4. Ehemalige Lehrer und Lehrerinnen schreiben über
ihre Zeit in Alte Piccardie: Maria Hubinger, Jan Harm Kip, Wilhelm
Oploh, Klaus Chromow, Carl-Heinz Wernecke, Rudi Kunze, Ernst
Korff, Seiten 221 - 227.
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