Grafschafter Schulgeschichte

Schöltien 

Wielen

Schule Hesepe 

1960

Gymnasium

Nordhorn 1960

Alte Schule Lage 

1691 - 1960

Schule Achterberg

ca. 1935

Schule Wilsum 

um 1900

Kirchschule Schüttorf um 1900

Einzelbericht zur Bildungspolitik
Zum Schulsystem in Niedersachsen

Gliederung:
1.
Schulsystem in Niedersachsen
2.  Welche Schulstruktur benötigt Niedersachsen?
von Bernhard Reuter, Nds. Landkreistag
3. Hochbegabtenförderung in Niedersachsen und in der Grafschaft Bentheim
4. Abi-Quoten in Niedersachsen (Schuljahr 2008/09)


1. Schulsystem in Niedersachsen

Die schwarz-gelbe Koalition hält am dreigliedrigen Schulsystem sowie wenigen Integrierten Gesamtschulen fest. Das Verbot zur Eröffnung neuer Gesamtschulen wurde im August 2008 zwar aufgehoben, diese dürfen nach dem Schulgesetz nur entstehen, "wenn der Besuch von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien im Gebiet des Landkreises oder der kreisfreien Stadt unter zumutbaren Bedingungen möglich bleibt". Alle Gesamtschulen müssen mindestens fünfzügig geführt werden. Das Abitur wird - wie an Gymnasien - nach zwölf Jahren vergeben.
Der Anteil der Gymnasiasten in den 8. Klassen (ohne Förderschulen) betrug 2008  37 %.
Quelle: FAZ, 15.12.2009


2.Welche Schulstruktur benötigt Niedersachsen?

Von Landrat Bernhard Reuter, Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistages

Während im Plenum und in den Fluren des Landtages über Bildungspolitik im Allgemeinen und die Schulstruktur im Besonderen viel debattiert, aber wenig entschieden wird, verändern sich die Rahmenbedingungen für Schule draußen im Land in rasantem Tempo:

  • Fast überall sinken die Schülerzahlen, in manchen Regionen massiv um absehbar bis zu 40%.
  • Nicht nur in den Großstädten, auch in großen Teilen des ländlichen Raumes wird die Hauptschule kaum noch nachgefragt: an zahlreichen Standorten entscheiden sich weniger als 10% der Fünftklässler für diese Schulform.
  • Die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen steigt in vielen Kreisen und Städten; Schulen ohne gymnasiale Perspektive werden von vielen Eltern auch dann nicht mehr akzeptiert, wenn der Leistungsstand ihres Kindes nach Klasse 4 das Abitur nicht unbedingt erwarten lässt.
  • Die Nachfrage nach gut ausbildeten Arbeitskräften steigt, die nach gering Qualifizierten sinkt dramatisch. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen von Renteneintritten und sinkender Schulabgängerzahlen droht vielen Regionen ein massiver Fachkräftemangel - spätestens nach Ende der gegenwärtigen Wirtschaftskrise.

Viele Schulstandorte sind massiv gefährdet

Viele Schulstandorte, vor allem in den ländlichen Räumen, in den demografisch rückläufigen und überalterten Regionen, sind massiv gefährdet, weite Schulwege drohen; besonders weit ausgerechnet für die Hauptschüler.

Die Landesregierung reagiert mit leichten Korrekturen. Mit verstärkter beruflicher Orientierung soll versucht werden die Hauptschulen zu stabilisieren. Ob dieser erneute Rettungsversuch – anders als eine Vielzahl vorhergehender – gelingen wird, erscheint zu mindestens fraglich. Außerdem soll die Zusammenarbeit von Hauptschulen und Realschulen verbessert werden. Dies ist als Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen. Er genügt aber nicht. Um ländliche und demografisch rückläufige Haupt- und Realschulstandorte zu sichern, ist die Möglichkeit der vollen Integration zwingend notwendig.

In vielen Kommunen werden aber auch integrierte Haupt- und Realschulen nicht ausreichend sein, um aus dem Dilemma von sinkenden Schülerzahlen und verändertem Schulformwahlverhalten heraus zu kommen. Wenn immer mehr Eltern für ihre Kinder einerseits eine realistische Perspektive für einen hochwertigen Schulabschluss wünschen, andererseits aber das Gymnasium nicht die passende Schulform ist, dann kann die Gesamtschule möglicherweise die richtige Antwort sein und zwar auch für Schulstandorte, die eine Fünfzügigkeit nicht hergeben.

Die Gesamtschule kann die richtige Antwort sein

Niedersachsen ist ein Flächenland mit großer regionaler Vielfalt. Was in der Stadt Hannover richtig ist, muss in Südoldenburg nicht ebenso richtig sein. Was im Emsland funktioniert, funktioniert nicht unbedingt auch im Harz. Wenn in Teilen des Landes Hauptschulen (noch) erfolgreich arbeiten können, warum soll es sie nicht weiter geben? Wenn in anderen Regionen weder Hauptschulen noch Realschulen breite Zustimmung erfahren, warum sollen nicht Gesamtschulen an ihre Stelle treten können?

Niemand weiß besser als die kommunalen Schulträger, welches schulische Angebot eine Region, ein Landkreis, eine Stadt benötigt, abgestimmt auf die Bildungsbedürfnisse der Familien und abgestimmt auf den Qualifikationsbedarf der regionalen Wirtschaft. Niemand ist zu Vor-Ort-Entscheidungen besser demokratisch legitimiert, als die gewählten Räte und Kreistage. Deshalb fordert der Niedersächsische Landkreistag als der Spitzenverband der Landkreise, die Träger der Mehrzahl der weiterführenden Schulen sind, parteiübergreifend durch einstimmige Gremienbeschlüsse:

  • die volle Integration von Haupt- und Realschulen zu ermöglichen
  • auch vierzügige Gesamtschulen zu genehmigen,
  • insgesamt mehr Handlungsspielräume für die Kommunen zuzulassen.

Den 30jährigen Bildungskrieg beenden

Die Landesregierung hat in den letzten Jahren häufig Mut bewiesen, Entscheidungen auf die Kommunen zu übertragen und damit z.B. bei der Umsetzung des Konjunkturpaketes oder in der Arbeitsmarktpolitik mit den kommunalen Jobcentern bemerkenswerte Erfolge erreicht. Warum sie sich ausgerechnet in der Schulpolitik, über deren Erfolg letztlich die Akteure vor Ort entscheiden, so schwer damit tut, ist kaum zu erklären.

Die mit fast konfessioneller Inbrunst betriebene Auseinandersetzung über ein integratives oder gegliedertes Schulsystem interessiert außerhalb der ideologischen Schützengräben nur noch wenige, der Landkreistag beteiligt sich jedenfalls an dieser Diskussion nicht. Der 30jährige Bildungskrieg sollte unter dem ökonomischen, fiskalischen und demografischen Veränderungsdruck schnellstmöglich beendet werden und einem allgemeinen Schulfrieden Platz machen, der die Verantwortlichen vor Ort über die zu ihrer Region passende Schulstruktur entscheiden lässt.

Noch zögert die Landesregierung die erforderlichen Konsequenzen aus dem gesellschaftlichen Wandel zu ziehen. Noch glaubt man, der Staat könne die Schulstruktur bis in jeden Landkreis und jede Gemeinde hin steuern. Noch.

(Quelle: Vorabdruck aus EuW 04/ 2010: Landkreistag fordert mehr Handlungsspielraum)

Zur Person:

Bernhard Reuter (55), Diplom-Jurist, war nach Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften sowie der Pädagogik an der Universität Göttingen Lehrer und Schulleiter, bevor er 1999 zum hauptamtlichen Landrat des Landkreises Osterode am Harz gewählt wurde. Reuter ist zudem Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistages und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages.

3. Hochbegabtenförderung in Niedersachsen und in der Grafschaft Bentheim

Im Niedersächsischen Schulgesetz wird u. a. die Förderung für hoch begabte Schülerinnen und Schüler besonders herausgestellt (§ 54 Abs. 1), denn junge Menschen unterscheiden sich in ihren Begabungen und Fähigkeiten, in ihren Interessen und Neigungen. Der beste Bildungsweg für jede Schülerin und jeden Schüler ist daher derjenige, der die spezifische Leistungsfähigkeit optimal zur Entfaltung bringt.

Die schulische Begabungsförderung wird seit Jahren stufenweise an bestimmten Standorten in Niedersachsen intensiviert und ein nahezu flächendeckendes Schulangebot für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen aufgebaut. Schulen schließen sich dabei regional und schullaufbahnbezogen zu Kooperationsverbünden zusammen. Dabei stellen Grundschulen und weiterführende Schulen durch gemeinsame Konzepte sicher, dass besondere Begabungen früh- und rechtzeitig erkannt, anerkannt und verstanden, individuell gefördert und umfassend integriert werden.

Insgesamt gibt es damit im Schuljahr 2010/11 an 87 Standorten Kooperationsverbünde mit 484 Schulen und 108 Kindertagesstätten in 37 Verbünden. Das landesweite Netz umfasst insgesamt 355 Grundschulen, zwei Förderschulen, fünf Hauptschulen, 16 Realschulen, 6 Integrierte Gesamtschulen, neun Kooperative Gesamtschulen, 91 Gymnasien und 108 Kindertageseinrichtungen.

Der Besuch einer Schule des Kooperationsverbundes Hochbegabungsförderung ist auch über Schulbezirksgrenzen hinaus möglich. Das Land unterstützt die beteiligten Schulen durch zusätzliche Lehrerstunden; für Koordinierungs- und Entwicklungsaufgaben im Verbund werden in einer einjährigen Startphase Anrechnungsstunden gewährt.

Der Aufbau und die Entwicklung von Kooperationsverbünden der Schulen im Sinne einer Vernetzung werden durch das Beratungs- und Fortbildungsangebot der Landesschulbehörde und des Niedersächsischen Landesamtes für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NiLS) unterstützt. Dabei sollen die schulinternen, kollegialen Beratungs- und Unterstützungskräfte gestärkt und Beratungs- und Fortbildungsangebote für Schulen so konzipiert und bereit gestellt werden, dass sie flexibel abrufbar sind. Durch die Einbeziehung außerschulischer Anbieter sowie die Zusammenarbeit mit Elterninitiativen und Verbänden sollen Vielfalt und Professionalität sichergestellt werden.

In der Grafschaft Bentheim bestehen drei Kooperationsverbünde Hochbegabtenförderung:

Nordhorn 1: SchulKiGa der Waldschule Nordhorn, GS Blumensiedlung Nordhorn, GS Waldschule Nordhorn, GY Nordhorn 

Nordhorn 2:  KiGa Kirchstraße Bad Bentheim, KiGa Regenbogen Gildehaus,  Städt. Kindergarten Schüttorf, GS Auf dem Süsteresch Schüttorf, GS Bad Bentheim, GHS Gildehaus, GY Burg Bad Bentheim

Nordhorn 3: Ev.-luth. KiGa Prinzenstraße Neuenhaus, GS Neuenhaus, GS Carl-van-der-Linde-Schule Veldhausen,
GY Lise-Meitner Neuenhaus/Uelsen

Quelle: Schulverwaltungsblatt 8/2010, Seite 276

3.  Abi-Quoten in Niedersachsen (Schuljahr 2008/09)


Auf dem Lande machen in Niedersachsen deutlich weniger Jugendliche ihr Abitur als in der Stadt. Das zeigen die Daten, die die Landesregierung auf die Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag ("Wie stellt sich die Abiturquote im Flächenland Niedersachsen dar?) zr Verfügung gestellt hat. Die Zahlen beziehen sich auf die Absoventen mit allgemeiner Hochschulreife am Ende des Schuljahres 2008/09.

Im Landesdurchschnitt machen die Abiturienten 29,4 % eines Schülerjahrgangs aus. Die Abiturquote in den Städten Braunschweig (47,0 %), Osnabrück (49,6 %), Wolfsburg (44,2 %), Hannover (38,8 %) oder Emden (37,2 %) liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt. In den eher ländlichen Regionen fällt demgegenüber die Quote erheblich ab. Der Landkreis Peine mit 17,8 % oder der Landkreis Osnabrück mit 14,7 % liegen weit unter dem Durchschnitt. Stadt (52,7 %) und Landkreis Oldenburg (13,2 %), Spitzenreiter und Schlusslicht in der Rangliste der Abi-Quote, sind anders zu betrachten, da ein Landkreis-Gymnasium innerhalb der Stadtgrenzen liegt.

Der Landkreis Grafschaft Bentheim liegt bei 23,6 %, der Landkreis Emsland bei 26,9 % .

Die Ergebnisse im einzelnen:

Nr.
Landkreis/kreisfreie Stadt        
Summe
Abiturquote
1.
Braunschweig
1.307
47,0
2.
Delmenhorst
328
36,6
3.
Emden
235
37,2
4.
Hannover Stadt
1.980
38,3
5.
Landkreis Ammerland
294
21,1
6.
Landkreis Aurich
587
24,2
7.
Landkreis Celle
546
24,6
8.
Landkreis Cloppenburg
580
25,7
9.
Landkreis Cuxhaven
476
21,1
10.
Landkreis Dannenberg
168
29,4
11.
Landkreis Diepholz
675
27,0
12.
Landkreis Emsland
1.158
26,9
13.
Landkreis Friesland
274
22,7
14.
Landkreis Gifhorn
484
21,1
15.
Landkreis Goslar
403
25,5
16.
Landkreis Göttingen
1.141
35,1
17.
Landkreis Grafschaft Bentheim
428
23,6
18.
Landkreis Hameln
582
31,4
19.
Landkreis Harburg
835
31,8
20.
Landkreis Helmstedt
249
21,8
21.
Landkreis Hildesheim
1.212
35,7
22.
Landkreis Holzminden
196
22,4
23.
Landkreis Leer
443
20,9
24.
Landkreis Lüneburg
710
34,8
25.
Landkreis Nienburg
356
22,5
26.
Landkreis Nordheim
590
34,7
27.
Landkreis Oldenburg
199
13,2
28.
Landkreis Osnabrück
696
14,7
29.
Landkreis Osterholz
434
33,9
30.
Landkreis Osterode
244
28,8
31.
Landkreis Peine
273
17,8
32.
Landkreis Rotenburg (Wümme)
595
28,1
33.
Landkreis Schaumburg
642
35,0
34.
Landkreis Soltau-Fallingbostel
473
27,2
35.
Landkreis Stade
673
28,3
36.
Landkreis Uelzen
318
29,4
37.
Landkreis Vechta
612
33,0
38.
Landkreis Verden
482
29,6
39.
Landkreis Wesermarsch
332
28,8
40.
Landkreis Wittmund
165
23,8
41.
Landkreis Wolfenbüttel
310
22,5
42.
Oldenburg
971
52,7
43.
Osnabrück
939
49,6
44.
Region Hannover (ohne Stadt H.)
2.076
30,2
45.
Salzgitter
282
22,4
46.
Wilhelmshaven
299
30,9
47.
Wolfsburg
613
44,2

Land Niedersachsen
27.878
29,4