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Grafschafter Schulgeschichte |
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| Einzelbericht aus der Samtgemeinde Neuenhaus | |||||||||||||
| Jan Harm Kip Jan
Harm Kip wurde am 14. August 1911 geboren. Im Jahre 2001 feierte er
seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass sind unter "Profile im
"Grafschafter" eine Würdigung seines Lebenswerkes
und Aussagen von Jan Harm Kip "Über sich selbst"
erschienen, die an dieser Stelle wiedergegeben werden sollen. Ungewöhnlich ist die dankbare Erinnerung
einer ganzen Gemeinde an den über ein halbes Jahrhundert hinweg
unvergessenen Lehrer in schwerer Zeit; ungewöhnlich sind aber auch die
Begabungen und unbeirrbaren Kräfte, die sich in diesem Leben entfalten;
ein tätiges und erfülltes Leben, über das der Vortrag des jungen
Lehrers anno 1948 und sein altersweises Gegenstück 50 Jahre später
einen großartigen Bogen spannen. Dieses lange Leben beginnt in den
Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in bescheidenen Verhältnissen, auf
einem
kleinen Bauernhof in Bimolten, der den Eltern und den drei
Kindern
nur ein einfaches und hartes Dasein gewährt. Und doch erinnert sich Jan
Harm Kip dankbar an eine glückliche Kindheit, an die fraglosen
Ordnungen der bäuerlichen Arbeitsabläufe, des Kirchenjahres, des
Wechsels der Jahreszeiten. Er ist noch ganz in der plattdeutschen
Sprache aufgewachsen. Erst in der Schule lernt er das Hochdeutsche
gründlich - gewissermaßen als erste Fremdsprache. Mit der Erweiterung
des Wortschatzes wächst der Lebensraum und der Erfahrungshorizont - und
umgekehrt. "Sprache und Zahlen - damit erobert man die Welt", so lautet
später eine der Maximen als Lehrer. Er selbst ist das beste Beispiel
dafür. Überhaupt ist sein weiterer Werdegang ein exemplarisches Stück
Grafschafter Heimatgeschichte im 20. Jahrhundert: Zuerst natürlich in
dem Sinne, dass er in seinem späteren beruflichen Wirken daran selbst
mitgeschrieben hat, als Lehrer und Rektor an sechs Schulen quer durch
die Grafschaft hindurch, von Vorwald bis Bentheim, und zuletzt dann als
Schulrat für Nordhorn und die Obergrafschaft. Ein Stück Grafschafter
Bildungsgeschichte ist er aber auch in dem Sinne, dass er selbst der
erste seiner Herkunft war, dem in der Grafschaft selbst bessere
Lebenschancen durch bessere Bildungsmöglichkeiten zuteil wurden.
Natürlich musste man die Begabung dafür haben. Die hatte er; lesen
konnte er zum Beispiel schon, als er mit 5 1/2 Jahren
in die Schule kam. Das hatte er sich selbst beigebracht, weil sein
hungriger Geist Futter brauchte. Aber man muss nicht nur können,
sondern auch wollen. Und Jan Harm Kip wollte: Als 1925 in Nordhorn die
Aufbauschule gegründet wurde, das spätere Gymnasium, da war er
buchstäblich die Nummer Eins. Als erster stand er auf der Anmeldeliste.
Denn als er von der Möglichkeit erfuhr, hielt es ihn nicht länger in
Bimolten, und er meldete sich selbst, noch nicht 14-jährig, dort an.
Nicht sein Lehrer aus der Dorfschule. Nicht seine Eltern. Immerhin
verhinderten sie den Schritt auch nicht, sondern als sie merkten,
wie groß sein Wille war, sparten sie sich sogar das erhebliche
Schulgeld vom Munde ab. "Leären maggse wall; menn wenn Du sitten
bliffs, dann kumms Du weär an de Messgreepe." Das war die Alternative,
vor die ihn sein Vater stellte. Noch wenige Jahre zuvor wäre es ihm so
ergangen wie vielen begabten jungen Menschen in der Grafschaft: Geringe
Bildungsmöglichkeiten, geringe Chancen. Man blieb im angestammten
Lebenskreis eines meist kleinbäuerlichen Daseins. Es sei denn, die
Eltern waren in der Lage, ihr Kind auf eine höhere Schule außerhalb der
Grafschaft zu schicken, nach Lingen oder Rheine zum Beispiel. Die
Chance, die sich ihm mit der neugegründeten Aufbauschule in Nordhorn
bot. war die entscheidnede Weichenstellung seines Lebens. Und es war
nur konsequent, dass er in seiner Berufswahl dann später dem
Bildungsmetier treu blieb: "Kip will Lehrer werden", stand auf dem
Reifezeugnis. Nach dem Studiumin Hannover und Dortmund
schwierige Anfänge in schwierigen Zeiten: Zuerst arbeitslos; dann
unverhofft die erste Stelle in Vorwald im Frühjahr 34; Unterbringung
beim Bauern in der "Upkammer"; Gehalt: 150 Mark monatlich. Weitere
Stationen in rascher Folge: Uelsen, Georgsdorf; und nach sechs Jahren
Krieg: Alte Piccardie und Bentheim. Und dann für anderthalb Jahrzehnte:
Rektor der Mittelschule in Neuenhaus, einer Schule mit gutem Niveau und
gutem Ruf, aber mit maroden äußeren Verhältnissen. Die Stadt Neuenhaus
allein war überfordert, die Schule so auszustatten, dass sie den
gestiegenen Ansprüchen eines Bildungsweges zur mittleren Reife genügen
konnte, zumal sie in vermehrtem Maße von Schülern aus der ganzen
Niedergrafschaft besucht wurde. Jan Harm Kip verhalf einem
Schulzweckverband zum Leben, dem 26 Gemeinden aus der Niedergrafschaft,
von Emlichheim bis Bimolten, angehörten und die fortan die Mittelschule
trugen. Ein schönes neues Schulgebäude konnte so errichtet werden, und
aus der Mittelschule Neuenhaus wurde so die Mittelschule
Niedergrafschaft, zu deren zentralem Bildungsstandort die Stadt dadurch
aufstieg. Nicht ironich, sondern mit Respekt nannte man die Schule im
Volksmund die "Universität von Neuenhaus". Unter den Männern und
Frauen, die heute in Politik, Wirtschaft und Verwaltung der
Niedergrafschaft Verantwortung tragen, gibt es erstaunlich viele, die
sich in dieser Schule unter Rektor Kip zu bewähren hatten. Jan Harm Kip ist der plattdeutschen
Sprache,in der er aufgewachsen ist, ein Leben lang verbunden geblieben
- als aktives Mitglied des Grafschafter "Plattproaterkrings" und des
"Kreenk vuur Twentsche Sproak", als Erzähler von plattdeutschen
Anekdoten und anderen Prosatexten, die nach wie vor zum eisernen
Bestand der beliebtesten Texte beim plattdeutschen Lesewettbewerb
gehören. Aber auch bei der Erschließung alter Dokumente hat er seinen
historischen und sprachlichen Sachverstand immer wieder zur Verfügung
gestellt, 1996 zum Beispiel in Verbindung mit Eckhard Woide bei der
Herausgabe des umfangreichen Werkes "Stads Ordonnantien/
Stadtverordnungen der Stadt Neuenhaus 1601 - 1762". Nie hat er das Plattdeutsche als
Sprachbarriere gegenüber dem Gebrauch des Hochdeutschen empfunden. Im
Gegenteil: das Plattdeutsche hat ihn bereichert. Und mit dem
Hochdeutschen ist er umso bewusster und wählerischer umgegangen.
Das hatte zur Folge, dass er als Lehrer besonders sensibel blieb für
die Ausdrucksprobleme von Schülern, die in einer wenig sprachintensiven
Umgebung aufwuchsen. Sprachförderung war ein Schwerpunkt seines
Unterrichts. Und auch als Prediger zog er
Gewinn aus der Sprachkraft des Grafschafter Platt. Zwei
Kardinalfehler protestantischer Predigt blieben ihm so erspart: Die
Anschaulichkeit des Platt bewahrte ihn vor blutleerer Abstraktion. Und
dessen lapidare Bündigkeit vor allzu geölter Beredsamkeit. In den
Andachten, mit denen er seine Neuenhauser Gemeinde auf der ersten Seite
des Gemeindebriefes seit Jahrzehnten begleitet, gibt es viele Sätze,
die bestehen nur aus vier oder fünf Wörtern. Aber gerade in dieser
Sparsamkeit sind sie von treffender Wucht. Seine Predigtsprache ist
beim Plattdeutschenin in die Schule gegangen. Und wie kein anderer war
er auch dazu berufen, direkt in Plattdeutsch zu predigen, ohne daraus
ein folkloristisches Amüsement werden zu lassen. Unvergessen ist seine
plattdeutsche Predigt 1959 beim Niedersachsentag in Nordhorn. 1500
Menschen standen und saßen in der Alten Kirche und hörten zu. Ein
Jahr zuvor erst war er zum Ältestenprediger ernannt worden, zum ersten
in der Grafschaft. Inzwischen gibt es hier längst keine Kanzel mehr,
auf der er noch nicht gestanden hätte. Seinen letzten plattdeutschen
Gottesdienst hielt er in Brandlecht zum Reformationsfest im vergangenen
Jahr. 90 Jahre ist er nun alt. Er behaupet
zwar von sich, er sei nicht mehr so gut zu Fuß wie ehedem, mit der
Fietse gehe es sehr viel besser. Doch wer ihn am Sonntagmorgen aus der
Fürstenstraße zum Gottesdienst schreiten sieht, ausgreifenden
Schrittes, Hände auf dem Rücken, mit der unvermeidlichen Kipse die
Augen beschattend, der weiß, was er von solchen Bemerkungen zu halten
hat. Katharina Kip jedenfalls, die Frau an seiner Seite, muss sehen,
dass sie Anschluss hält. Fast 60 Jahre gehen sie nun Seite an
Seite, zum Gottesdienst und auf allen anderen Wegen. Als junger Lehrer
in Georgsdorf sah er sie zum ersten Mal, als er über die Hecke in den
Nachbargarten einen raschen Blick warf. Das war der Garten von Pastor
Saueressig, bei dem ein Backfisch - wie es damals noch hieß - namens
Katharina Schroer aus Mühlheim zu Besuch war. Zehn Jahre war Jan Harm
Kip älter als sie, aber genauso schüchtern. Dennoch: Er folgte,
inzwischen schon Soldat, ihren Spuren nach Mühlheim. Kriegsheirat 1942.
Seitdem teilen sie ihr Leben auf eine, wie beide ungeniert bekennen,
traditionelle Weise: Er war und ist in Anspruch genommen von seinen
vielfältigen Aufgaben am Schreibtisch und außer Haus, sie war und ist
ihm Gefährtin, die dem Haushalt vorsteht, die fünf Kinder erzog und ihm
den Rücken freihielt.So groß ist ihre Gemeinsamkeit, dass ihr Schöpfer
ihnen sogar ihren Geburtstag in ein und denselben Monat gelegt hat.
Deshalb gibt´s jetzt im August in der Fürstenstraße gleich zwei runde
Geburtstage zu feiern. Der "Grafschafter" gratuliert! Jan Harm Kip: "Über mich
selbst" (...) Heimat ist
dort, wo das Elternhaus steht, wo man die Muttersprache erlernt hat, wo
man aufgewachsen ist. Ein Elternhaus ist mehr als ein Haus mit Türen
und Fenstern. Es hat Menschen, die dort lebten, arbeiteten, dachten,
planten und glaubten. Es gibt von dort her Erfahrungen und Erlebnisse,
die uns verändern und prägen und die uns die Richtung unseres Lebens
zeigen. Die Welt ist unendlich, und wir wissen, wenn wir über unsere
bisherigen Grenzen hinüber sehen, genauer, was es auf sich hat mit
unserem Dasein in dieser Welt, mit welchen Gedanken man sich in dieses
Leben hinein tastet. Oft ist es eben wirklich nur ein Tasten! Wir
erleben alle ein Leben, das uns gegeben ist, das wir höchstens
gestalten können. Es ist oft ein Weg durch die Dunkelheit, in der aber
Licht ist, das wir suchen müssen. (...) Wie weit kann
man sich in seine Kindheit zurückerinnern? Als ich drei Jahre war,
wurde meine jüngste Schwester getauft. Das war ein besonderer Aufwand;
mit dem Pferdewagen ging es zur Kirche. An diesen Aufwand erinnere ich
mich noch sehr genau. Ich wollte unbedingt mit und nicht bei der
Nachbarsfrau zu Hause bleiben. Die feste Erinnerung beginnt eigentlich
erst mit der Schulzeit. Die vorhergehenden Lebensjahre haben keine
allzu starken Erinnerungsspuren hinterlassen. Die Felder, die Wege, das
Gras, die Wiese, das Getreide - die gesamte Landschaft, der Himmel, die
Wolken, das war mein Zuhause! Da fühlte ich mich wohl. Meine Welt war
die, die ich bewusst wahrnahm. (...) Was ein Hof, und
wenn er auch klein ist, an Arbeit fordert, habe ich früh erfahren und
später mitgetragen. Da mein Vater eingezogen war, war es Mutters
Aufgabe, für die ganze Familie zu sorgen. Sie musste melken, Roggenbrot
und Schwarzbrot kneten, das wir später beim Bäcker backen ließen. Sie
musste kochen, nähen, flicken, das Vieh füttern und die Felder
beackern. Ich musste ab 10 Jahren mithelfen, Stroh in die Ställe
bringen, dem Pferd Häcksel in die Krippe geben, Torf und Brennholz
heranholen, Eier aus den Nestern nehmen, im Winter den Kühen Wasser
geben. Hilfe hatte meine Mutter inzwischen durch meinen Vetter, der
1915 aus der Schule entlassen wurde. Die Arbeit bestimmte unser Leben.
(...) Der Philosoph
und Pädagoge Eduard Spanger meinte, bis zum siebenten Lebensjahre
würden die Grundelemente des Lebens bestimmt. Das ist auch meine
Erfahrung. Alles weitere war nur Ernte aus einer trotz allem
glücklichen Jugend, für die Gott noch Wirklichkeit war und geblieben
ist. Der äußere Lebensgang ist weniger wichtig. Wichtiger ist, dass
sich Lebensziele bilden, Überzeugungen formen, dass ein Sinn des Lebens
gesucht und gefunden wird. Jeder Mensch muss nach seiner Art denken,
denn er findet auf seinem Weg immer ein Wahres, das ihm durchs Leben
hilft. (...) Ich tat nach
Möglichkeit immer eins nach dem anderen; und dann immer das Schwerste
zuerst! Was ich nicht konnte, tat ich nicht. Ich habe meine Grenzen
gesehen.
von Johann Arends,
Bürgermeister der Samtgemeinde Neuenhaus "Nur wenigen Menschen ist es vergönnt, gleich auf ein ganzes Jahrhundert gelebtes Leben zurückblicken zu können. Auf eine Lebenszeit, in der sich in Politik und Gesellschaft, in Technik und Lebensweise so vieles verändert hat. Dem Schulmann, Ältestenprediger, plattdeutschen Erzähler und Heimatforscher Jan Harm Kip aus Neuenhaus – noch dazu geistig fit wie eh und je – wird diese Gnade morgen zuteil. Am 14. August 1911 zur Zeit des Kaiserreichs in Bimolten geboren, wuchs er auf dem kleinen Hof seiner Eltern auf. Er ging noch nicht zur Schule seines Heimatortes, da brach der Erste Weltkrieg aus, den sein Vater vom Anfang bis zur Kapitulation 1918 als Soldat erlebte. In dieser Zeit führte seine Mutter den Hof. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Jan Harm Kip, dass er bereits mit zehn Jahren leichte Arbeiten in der Landwirtschaft verrichtete. Dass seine Interessen und Begabungen aber mehr auf geistigen Gebieten lagen, dafür spricht die Tatsache, dass er bereits vor der Einschulung im Alter von fünf Jahren lesen und schreiben konnte. Aus eigenem Antrieb meldete er sich selbst 1925 für die neu gegründete Aufbauschule in Nordhorn an, die später das Gymnasium wurde. Nicht seine Lehrer, nicht seine Eltern, sondern der gerade 14-jährige Jan Harm Kip selbst stellte damit eine wichtige Weiche für seinen weiteren Lebensweg. Seine Eltern zahlten das Schulgeld, was ihnen sicherlich nicht leicht fiel. Als Mahnung gab der Vater ihm mit: „Leären maggse wall, men wenn du sitten bliffs, dann kumms du weär an de Messgrepe“. Nach dem Abitur studierte er an den pädagogischen Hochschulen Hannover und Dortmund. Es folgte die erste Lehrerprüfung 1933 und 1934 die erste Anstellung in Vorwald. Weitere Stationen waren Uelsen, Georgsdorf und nach dem Zweiten Weltkrieg Alte Piccardie und Bentheim. 1953 übernahm Jan Harm Kip die Schulleiterstelle der Mittelschule Neuenhaus, die er 15 Jahre lang führte. Er setzte sich für die Gründung eines Schulzweckverbands ein, der später 26 Gemeinden von Emlichheim bis Bimolten umfasste. Seiner Überzeugungskraft, seinem Verhandlungsgeschick und seiner persönlichen Integrität ist es zu verdanken, dass im Jahr 1956 alle beteiligten Gemeinderäte den Zweckverband „Mittelschule Niedergrafschaft“ gründeten. Neuenhaus wurde zentraler Bildungsstandort in der Niedergrafschaft. Jan Harm Kip wurde Schulrat des Schulaufsichtskreises Nordhorn / Obergrafschaft. Er blieb auf diesem Dienstposten bis zur Pensionierung. Jan Harm Kips erste Muttersprache ist Plattdeutsch. Als Mitglied im „Plattproaterkring“ hat er dort seinen historischen und sprachlichen Sachverstand immer zur Verfügung gestellt. Dabei ging es ihm nicht nur um die Sprache als solche, sondern auch um den Menschen in seiner Sprache, wie er es selbst formuliert hat. Mit Eckhard Woide hat er bei der Herausgabe des umfangreichen Werks „Stads Ordonnantien/Stadtverordnungen der Stadt Neuenhaus 1601-1672“ aus dem Niederländischen übersetzt und uns damit ein heute lesbares, wertvolles, historisches Werk geschenkt. Viele plattdeutsche Predigten hat Jan Harm Kip sowohl in der Grafschaft als auch im benachbarten Emsland gehalten. Unvergessen ist seine Predigt in plattdeutscher Sprache 1959 auf dem Niedersachsentag in der Alten Kirche in Nordhorn. Etwa 1600 Menschen saßen oder standen in dem Gotteshaus und hörten zu. Aber nicht nur plattdeutsche Predigten hat er gehalten. Bereits 1958 wurde er als erster ehrenamtlicher Ältestenprediger der Grafschaft Bentheim in Neuenhaus ordiniert. Jahrzehnte lang hat er in der reformierten Kirchengemeinde den Pfarrer in allen Amtshandlungen vertreten. Sich mit dem Glauben an Gott und den sich daraus ergebenden Sinnfragen des Lebens zu beschäftigen, war Jan Harm Kip immer besonders wichtig. Als sein ehemaliger Schüler erinnere ich mich nach fast 50 Jahren noch gut daran. Im Schulalltag kannte er fast jeden Schüler und wusste mehr über unsere Stärken und vor allem Schwächen, als uns lieb war. Er war eine starke Persönlichkeit und strahlte Respekt, Disziplin und Verlässlichkeit aus. Er forderte Leistungsbereitschaft. Diejenigen, die ihre Pflicht taten, ließ er gewähren und lobte gute Leistungen. Für Faulheit zeigte er kein Verständnis. „Ick wett et wall, du hess wear dienen leuen sett und door möt ick die es overto helpen“, sagte er dann. Ganze Schülergenerationen haben ihm zu danken. Als ich ihm 2002 zum ersten Mal als Repräsentant der Stadt einen Geburtstagsbesuch abstattete, verabschiedete er mich mit dem Satz: „Mak de watt van.“ Nach diesem Satz lebt er sein Leben auch heute noch." Johann Arends ist Bürgermeister der Samtgemeinde Neuenhaus. Als Gastautor hat er diesen Text anlässlich des 100. Geburtstages von Jan Harm Kip verfasst. |
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