Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelbericht zur Bildungspolitik
Welche Schulstruktur benötigt Niedersachsen?

Von Landrat Bernhard Reuter, Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistages

Während im Plenum und in den Fluren des Landtages über Bildungspolitik im Allgemeinen und die Schulstruktur im Besonderen viel debattiert, aber wenig entschieden wird, verändern sich die Rahmenbedingungen für Schule draußen im Land in rasantem Tempo:

  • Fast überall sinken die Schülerzahlen, in manchen Regionen massiv um absehbar bis zu 40%.
  • Nicht nur in den Großstädten, auch in großen Teilen des ländlichen Raumes wird die Hauptschule kaum noch nachgefragt: an zahlreichen Standorten entscheiden sich weniger als 10% der Fünftklässler für diese Schulform.
  • Die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen steigt in vielen Kreisen und Städten; Schulen ohne gymnasiale Perspektive werden von vielen Eltern auch dann nicht mehr akzeptiert, wenn der Leistungsstand ihres Kindes nach Klasse 4 das Abitur nicht unbedingt erwarten lässt.
  • Die Nachfrage nach gut ausbildeten Arbeitskräften steigt, die nach gering Qualifizierten sinkt dramatisch. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen von Renteneintritten und sinkender Schulabgängerzahlen droht vielen Regionen ein massiver Fachkräftemangel - spätestens nach Ende der gegenwärtigen Wirtschaftskrise.

Viele Schulstandorte sind massiv gefährdet

Viele Schulstandorte, vor allem in den ländlichen Räumen, in den demografisch rückläufigen und überalterten Regionen, sind massiv gefährdet, weite Schulwege drohen; besonders weit ausgerechnet für die Hauptschüler.

Die Landesregierung reagiert mit leichten Korrekturen. Mit verstärkter beruflicher Orientierung soll versucht werden die Hauptschulen zu stabilisieren. Ob dieser erneute Rettungsversuch – anders als eine Vielzahl vorhergehender – gelingen wird, erscheint zu mindestens fraglich. Außerdem soll die Zusammenarbeit von Hauptschulen und Realschulen verbessert werden. Dies ist als Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen. Er genügt aber nicht. Um ländliche und demografisch rückläufige Haupt- und Realschulstandorte zu sichern, ist die Möglichkeit der vollen Integration zwingend notwendig.

In vielen Kommunen werden aber auch integrierte Haupt- und Realschulen nicht ausreichend sein, um aus dem Dilemma von sinkenden Schülerzahlen und verändertem Schulformwahlverhalten heraus zu kommen. Wenn immer mehr Eltern für ihre Kinder einerseits eine realistische Perspektive für einen hochwertigen Schulabschluss wünschen, andererseits aber das Gymnasium nicht die passende Schulform ist, dann kann die Gesamtschule möglicherweise die richtige Antwort sein und zwar auch für Schulstandorte, die eine Fünfzügigkeit nicht hergeben.

Die Gesamtschule kann die richtige Antwort sein

Niedersachsen ist ein Flächenland mit großer regionaler Vielfalt. Was in der Stadt Hannover richtig ist, muss in Südoldenburg nicht ebenso richtig sein. Was im Emsland funktioniert, funktioniert nicht unbedingt auch im Harz. Wenn in Teilen des Landes Hauptschulen (noch) erfolgreich arbeiten können, warum soll es sie nicht weiter geben? Wenn in anderen Regionen weder Hauptschulen noch Realschulen breite Zustimmung erfahren, warum sollen nicht Gesamtschulen an ihre Stelle treten können?

Niemand weiß besser als die kommunalen Schulträger, welches schulische Angebot eine Region, ein Landkreis, eine Stadt benötigt, abgestimmt auf die Bildungsbedürfnisse der Familien und abgestimmt auf den Qualifikationsbedarf der regionalen Wirtschaft. Niemand ist zu Vor-Ort-Entscheidungen besser demokratisch legitimiert, als die gewählten Räte und Kreistage. Deshalb fordert der Niedersächsische Landkreistag als der Spitzenverband der Landkreise, die Träger der Mehrzahl der weiterführenden Schulen sind, parteiübergreifend durch einstimmige Gremienbeschlüsse:

  • die volle Integration von Haupt- und Realschulen zu ermöglichen
  • auch vierzügige Gesamtschulen zu genehmigen,
  • insgesamt mehr Handlungsspielräume für die Kommunen zuzulassen.

Den 30jährigen Bildungskrieg beenden

Die Landesregierung hat in den letzten Jahren häufig Mut bewiesen, Entscheidungen auf die Kommunen zu übertragen und damit z.B. bei der Umsetzung des Konjunkturpaketes oder in der Arbeitsmarktpolitik mit den kommunalen Jobcentern bemerkenswerte Erfolge erreicht. Warum sie sich ausgerechnet in der Schulpolitik, über deren Erfolg letztlich die Akteure vor Ort entscheiden, so schwer damit tut, ist kaum zu erklären.

Die mit fast konfessioneller Inbrunst betriebene Auseinandersetzung über ein integratives oder gegliedertes Schulsystem interessiert außerhalb der ideologischen Schützengräben nur noch wenige, der Landkreistag beteiligt sich jedenfalls an dieser Diskussion nicht. Der 30jährige Bildungskrieg sollte unter dem ökonomischen, fiskalischen und demografischen Veränderungsdruck schnellstmöglich beendet werden und einem allgemeinen Schulfrieden Platz machen, der die Verantwortlichen vor Ort über die zu ihrer Region passende Schulstruktur entscheiden lässt.

Noch zögert die Landesregierung die erforderlichen Konsequenzen aus dem gesellschaftlichen Wandel zu ziehen. Noch glaubt man, der Staat könne die Schulstruktur bis in jeden Landkreis und jede Gemeinde hin steuern. Noch.

(Quelle: Vorabdruck aus EuW 04/ 2010: Landkreistag fordert mehr Handlungsspielraum)

Zur Person:

Bernhard Reuter (55), Diplom-Jurist, war nach Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften sowie der Pädagogik an der Universität Göttingen Lehrer und Schulleiter, bevor er 1999 zum hauptamtlichen Landrat des Landkreises Osterode am Harz gewählt wurde. Reuter ist zudem Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistages und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages.