Schulsystem vor Umbruch
Das
deutsche Schulsystem steht nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung
durch die sinkenden Schülerzahlen
vor radikalen Veränderungen,
von denen auch Niedersachsen nicht ausgenommen sein wird.
Bis zum
Jahre 2025 wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter
zwischen 6 und 18 Jahren von knapp 11 Millionen auf 9 Millionen
sinken, hieß es gestern in Gütersloh. "Auch wenn es
große regionale Unterschiede gibt, werden Länder,
Städte
und Gemeinden bei der Bildungsplanung neue Wege gehen müssen",
sagte Vorstandsmitglied Brigitte
Mohn. "Durch den massiven
Rückgang der Schülerzahlen dürfte vor allem das
dreigliedrige Schulsystem weiter unter Druck geraten".
Die Stiftung hat erstmals bildungsrelevante Daten für alle
Kommunen ab 5000 Einwohnern auf einer Internetseite zusammengestellt.
In ihren Zahlen für Niedersachsen geht die Studie von einer stetig
sinkenden Zahl an Hauptschülern aus. 2007 lag der Anteil bei
9,6 %. Parallel dazu streben immer mehr Schüler auf ein Gymnasium,
in Niedersachsen waren es landesweit 26,1 %.
Besonders drastisch wird der Schwund der Studie zufolge
bundesweit mit 27,4 % bei den 16- bis 18-jährigen. Bei den 10- bis
15-jährigen beträgt der Rückgang 15,8 %, in
Niedersachsen sogar ein Fünftel. Auch bei den Kleinen (6 bis 9
Jahre) werden 14,3 % weniger Kinder als heute die Schulbank
drücken. Einige Regionen müssen sogar noch deutlichere
Schülerverluste verzeichnen.
Nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung wird sich auch im
Westen Deutschlands der Trend zu neuen Schulformen fortsetzen. Dazu
zählt das zweigliedrige System mit zusammengelegter Haupt- und
Realschule. Bei einer Fortsetzung der Entwicklung dürfte sich der
Andrang auf die Gymnasien verstärken, während die Hauptschule
vom Aussterben bedroht sei.
Auf dem Arbeitsmarkt werden in den kommenden Jahren immer weniger junge
Menschen zur Verfügung stehen. Es ist deshalb nach Auffassung der
Bertelsmann-Stiftung eine vordringliche Aufgabe, mit Blick auf diese
Veränderungen alle jungen Menschen so gut wie möglich zu
qualifizieren.
Im Internet finden Sie weitere Informationen - auch Zahlenangaben zu
einzelnen Landkreisen, Städten und Kommunen unter: www.wegweiser-kommune.de
Ein Kommentar von
Anne Dickhoff
"Welche Folgen es für die
Gesellschaft haben wird, dass in nicht allzu ferner Zukunft die meisten
Menschen alt sind - diese Frage spielt im Alltag bislang kaum eine
Rolle. Wer sich aber, wie die Bertrlmann-Stiftung, mit den konkreten
Folgen des demografischen Wandels beschäftigt, erkennt schnell:
Die Änderungen werden gewaltig sein.
Was bedeutet dies für die schrumpfende junge Generation? Um das zu
erahnen, brauchen viele Eltern nicht einmal eine Studie - es reicht,
wenn die örtliche Grundschule ihres Kindes wegen zu kleiner
Schülerzahl geschlossen werden muss. Dieses Phänomen ist
geradei im ländlichen Niedersachsen inzwischen Realität - und
ein Anfang der Veränderungen, die auf uns zukommen.
Dass alles anders wird,
muss aber nicht heißen, dass es schlechter wird. Der sukzessive
Wandel der Gesellschaft birgt auch Chancen für das ständig in
der Kritik stehende Schulsystem. Haupt- und Realschulen müssen
zusammengelegt werden? Warum nicht! Wer aus dieser Not eine Tugend
macht, wäre dann vielleicht irgendwann nach skandinavischem
Vorbild bei einer Schulform für alle - mit dem Gymnasium als
dreijährige Schule bis zum Abitur. Anders, aber gut."
(Quelle: GN,7.11.2009)
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