Burgschule wird nach 176 Jahren geschlossen

Schulbetrieb endet mit Schuljahresende – Abschlussgottesdienst am 19. Juni in St.-Augustinus

Nach 176 Jahren schließt zum Ende dieses Schuljahres Nordhorns älteste Schule: Die Burgschule im Herzen der City. Rückläufige Schülerzahlen infolge des demografischen Wandels veranlassten die Stadt vor einem Jahr, die Schließung einzuleiten. Am kommenden Sonnabend ab 10 Uhr werden das Kollegium der Burgschule, die verbliebenen Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern in einem gemeinsamen Gottesdienst in der St. Augustinus-Kirche von ihrer Schule Abschied nehmen.

gn Nordhorn. Von 1834 bis 2010 war die Burgschule in der Nordhorner Innenstadt präsent und hat im Laufe der Zeit vielen historischen Ereignissen standgehalten. Nun wird sie zu einem Opfer der demografischen Entwicklung. Im Jahre 1834 war die Burgschule als erste katholische Schule in Nordhorn auf der alten Burg im Herzen der Stadt eröffnet worden. Seitdem hat die Schule alles Angenehme und Unangenehme, das die geschichtliche Entwicklung unseres Landes mit sich gebracht hat, miterlebt und durchlebt.
Weit über 200 Lehrkräfte waren an der Schule tätig, zu Spitzenzeiten besuchten über 730 Schülerinnen und Schüler in einem Jahr (1931) die Schule. Diese riesige Schülerzahl war in 17 Klassen untergebracht. 16 Schulleiter waren für den Ablauf eines geregelten Schullebens verantwortlich, darunter nur eine einzige Frau: Frau Borgmann leitete die Schule von 1967 bis 1983. Als ihr Nachfolger übernahm Bernhard Reiners 1983 die Schulleitung. Er hat nun neben der Leitung der Grundschule Am Roggenkamp die Aufgabe, die Burgschule zu schließen.
160 Jahre (bis 1995) war die Burgschule eine Bekenntnisschule für Schülerinnen und Schüler katholischen Glaubens. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten wurde sie zu einer Schule für Schülerinnen und Schüler aller Bekenntnisse, versehen mit einem eigenen Schulbezirk.
Das heutige Schulgebäude stammt aus dem Jahre 1906. Steigende Schülerzahlen hatten die Verantwortlichen zu einem Neubau gezwungen. Am 23. November 1906 konnte das Gebäude eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Bereits 1912 wurde die Schule durch einen Anbau, bestehend aus zwei Klassenräumen, einem Zeichensaal, einem Lehrerzimmer und einem Lehrmittelraum, erweitert.
Mit Beginn des Schuljahres 1938/39 wurde in Nordhorn die Gemeinschaftsschule eingeführt. Die Schüler wurden regional den einzelnen Schulen zugewiesen. Mit dem zweiten Weltkrieg kamen wiederum Lehrermangel und andere Probleme auf die Schule zu. Am 20. November 1944 wurde die Schule bis auf weiteres geschlossen.
Ende August 1945 wurden die vier unteren Jahrgänge wieder eingeschult. 366 Schülerinnen und Schüler wurden in acht Klassen von 7 Lehrkräften unterrichtet. Ab September 1946 konnten die drei Bekenntnisschulen, Burgschule, Marienschule und Pestalozzischule, wieder ihren alten Status führen.
Seit den 1950er Jahren wurde die Schule durch die sich schnell verändernde Schullandschaft immer stärker verändert. Seit 1974 war sie eine reine Grundschule.
Schon früh hatte man in der Burgschule auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert. Immer mehr Gastarbeiter kamen nach Nordhorn, immer mehr Kinder mit geringen Sprachkenntnissen drängten in die Schule. Im Herbst 1977 wurde offiziell die erste Hausaufgabenhilfe ins Leben gerufen.
Im Schuljahr 1983/84 begann die Stadt Nordhorn mit Sanierungsarbeiten in der Burgschule. Im Juli 1984 wurde dann das 150-jährige Bestehen der Burgschule gefeiert. Es sollte das letzte große Schuljubiläum sein. Als im vergangenen Jahr eigentlich die Feier zum 175-jährigen Jubiläum anstand, hatte der Rat der Stadt beschlossen, die Schule zu schließen.
Mit der Burgschule wird eine Schule geschlossen, die sich intensiv um die Integration ausländischer Schüler sowie deren Eltern bemüht hat. Viele Kinder mit Migrationshintergrund (vor allem Türken und Portugiesen) haben die Schule besucht und hier den Grundstein für ihren persönlichen Werdegang gelegt.
In einem Abschlussgottesdienst soll am 19. Juni ab 10 Uhr an die wechselvolle Geschichte der Burgschule erinnert werden. Er steht unter dem Motto „Jedes Kind braucht einen Engel“ und wird von der Musikgruppe „friends“ mitgestaltet. Alle Interessierten sind zu dem Gottesdienst willkommen.