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Volksschule
Lohnerbruch
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Seit Jahrzehnten war es der Wunsch der 21 Siedler aus
Lohnerbruch, dass
hier eine Schule errichtet wird. Bisher besuchten die Kinder im
Gastschulverhältnis die Schule in Wietmarschen. Die am weitesten
entfernt wohnenden Kinder hatten einen Schulweg von 2 x 6 km. Dem Plan,
in Loherbruch eine Schule zu errichten, standen zunächst
finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Außerdem lehnte die
Hitler-Regierung dann von 1933 bis 1945 die Einrichtung einklassiger
Schulen grundsätzlich ab. Nach dem 2. Weltkrieg konnte dann
ein Schulbau aus Mitteln der Grenzlandhilfe, die 40.000 Mark zur
Verfügung stellte, realisiert werden.
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1950
- In der Gemeinderatssitzung der
Gemeinde Schepsdorf-Lohne wird am 17. Juni 1949 der Neubau einer
einklassigen Schule mit Lehrerwohnung in Lohnerbruch beschlossen. Der
Bau beginnt Ende August 1949. Die Einweihung erfolgt am 26. April 1950.
Der Schulraum ist durch bis an die Decke reichende schalldichte
Glaswände in drei Räume von 54, 15 und 12 qm gegliedert, in
denen die einzelnen Abteilungen ungestört voneinander arbeiten und
doch von einem Platz aus beaufsichtigt werden können. Alle
Räume sind mit Zentralheizung ausgestattet. Das ganze Gebäude
ist unterkellert; im Keller sollen Duschräume für die Kinder
Platz finden. Die Lehrerwohnung, für die ein besonderer Eingang
vorhanden ist, befindet sich im Obergeschoss. Ein Nebengebäude
enthält die Abortanlagen, eine Waschküche, den Schweinestall
und einen Abstellraum. Außerdem ist ein Schulgarten vorgesehen
(LT
- Lingener Tageblatt - , 28.4.1950; Lingener Volksbote, 27.4.1950).
An
der Einweihungsfeier nehmen zahlreiche Gäste teil. Das Lingener
Tageblatt schreibt am 28. April: "Die schönste Schule steht in
Lohnerbruch - Licht und Sonne von allen Seiten - Ein Bau, der allen
Bedürfnissen Rechnung trägt -"
Lehrer
der Schule wird Helmut
Wloka, der 1904 in Breslau geboren wurde
und schon in Schlesien als 1. Lehrer tätig war. 1947 wurde er in
den niedersächsischen Schuldienst übernommen und war
zunächst in Bienerfeld bei Lingen tätig. Am
Eröffnungstag wird die Schule von 69 Schülern besucht. Ziel
des Lehrers ist, von dem bisherigen Jahrgangsklassen-Unterricht weg
zum Gruppenunterricht zu kommen, um den Unterricht aufzulockern und die
Kräfte der Eigenverantwortlichkeit der Schüler zu wecken. Die
Schüler werden in die Unterabteilung (1./2. Jahrgang), die
Mittelabteilung (3./4. Jahrgang) und Oberabteilung (5.-8. Jahrgang)
gegliedert.
Am
2. Mai findet eine Elternversammlung statt, die von den Eltern
vollständig besucht wird. Es wird der vorgeschriebene
Elternrat gewählt. Ein erster Schulausflug der Oberabteilung
mit 38
Kindern und 14 Eltern führt über Nordhorn nach Bentheim. Den
größten Eindruck macht das Spiel "Wilhelm Tell" auf der
Freilichtbühne. Mittel- und Unterabteilung machen einen Ausflug
nach Hanekenfähr.
Schwierigkeiten
macht der Ausbau des Kellers, da der Grundwasserspiegel
zu hoch ist. Der Wasseranschluss fehlt noch. Im August/September
absolvieren zwei Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Vechta
ihr Landschulpraktikum. Der Elternabend im Dezember mit
Theateraufführungen, Liedern und Gedichten findet bei den
80 anwesenden Eltern sehr viel Anklang. Die Oberklasse besucht das
Altenheim der Franziskanerinnen in Wietmarschen und gestaltet eine
vorweihnachtliche Feierstunde.
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1951
- Der Lehrer setzt sich auch
für die Interessen der Bewohner des Ortsteils Lohnerbruch ein,
indem er einen Chor gründet und eine Fahrt an den Rhein
organisiert, an der 34 Bewohner teilnehmen. Ein Schulausflug mit der
Oberklasse ins Weserbergland findet nicht das Interesse eines
Großteils der Schüler und fällt aus. Eine Fahrt in
Richtung Osnabrück und Ibbenbüren findet dann doch noch statt.
Die
Junglehrer-Arbeitsgemeinschaft des Kreises mit 40 Teilnehmern
besucht die Schule, um einen Einblick in die Arbeitsweise der
Einlehrerschule zu gewinnen. Die Teilnehmer geben ihrer Anerkennung und
Zufriedenheit Ausdruck.
Einzelne
Eltern sprechen sich in scharfen Worten gegen die
Anforderungen des Lehrers an die Kinder, seine unterrichtliche
Arbeitsweise und die erteilten Zensuren aus und werfen ihm
persönlichen Ehrgeiz vor. Auch nach einer persönlichen
Aussprache mit den Wortführern bleibt doch beim Lehrer der
peinliche Eindruck, dass das Wollen des Lehrers, das doch dem
Fortkommen
und der Förderung der Kinder dient, recht wenig verstanden und
unterstützt wird.
Die
diesjährige Nikolausfeier wird besonders festlich gestaltet.
Jedem Schulkind wird ein ansehnlicher Beutel überreicht, auch den
anwesenden Kleinkindern. Den Kindern macht die Feier viel Freude;
leider wird von einigen Eltern eine wenig freundliche Kritik
geübt, so dass dem Lehrer eine Wiederholung im nächsten Jahr
nicht zweckmäßig erscheint. Da aus persönlicher
Verstimmung mehrere Mitglieder im Laufe der Zeit aus dem Chor
ausscheiden und somit eine Gewähr für weitere erfolgreiche
Arbeit nicht gegeben ist, legt der Chorleiter im Dezember 1951 sein Amt
nieder. Da weiterhin Vorwürfe gegen den Unterricht des Lehrers
geäußert werden und in seiner Wohnung zwei Fensterscheiben
mit Steckrüben eingechlagen werden, kommt es zu einer
Elternversammlung, in der es dem Lehrer jedoch nicht gelingt, die
Vorwürfe auszuräumen. Da weitere Ruhestörungen erfolgen
und ein Beschwerdebrief eingeht, schaltet der Lehrer den Schulrat ein.
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1952
- Der zweite Elternabend mit drei
Bühnenspielen und Chorliedern ist wieder ein großer Erfolg.
Ein Teil des Programms wird wieder im Altersheim Wietmarschen
vorgeführt. Der Erlebnisaufsatz einer Schülerin aus
Lohnerbruch "Freundschaft mit Tieren" wird in einer
Schulfunksendung
vorgetragen.
Die
Schülerzahl ist im Schuljahr 1952/53 um 12 gesunken und
beträgt jetzt 37. An einer Heimatkundlichen Wanderfahrt durch die
Kreise Lingen und Bentheim nehmen 7 Schüler der Oberabteilung
nicht
teil. Nach Ansicht des Lehrers ist es bedauerlich, aber bezeichnend,,
dass trotz aller Mühe des Lehrers das Interesse an Welt- und
Zeitaufgeschlossenheit bei Kindern und Eltern gering ist.
Nach
2 1/2 -jähriger Tätigkeit verlässt der Lehrer Helmut
Wloka am 30. 9.1952 die Schule, um einer Berufung nach
Osnabrück
Folge zu leisten. Sein Nachfolger wird der Junglehrer Adalbert
Mühl aus Lingen. Da Herr Wloka in Osnabrück
noch keine
Wohnung hat, bleibt die Familie zunächst bis zu den
Weihnachtsferien in der Dienstwohnung in Lohnerbruch.
Bei
der ersten Elternversammlung mit Lehrer Mühl bekunden die
Eltern ihre Bereitschaft, mit dem neuen Lehrer zusammenzuarbeiten, um
die Spannungen zwischen Schule und Elternhaus zum Wohle der Kinder und
der Gemeinde abzubauen.
Da
die Schule noch keine Verdunklungseinrichtung hat, die alsbald
beschafft werden soll, werden am späten Nachmittag erstmals
Unterrichtsfilme vorgeführt, die bei allen Kindern Anklang finden,
wie die Auswertung im Unterricht zeigt. Kein Kind scheut den
nochmaligen Weg zur Schule trotz Nässe und Finsternis. Es finden
auch Vorführungen der Unterrichtsfilme für die Eltern statt,
deren Interesse ebenfalls groß ist. Unter Mithilfe der Eltern und
Schüler wird das Schulgrundstück entlang der Straße
eingezäunt. Die Ausgestaltung des Schulgartens mit Pflanzen und
Blumen ist für das nächste Frühjahr vorgesehen.
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1953
- Schüler und Lehrer beginnen
mit der Verbesserung des Sportplatzes. Eine Sprunggrube wird angelegt.
Es soll auch ein Schulwald entstehen. Die Schüler fahren Sand auf
den geplanten Rasenplatz. Es wird mit dem Bau eines
Fahrradstandes begonnen. Die Arbeiten zur Verschönerung der
Schulanlage werden in den kommenden Jahren durch Väter und
Schüler fortgesetzt.
Zu
Beginn des neuen Schuljahres besuchen 50 Schüler die Schule.
Beim Stoppelfest in Lohnerbruch im September gestaltet die Schuljugend
den Nachmittag mit Spiel und Gesang des Mädchenchores. Im Oktober
wird endlich die Verdunklungsanlage eingebaut. Im Dezember finden ein
Nikolausfeier und ein vorweihnachtlicher Elternabend mit 110 Besuchern
an zwei Abenden statt.
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1954
- Auf Wunsch der Eltern wird
im
Mai erstmals wieder eine Radwanderung zur Erdölraffinerie nach
Holthausen gemacht. Im Juni folgt eine Fahrt mit dem Kleinbus (25
Plätze) ins Sauerland.
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1955
- Der Lehrer berichtet
jährlich über den Verbleib der Entlassschüler.
Während bisher Jungen und Mädchen überwiegend auf dem
elterlichen Hof verblieben oder als Hausmädchen tätig wurden,
wird jetzt zunehmend von einigen Mädchen der weitere Schulbesuch
in der Handelsschule oder Haushaltungsschule oder eine
auswärtige Lehre angestrebt. Auch die Jungen streben Lehrstellen
außerhalb an. 1957 gehen zwei Jungen zur Missionsschule, um
Priester zu werden.
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1957
- Auf Vorschlag des Lehrers
beginnen Väter und Schüler mit dem Bau eines Schwimm- und
Planschbeckens, der dann von Handwerkern vollendet wird.
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1958
- Der Kath. Lehrerverein des
Kreises Lingen lädt die Vertreter der Lingener Presse zu einer
Besichtigung einklassiger Landschulen ein, da immer wieder die Frage
laut wird, ob die einklassige Volksschule noch daseinsberechtigt ist
oder ob das schulische Leben in den Dörfern durch die
Zusammenlegung mehrerer solcher Schulen konzentriert werden soll. In
der Lingener Tagespost erfolgt zum 29. März 1958 eine Reportage,
die den Zweck verfolgt, der Öffentlichkeit einen Blick in den
Schulbetrieb einklassiger Landschulen zu vermitteln. Hierin heißt
es zur Volksschule Lohnerbruch, die neben anderen Schulen besucht wurde:
-
"Schule mit Schwimmbad
Die Schule in Lohnerbruch wurde 1950 im Rahmen
des
Emslandplanes erbaut. Deshalb ist sie die modernste Dorfschule in
unserem Kreis. Sie hat sogar ein eigenes Schwimmbecken, damit die
Landkinder, die ja meistens keine Gelegenheit dazu haben, in der Schule
Schwimmen lernen können. Das Klassenzimmer ist in drei Abteilungen
gegliedert. Während im eigentlichen Klassenraum Lehrer M ü h
l Geschichtsunterricht erteilt, kann in einem der durch
Glaswände abgeteilten Zimmer eine andere Klasse einen Aufsatz
schreiben und die dritte Flugzeugmodelle basteln. Immer behält der
Lehrer die Übersicht über sämtliche Schüler.
Wir stellen in allen drei Schulen fest, daß es in den
einklassigen Dorfschulen keine Disziplinschwierigkeiten zu geben
scheint. Auch wenn der Lehrer den Rücken wendet, fahren die Kinder
in der begonnenen Arbeit ruhig und selbstverständlich fort. Die
Kinder leben mit `ihrem´ Lehrer in einer so herzlichen
Gemeinschaft, daß sie das in sie gesetzte Vertrauen nicht durch
unordentliches Benehmen oder Trägheit enttäuschen wollen und
sich alle erdenkliche Mühe geben, dem Lehrer Freude zu
bereiten.
Kristel Struck"
Auf
dem Sportplatz werden zwei eiserne Fußballtore (3,50 m breit,
2 m hoch) aufgestellt, die gleichzeitig als Kletter- und
Reckgerüst Verwendung finden können.
Gemeinsam
mit den Schulen Wachendorf und Schwartenpohl wird eine
Klassenfahrt nach Osnabrück (Dom, Tiergarten), Iburg (Aufstieg zum
Dörenberg) und Ibbenbüren (Sommerrodelbahn)
durchgeführt. In den weiteren Jahren erfolgen Fahrten nach Bremen,
zur Insel Norderney, an die Weser und. zu anderen Orten. Es finden auch
Theaterfahrten nach Münster und Osnabrück statt.
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1963
- Ab Schuljahr 1963/64 leisten
jeweils zwei Studenten der Pädagogischen Hochschule Vechta an der
Volksschule Lohnerbruch im August/ September ihr sechswöchiges
Landschulpraktikum ab.
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1964
- Die
Lehrerwohnung im Obergeschoss der Schule wird in den Sommer- und
Herbstmonaten bis Dezember ausgebaut und vollkommen renoviert.
Das Bild zeigt die Schule und im Obergeschoss die Lehrerwohnung nach
dem Ausbau.
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1968
- Lehrer Mühl
beantragt am
24.11.1967 seine Versetzung in das Land Rheinland - Pfalz. In
zwei Elternversammlungen im Mai 1968 mit Schulrat Barlage aus Lingen, dem
Bürgermeister und dem Gemeindedirektor aus Lohne, an denen jeweils
über 60 Eltern teilnehmen, wird über den weiteren Erhalt der
Schule gesprochen. Der Schulrat erläutert ausführlich, dass
ein starres Festhalten an kleinen Systemen im Endeffekt zu Lasten der
Kinder gehen muss, und setzt sich für die Auflösung der
Schule ein. Für die Abschulung der Oberstufe ergibt die Abstimmung
der Eltern: 23 für Lohne, 10 für Wietmarschen. Die Erhaltung
der Grundschule ist für alle Eltern ein besonderes Anliegen. Der
Gemeindedirektor verspricht, sich bei allen zuständigen
Stellen dafür einzusetzen, dass a) die Grundschule weiter bestehen
bleibt und b) andernfalls ein Bus die weiter entfernt (über 4 km)
wohnenden Kinder nach Lohne bringt.
Am
23. Juni erhält Lehrer Mühl
seine
Versetzungsverfügung nach Rolandswerth, Kreis Ahrweiler. Niemand
weiß, wie es nach den Sommerferien am 27. August mit dem
Schulbesuch der Lohnerbrucher Schüler weitergehen soll.
Zum
Abschluss fährt der Lehrer am 2. Juli mit den 4. bis 8.
Schuljahrgängen in einer Klassenfahrt zum Hermannsdenkmal.
Damit enden die Eintragungen in der Schulchronik.
Für das Schuljahr 1968/69 wird der Lehrer Hermann Thölking von
der Volksschule Lohne abgeordnet. Die Schule besuchen 36 Kinder.
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1969
- Ab 1.8.1969 besuchen die Kinder
der Oberstufe die Volksschule Lohne. In Lohnerbruch verbleiben nur die
Jahrgänge 1 bis 3 mit 13 Schülern. Wegen der
Schuljahresumstellung von Ostern auf den Sommer gibt es kein 4.
Schuljahr. Der Lehrer Franz
Lühle ist mit voller Stundenzahl von der Volksschule Lohne
abgeordnet.
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1970
- In einem Hinweis in "Lohne- Eine
Chronik in Bildern" auf Seite 50 in einer Bildunterschrift heißt
es, dass die Schule
1970 geschlossen wird.
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Quelle:
- Schulchronik der
Volksschule Lohnerbruch, 1950 -
1968
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