Grafschafter Schulgeschichte

Stadtschule 

Nordhorn 1865

Volksschule 

Bakelde 1953

Burgschule

2006

Volksschule

Hestrup 1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Anne-Frank

Schule 1973

  Gymnasium Nordhorn

Aufnahmejahrgang 1941

Nachstehend wird der GN-Bericht vom 26. April von Philip Aubreville wiedergegeben:

"Als in der Schule nichts normal war

Ehemalige Grafschafter Schüler schreiben Buch

Unterrichtsausfall wegen Fliegeralarms, aus Ostpreußen geflohene Mitschüler, propagandistische Schulbücher: Der „Aufnahmejahrgang 1941 der Staatlichen Oberschule für Jungen Nordhorn“ erlebte eine völlig andere Schulzeit, als sie den Fünftklässlern bevorsteht, die im Sommer am Gymnasium eingeschult werden. Im gleichnamigen Buch, das der „Ehemalige“ und pensionierte Lehrer Horst-Günther Stacharowsky initiiert hat, erinnern sich nun einige von ihnen an diesen Lebensabschnitt – gut 60 Jahre nach ihrem Abitur 1950.

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Horst-Günther Stacharowsky steht auf dem Schulhof der Stadtring-Gymnasiums Nordhorn und lässt seinen Blick über die zahlreichen Gebäude wandern. „Hier hat sich einiges verändert, früher war das Gebäude wesentlich kleiner“, erklärt der gebürtige Bad Bentheimer und macht eine abschneidende Handbewegung.

Vor 70 Jahren wurde er hier eingeschult – damals hieß das Gymnasium noch „Oberschule für Jungen Nordhorn“ und Kinder wie der damals zehnjährige Horst kamen mit dem Zug aus ihren Heimatorten in die heutige Kreisstadt zum Unterricht. „1b“ hieß seine Klasse, in die jene 36 Jungen und – der Name „Oberschule für Jungen“ verfehlte schon lange vorher die Realität - Mädchen gingen, die aus der Ober- und Niedergrafschaft stammten und deshalb nicht mit den Nordhorner „Stadtkindern“ aus der Klasse „1a“ die Schulbank drückten.

Zahlreiche Zu- und Abgänge, etwa Flüchtlinge aus Ostpreußen, sorgten dafür, dass insgesamt 91 Schüler einmal Mitglied der „Grafschafter“ b-Klasse gewesen waren, als 1950 schließlich das Abitur anstand. Einer der verbliebenen 27 Absolventen: Horst-Günther Stacharowsky.

Stacharowsky studierte später in Marburg und arbeitete als Lehrer; zuletzt in Münster, wo er auch heute noch lebt. Die Verbindung mit seiner Obergrafschafter Heimatstadt, aber auch mit Nordhorn, riss allerdings nie ab. Und so kam dem 79-Jährigen beim Sichten alter Unterlagen, die er aus dem Nachlass des Nordhorner Pädagogen Ernst-Joachim Schaede erhalten hatte, die Idee zu seinem Buchprojekt, das eine Schulzeit beschreibt, in der „nichts normal“ war.

Ursprünglich war nur eine statistische Übersicht des Aufnahmejahrgangs 1941 geplant, doch bald ergaben sich weitere Fragestellungen nach den einzelnen Mitgliedern der Klasse oder den Unterrichtsinhalten. Stacharowsky bat ehemalige Klassenkameraden aus der b-Klasse um Beiträge – deshalb bezieht sich das Werk fast ausschließlich auf Ober- und Niedergrafschafter Schüler – und konnte eine imposante Sammlung von Dokumenten, Bildern und vor allem den Erinnerungen einzelner Schüler zusammenstellen, der eine akribische Auflistung der einzelnen Zu- und Abgänge vorausgeht.

Die Arbeit war dabei alles andere als einfach. Nach dem Krieg sei vieles vernichtet worden, was die NS-Vergangenheit mancher Lehrkräfte beleuchtet hätte, erklärt Stacharowsky. Allerdings habe es doch einige glückliche Funde gegeben: „Es existierte zum Beispiel noch ein altes Klassenbuch, das nach dem Krieg weiterverwendet wurde, da Papier knapp war.“ Auch Auszüge aus alten Physik- und Englischbüchern oder Briefe einzelner Schüler finden sich in „Aufnahmejahrgang 1941 der Staatlichen Oberschule für Jungen Nordhorn“ abgedruckt.

Wichtigster Teil des Werkes dürfte aber die „Collage“ von Berichten 13 ehemaliger Schüler sein. Darin wird sowohl der (schulische) Alltag im „Dritten Reich“ als auch im Nachkriegsdeutschland geschildert. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich die für diese Generation typischen Erlebnisse und Erfahrungen, etwa der Luftangriff auf einen „Schülerzug“ in Veldhausen 1944, der allgegenwärtige Hunger und entsprechende Gegenmaßnahmen („Hamstern“, Schwarzschlachten) oder die antisemitische Indoktrination einerseits und der vorsichtige Versuch eines Lehrers, auch im Jahre 1942 den Sinn von Konzepten wie „Demokratie“ oder „Opposition“ zu erklären.

Hier zeigt sich zugleich die Problematik derartiger Erinnerungsliteratur, deren Schilderungen fast zwingend verzerrt sein müssen, weil sich der Standpunkt des zwölfjährigen Hitlerjungen eben doch von dem des gealterten, auf seine eigenen Erinnerungen aus einer nun bundesrepublikanischen Perspektive Zurückblickenden unterscheidet. Auf das Problem gefärbter Erinnerungen wird in dem Buch allerdings ausdrücklich hingewiesen – ebenso wie auf entsprechende weiterführende Literatur.

Nichtsdesto trotz ist das Werk, das bisher in relativ kleiner Auflage im Eigenverlag erschien, kein Geschichtsbuch, sondern richtet sich in erster Linie an diejenigen, die sich „miterinnern“ können. Allerdings seien durchaus auch zeithistorisch interessierte Menschen jüngerer Jahrgänge angesprochen, erklärt Horst-Günther Stacharowsky und wirft einen letzten Blick auf den riesig scheinenden Schulhof mit den neuen Gebäuden. Interessierte können sich unter Telefon (02533) 1618 melden."

Hinweis: Die GN vom 10.6.2011 berichten, dass das Buch an die Schulleitung des Gymnasiums Nordhorn, Frau Monika Woltmann und an ihren Kollegen Jan Leutmannsmeyer übergeben wurde. Das Buch soll als Arbeitsmaterial für den Geschichtsunterricht dienen. Es wird zudem Eingang in die Bibliothek dienen. Das Buch über den Abiturjahrgang 1950, das mehrere ehemalige Abiturienten herausgegeben haben., geht zwar von der Situation in der Schule aus. "Es greift aber räumlich und in seinem historischen Bezug weit darüber hinaus und bietet überraschende Einblicke in das Leben jener Zeit", so Stachorowsky