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Volksschule
Wielen |
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Nach Angaben in der Schulchronik (siehe: Heinrich Eberhardt, Land
und
Leute der Samtgemeinde Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985,
Seite 186)
ist das erste Schulgebäude in Wielen um das Jahr 1780 entstanden.
Gegen
1810 baute man ein neues Schulhäuschen mitten in Wielen. Nach 2
Jahrzehnten war diese Schule so baufällig, dass an derselben
Stelle eine neue Schule gebaut werden musste. Nach Ausführungen
des Chronisten Hendrik Reurik
1889 war das neue Schullocal äußerst primitiv eingerichtet.
An der einen Wand spendete
aus einer Vertiefung des steinernen Fußbodens ein Herdfeuer
bescheidene Wärme. Durch drei kleine Fensterchen drang
nur spärliches Licht. Im Halbrund um das Herdfeuer befanden sich
die
Schülersitze: ungehobelte Bretter, die schlecht befestigt auf
wackelig
stehenden Holzstümpfen ruhten. Das nächste Schulgebäude
entstand
1854. Der Kostenaufwand betrug 1000 Gulden, der von 10 Beteiligten
gleichmäßig
getragen wurde. Das alte Gebäude erhielt den Namen "Dat
Schölken".
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Die Schüler kamen aus den Ortsteilen Balderhaar, Striepe,
Vennebrügge, Wielen, einige aus der "Itterbecker Gemarkung",
einige aus den angrenzenden Gebieten Hollands (Hardenberg, Radewijk).
Die Schulwege betrugen
1/2 - 1 Stunde. Wielen gehörte auch damals schon zum
Kirchspiel Uelsen. Es lag völlig isoliert an der holländischen Grenze.
Zur
Kirchspielkirche waren es 15 km, zum nächsten deutschen Bahnhof in
Bentheim 50 km.
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Es erfolgte ein häufiger Lehrerwechsel. Von 1780 bis 1905
unterrichteten in Wielen 25 verschiedene Lehrer. Dieser dauernde
Lehrerwechsel ist mit
den äußerst primitiven Wohnverhältnissen zu
erklären.
Wohnraum für eine Familie war nicht vorhanden. Der Reihetisch war
für
einen jungen Menschen auch nicht sehr angenehm. Zwei von diesen Lehrern
in Wielen waren:
- Lambert Lamann
aus Grasdorf, 1866 - 1874, dann Versetzung nach
Neuringe. Über ihn berichten H. Reurik in: Der
Grafschafter
Nr.13/1921
(abgedruckt in: Heinrich
Eberhardt, a.a.O., s. 190) und Horst H.
Bechtluft
in: Jahrbuch 1980, S. 194. Siehe auch: "Lamann
und Hüsemann" von Reurik im Jahre 1921!)
- Hendrik Reurik
aus Hilten, 1887 - 1889, dann Leitung der
vierklassigen Volksschule Nordhorn, nach dem 1. Weltkrieg Rektor in
Gevelsberg.
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Nach Aussagen von Herrn Hans
Hilbink, Nordhorn, hatte sein Großvater Hendrik Hilbink seine erste
Lehrerstelle nach seiner Ausbildung in Aurich an der Volksschule in Wielen, wo er vom 17.4.1896 bis 30.9.1899 tätig war. Er schreibt
in seinen Erinnerungen, dass zur Schulgemeinde noch die Zollstation
Vennebrügge und die Bauerschaft Balderhaar gehörten. Er
erhielt im Jahr 750 Mark Gehalt und freie Wohnung. |
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1906
- Nach den Planungen
ab 1900 erfolgt ein
Schulneubau neben der alten Schule. Der damalige Lehrer Grupe schreibt
dazu: "In Verbindung mit der Lehrerwohnung macht es besonders vom
Westen aus betrachtet einen
schönen Eindruck, und der Wanderer wird sich unwillkürlich
fragen:
Ei, ein schmuckes Häuschen in dieser Einöde!" Trotz der neuen
Schule
hörte der häufige Lehrerwechsel nicht auf: Kein Wunder
bei
dem Gedanken, dass die nächste Bahnstation Neuenhaus mehr als 20
km
weit
entfernt ist.
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1909
- Nachfolger von
Lehrer Grupe ist
Lehrer Lampen,
der jedoch 1909 an Lungenschwindsucht stirbt. Ihm folgt Lehrer Tibbe,
der dann 1912 nach Ohne versetzt wird. An seine Stelle tritt Lehrer Bock, der 1919
nach Scheerhorn geht; ihm folgen der Schulamtsbewerber Wippermann und
der Lehrer Peter. Das Schulunterhaltungsgesetz von 1909, durch das eine Gleichstellung
von Land- und Stadtlehrern erreicht und die Landflucht beseitigt werden
sollte, hatte für Wielen nicht die beabsichtigte Wirkung.
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1926
- Lehrer Holsmölle
aus Emlichheim-Weusten
tritt seinen Dienst in Wielen an. Es beginnt die Planung einer neuen
Straße von Wielen über Ratzel nach Wilsum, um
Anschluss an das
Niedergrafschafter Straßennetz zu bekommen. Die Ausführung
erfolgt
jedoch erst in den 1930-er Jahren. Es wird dann auch der Straßenbau
über Heesterkante nach Echteler, Volzel bis Emlichheim in Angriff
genommen.
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1936
- Die
Schülerzahl steigt auf 61. Dies ist
eine Rekordzahl, die vorher noch nie erreicht wurde. Lehrer Holsmölle
lässt sich aus familiären Gründer nach Schüttorf
versetzen, wo er nach zwei Jahren stirbt.
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1935
- 1948 - Über die
Jahre 1935 - 1948 enthält die
Chronik nur einen kurzen Bericht. Am 1.12.1939 wird der Stelleninhaber Dr. Rakers einberufen. Ein
Lehrer
muss den Unterricht für die beiden Schulen Wielen (84 Kinder) und
Ratzel
(57 Schüler) allein erteilen. Es sind jeweils nur drei Tage.
Teilweise
fällt der Unterricht ganz aus. Nach dem Kriege wird die Schule
einschl.
der Lehrerwohnung, die in der Sperrzone liegt, als Unterkunfts- und
Verwaltungsbereich
der Besatzungssoldaten genutzt. Die Kinder besuchen die Schule in Ratzel.
Erster Lehrer nach dem Kriege
ist Lehrer Genzink,
der im September
1948
von Lehrer Eng nach
seiner Entnazifizierung abgelöst wird. Er
wohnt weiter
in Itterbeck und fährt täglich mit dem Fahrrad nach Wielen.
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Er schreibt: "Die Verhältnisse, die ich in Wielen antraf, waren
nicht gerade rosig. Die Oberstufe hatte jahrelang nur 8 - 10 Stunden
Unterricht, die anderen Stufen waren ebenso übel dran. Gleich in
der ersten Woche, nachdem ich mich über die Stärke der
einzelnen Stufen informiert hatte, habe ich der Oberstufe die
tägliche 3. Stunde beschert, nach etwa 14
Tagen auch noch die 4." (siehe: Eberhardt, a.a.O.,S. 204).
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Bei einer Schülerzahl von 90 Kindern wird die Einrichtung einer 2.
Lehrerstelle genehmigt, die sofort besetzt wird. Wegen des fehlenden
Klassenraumes müssen die Jahrgänge 1 - 4 am Nachmittag
unterrichtet werden. Es zeigt sich, dass es sehr schwer ist, eine
mangelhafte Grundbildung zu überwinden. Es kommt hinzu, dass durch
den dauernden Zu- und Abgang von Flüchtlingskindern, die in den
Wirren der Flucht und der Nachkriegszeit jahrelang keine Schule besucht
haben, und durch Kinder der Zollbeamten die Einheitlichkeit der
Klassen immer mehr in Frage gestellt wird.
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1952
- Nach langwierigen
Streitigkeiten über einen
Schulneubau in Wielen - die Gemeinde wünschte den Bau einer neuen
zweiklassigen Schule - wird in unmittelbarer Nähe des Heidegutes
Wielen eine einklassige Schule mit Gruppenraum und Lehrerwohnung
gebaut, die im Februar 1952 ihren Betrieb aufnimmt. Die alte Schulgemeinde Wielen wird in 2 Schulbezirke aufgeteilt.
Für die neue Schule entscheiden sich 37 Kinder, dazu noch 9
Gastschulkinder aus Egge. In der alten Schule verbleiben 36 Kinder. Die
Leitung der neuen Schule übernimmt Lehrer Jansen, nachdem Herr Eng
nach Neuenhaus versetzt worden war. Die Leitung der alten Schule hat
Herr Lindner. Anlässlich einer Dachreparatur im März 1952 bricht der
Turm auf der alten Schule in sich zusammen und muss entfernt werden.
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1956
- Am 20.12.1956
findet im Heideschlösschen
die 50-Jahr-Feier der alten Schule von 1906 statt. Viele Wielener und
Holländer, die früher einmal die Schule besucht haben, finden
sich ein.
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1957
- Am 1. April 1957
fährt zum ersten Mal ein
Omnibus für Schüler von Wielen nach Neuenhaus. Die Wielener
Kinder haben nun die Möglichkeit, weiterführende Schulen in
Neuenhaus und Nordhorn zu besuchen.
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1958
- Es werden
Überlegungen zur Zusammenlegung
der Schulen Ratzel und Wielen angestellt. Man kommt jedoch über
eine Planung nicht hinaus.
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1960
- Über den
Standort des 9. Schuljahres kann
zunächst keine Einigung erzielt werden. Ratzel, Wielen, Itterbeck
und Egge stimmen für Uelsen, nur Wilsum für Wilsum. Als die
Gemeinde Wilsum sich bereit erklärt, die Kinder aus Wielen und
Ratzel unentgeltlich mit dem Bus abzuholen, sind diese Gemeinden mit
Wilsum einverstanden.
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1961
- Im April 1961 wird
Lehrer Jansen an die
Mittelschule Neuenhaus versetzt; an seine Stelle tritt Lehrer Albert
Arends.
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1962
- Es gelingt, eine
dritte Lehrkraft für
Wielen zu gewinnen. Ein Klassenraum wird angebaut. Beide Schulen werden
zu einer neuen Schule mit zwei Gebäuden zusammengefasst. In der
neuen Schule werden
das 1./2. und das 5. - 8., in der alten Schule das 3./4. Schuljahr
unterrichtet.
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1963
- Durch den Fortgang
von Zollfamilien und das
Abwandern von holländischen Kindern in holländische Schulen
verliert die Schule
in kurzer Zeit 28 Kinder. Die 3. Lehrerstelle wird aufgehoben.
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1964
- Nach langen
Beratungen der Bürgermeister,
Gemeinderäte und Schulleiter aus Wielen, Itterbeck-Ratzel, Wilsum
und Echtelerfeld wird der Beschluss gefasst, auch die Kinder des 7. und
8. Schuljahrgangs ab Ostern 1964 nach Wilsum umzuschulen. In Wielen
verbleiben noch zwei Klassen, 1.-3. und 4.-6. Schuljahr. Am 21.3.1964
wird die alte Schule nach 58-jährigem Bestehen geschlossen; Lehrer
Lindner wird
nach Alexisdorf-Neugnadenfeld versetzt.
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1967
- Lehrer Albert
Arends verlässt die Schule Wielen, um die Leitung der Schule Laar zu übernehmen. Neuer
Schulleiter wird Martin
Schröer, bislang in Egge tätig.
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1973
- Mit der
Einrichtung der Orientierungsstufe in Uelsen wird dann auch das 5. und
6. Schuljahr abgeschult. Die
Volksschule Wielen wird in eine Grundschule umgewandelt. Nach der
Grundschulzeit besuchen die Kinder aus Wielen die Schule im
Schulzentrum Uelsen.
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1974
- Martin
Schröer wird im August 1974 an die
OS Uelsen versetzt, an seine Stelle tritt Frank Heinemann.
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1977
- Die Grundschule
Wielen wird aufgelöst. Die
Schüler besuchen die Grundschule Wilsum und zum Teil die
Grundschule
Itterbeck. Lehrer Frank
Heinemann wird neuer Schulleiter der
Grundschule
Itterbeck. Im ehemaligen Schulgebäude wird der Kinderspielkreis untergebracht.
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Quellen:
-
Albert Arends, Auszüge
aus der Schulchronik, 1962
-
Heinrich Eberhardt, Schule,
Land und Leute der Samtgemeinde
Uelsen im Spiegel der Schulchroniken, 1985; Nr. 4.1.3 Grundschule Wielen, Seiten
180 - 210
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"Tief im Westen: Grenzstein
107" Porträt der Landgemeinde Wielen, Im Grenzland zu Hause, 16.3.2006
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