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Grafschafter Schulgeschichte |
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| Schulen in der Samtgemeinde Neuenhaus | |||||||||||||
| Grundschulzeit
in Hohenkörben Erinnerungen, niedergeschrieben von Jutta Schreur-Nordholt In den
Kleidern
der Bauernkinder hängt das Aroma von
frischgemolkener Milch und Silofutter. Ich steh vor meiner kleinen
Schule, und sofort habe ich diesen Geruch in der Nase, einen Geruch,
den ich nur von hier kenne. Fußbodenöl gehört dazu,
eingezogen in alten Holzdielen, die abgetreten sind von zig
Schülergenerationen.. Im Winter vermischt sich der Geruch von
geöltem Holz mit anderen Düften. Die Nässe von schweren
Stiefeln tropft auf die Dielen, die feuchte Wolle selbstgestrickter
dicker Pullover dünstet aus. Die knisternde Wärme vom
kleinen Kohleofen breitet sich langsam aus und der ganze Schulraum
dampft, riecht nach Kuhstall und Stroh, getautem Schnee und
Kreidestaub.
Zur
Pause laufen
wir durch das schneeverzuckerte Birkenwäldchen zum Hof
hinter dem Lehrerhaus. Die Jungs versuchen uns Mädchen mit Schnee
einzuseifen, bis mein Vater mit seiner Schiedsrichterpfeife dazwischen
geht. Ich renne noch schnell nach Hause aufs Klo, heimlich, weil meine
Klassenkameradinnen nicht merken sollen, dass ich die Schulklos so
eklich finde. Nach
der Pause
ist der Schulraum gestopft voll. Die i-Männekes sind jetzt auch
gekommen, alle fünfzig Schüler aus acht Klassen drängen
sich in die grünen Holzbänke mit dem angebauten
Schrägpult. Neben mir sitzt Truddi, rotwangig und drall, mit
schwarzer Schürze über den dunkelblauen Trainingshosen.
Ich beneide Trudi um ihre Haare. Wunderbare, dicke Zöpfe, die sie
zu einem Kranz um den Kopf dreht. Ich möchte auch solche
Zöpfe, nicht den langweiligen Kopftopfschnitt, den mir meine
Mutter verpaßt. Auf
dem
Lehrerpult steht inzwischen der schwarze Filmapparat, gestützt von
der großen Kinderbibel und Brehms Tierleben. Die
dunkelgrünen Rollos sind heruntergezogen, auf der umgedrehten
Landkarte erscheinen Rotkäppchen und der Wolf, schwarzweiß
und ohne Ton. Mein Vater erzählt das Märchen dazu. Er
erzählt es zweimal. Einmal in Hochdeutsch und einmal in
Plattdeutsch, für die i-Männekes. Sie sind in der
Schulsprache unsicher. Es gibt noch keine Fernsehapparate auf den
Höfen. Nach
dem Film ist
die Schule aus. Fünfzig Kinder rattern das Schulgebet herunter.
"Unseren Ausgang segne Gott, unseren Eingang gleichermaßen". Wir
sind eine evangelische Bekenntnisschule. Zu
Hause
hängt mein Vater seinen Schulanzug zum Lüften an die
Waschküchentür. Bis morgen früh um sechs, wenn er zum
Heizen in die Schule geht, ist der Geruch von Holz, Öl und
Kreide verbannt. Ebenso der Duft von Stall und Stroh und feuchten
Kleidern. Meine
kleine Schule. Längst ist sie keine Schule mehr, Städter
haben darin ihr Wochenendhaus. Aber von außen ist sie
unverändert. Anmerkung: Jutta Schreur-Nordholt hat einst ihre Grundschulausblidung in der einklassigen Volksschule Hohenkörben absolviert. Heute ist sie als Pfarrerin in Berlin tätig. Für den "Grafschafter" hat sie ihre Erinnerungen an die Grundschulzeit niedergeschrieben. Willy Friedrich Den Schulbericht über die Volksschule Hohenkörben finden Sie unter: Volksschule Hohenkörben Quelle: Der Grafschafter, Beilage der Grafschafter Nachrichten |
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